Jubiläum
Rückblick: Die ÖKK feiert ihr 100-jähriges Bestehen

Die Geschichte der Öffentlichen Krankenkasse ÖKK, heute Sympany, hatte Glanzzeiten und Tiefpunkte. Nach dem Namenswechsel kam es Jahre darauf wieder zu Verlusten.

Stefan Schuppli
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An der Klybeckstrasse 1B – Kopfbau der Kaserne mit dem Restaurant Parterre – war der erste Firmensitz der ÖKK, die vor 100 Jahren gegründet wurde.

An der Klybeckstrasse 1B – Kopfbau der Kaserne mit dem Restaurant Parterre – war der erste Firmensitz der ÖKK, die vor 100 Jahren gegründet wurde.

Juri Junkov

Morgen Mittwoch sind exakt 100 Jahre vergangen, als die Öffentliche Krankenkasse Basel ihren Betrieb aufnahm. Schwierige Zeiten. Erst eben hatte der Erste Weltkrieg begonnen. Trotzdem wagte man in Basel eine soziale Pioniertat. Und dies in verschiedener Hinsicht. Die Prämien waren einkommensabhängig ausgestaltet. Arme zahlten nichts, die übrigen zahlten ein Drittel, zwei Drittel oder die ganze Prämie. Der Kanton schüttete entsprechende Subventionen. Um eine breite Risikostreuung zu erreichen, wurde ein Obligatorium eingeführt – zunächst aber lediglich für weniger Bemittelte. Weil schon damals viele ältere Personen bei der ÖKK versichert waren, deckte der Kanton das Defizit. Schon damals gab es überraschend ähnliche Probleme wie heute: Unnötige Behandlungen, zu viel Bürokratie ... und laufend steigende Gesundheitskosten.

Es drohte gar die Schliessung

1974 versicherte die ÖKK gerade noch 60 Prozent der Bevölkerung. Die Abschaffung der Spitaltaxsubventionen des Kantons brachte die ÖKK noch mehr in Schieflage. Die Prämien mussten erhöht werden, viele Versicherte kehrten der ÖKK den Rücken. Und es bestanden Pläne für die Schliessung.

Doch dann wurde in einer Volksabstimmung das Ruder herumgeworfen. Die Krankenkasse wurde reorganisiert und bekam wegen der «schlechten Risikostruktur» (viele ältere Versicherte) eine Abgeltung des Kantons. Andererseits wurde ihr erlaubt, in die Restschweiz zu expandieren und Zusatzversicherungen anzubieten.

Eine weitere Pioniertat der ÖKK war die Gründung des «Gesundheitsplan HMO». Das Prinzip: die Ärzte sind von der «Health Maintenance Organization» angestellt. Sie sammeln keine Taxpunkte. Neben der Qualität spielen auch die Kosten eine Rolle.

Sympany – warum?

Zwischen 2003 und 2008 arbeitete die Basler ÖKK eng mit der bündnerischen zusammen. Eine Fusion wurde geprüft, aber sie kam nicht zustande. Mehr noch: Die Kooperation wurde aufgegeben. Das war der Ausgangspunkt für eine weitgehende strategische Repositionierung des Unternehmens unter dem Namen Sympany. Sympany wollte weg von den oft genannten Versicherungsattributen wie «unpersönlich», «bürokratisch» oder «verwaltungsähnlich». Das neue Schlagwort war Kundenorientierung. Neu wurden Sachversicherungen eingeführt. Die Überlegung dahinter war, dass der Kontakt zu ihren Versicherten genutzt werden konnte. Das ist gegenüber reinen Sachversicherern ein wesentlicher Vorteil.

Wachstum ...

Ein Namenswechsel ist fast immer problematisch. Sympany, der englische Wort-Hybrid von Sympathy und Company ist schwierig und etwas anbiedernd. Ausserdem war es für das neue Basler Unternehmen eine Herausforderung, dass die Marke «ÖKK» gleichzeitig weiter bestand und vom ehemaligen Kooperationspartner in Graubünden betrieben wurde.

2009 wurde die Luzerner Krankenversicherung Xundheit, ehemals ÖKK Luzern, die wegen finanzieller Probleme zum Verkauf stand, in die Stiftung Sympany integriert. Damit kamen gut 30 000 Versicherte zu Sympany, die unter dem angestammten Markennamen weiter betreut wurden. Allerdings schätzte man die Möglichkeiten teilweise zu euphorisch ein, das Wachstum hatte seinen Preis. Durch das Wachstum und die Angebotsentwicklung in den Jahren zuvor hatte sich auch die Komplexität der Firma laufend erhöht. Sympany sah sich bald vor ernsthaften finanziellen Herausforderungen.

... und Verluste

Während das Unternehmensergebnis 2008 noch eine schwarze Null er reichte, musste Sympany im Folgejahr einen deutlichen Verlust ausweisen. Erst mit der so oft gepriesenen «Fokussierung auf die Kundenbedürfnisse» und den Massnahmen zur Kostensenkung veränderten sich ab 2011 für die Ergebnisse von Sympany die Vorzeichen: Das Unternehmen erholte sich finanziell wieder, musste aber einen Rückgang der Versichertenzahlen hinnehmen. Sympany straffte die Führungsstruktur und baute, meist über natürliche Fluktuation, Stellen ab. Damit und mit weiteren operativen Massnahmen senkte Sympany ihre Kosten deutlich. Heute steht Sympany wieder gut da.

Es ist sogar so: Die Versicherten werden am Ergebnis beteiligt. Damit profitieren sie, wenn die Leistungsbezüge tiefer ausfallen als erwartet.

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