Riehen
Hansjörg Wilde tritt nicht mehr an und lanciert damit den Wahlkampf ums Gemeindepräsidium

Fast acht Jahre lang war der parteilose Gemeindepräsident im Amt. Für die Gemeindewahlen im Februar 2022 ist damit ein spannender Wahlkampf in Aussicht. Wer löst Wilde ab?

Tobias Gfeller
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Hansjörg Wilde war vor vier und vor acht Jahren der gemeinsame Kandidat der sehr erfolgreichen Bürgerlichen Zusammenarbeit (Büza) in Riehen.

Hansjörg Wilde war vor vier und vor acht Jahren der gemeinsame Kandidat der sehr erfolgreichen Bürgerlichen Zusammenarbeit (Büza) in Riehen.

Bild: Kenneth Nars

Hansjörg Wilde bleibt seiner konsequenten Linie treu. Als Verfechter von Amtsbeschränkungen gibt er knapp sieben Jahre nach seinem Amtsantritt seinen Rücktritt bekannt. An den kommenden Gemeindewahlen im Februar 2022 tritt der parteilos aber klar bürgerlich politisierende 56-Jährige nicht mehr zur Wiederwahl an.

Wilde wirkte gestern bei der Verkündigung seines Rücktritts mit sich im Reinen. Er freue sich nun auf neue berufliche Herausforderungen und mehr Zeit für die Familie, insbesondere für die beiden Enkelkinder. Dabei blickt Wilde auf eine gut aufgestellte Gemeinde. Er nutzt dafür Adjektive wie «aufgeschlossen, transparent und attraktiv», was den Zuzug von immer mehr jungen Familien bestätigen würde.

«Durch stabile Finanzen und durch eine vergrösserte Autonomie konnte sich Riehen als eine stabile, bürgerliche Gemeinde festigen.»

Kämpfer für die Gemeindeautonomie

Auf Nachfrage bestätigt der Riehener Gemeindepräsident, dass er das Gefühl habe, die Gemeindeautonomie von Riehen und Bettingen gegenüber dem Kanton Basel-Stadt sei in den vergangenen Jahren gestärkt geworden. «Die Gemeindeautonomie ist ein laufendes Traktandum. Ich bin aber schon überzeugt, dass Riehen heute gegenüber dem Kanton und der Stadt selbstbewusster auftritt als auch schon.»

Der Riehener Gemeinderat, von links: Daniel Hettich (LDP), Christine Kaufmann (EVP), Guido Vogel (SP), Gemeindepräsident Hansjörg Wilde, Felix Wehrli (SVP), Silvia Schweizer (FDP) und Daniel Albietz (CVP) .

Der Riehener Gemeinderat, von links: Daniel Hettich (LDP), Christine Kaufmann (EVP), Guido Vogel (SP), Gemeindepräsident Hansjörg Wilde, Felix Wehrli (SVP), Silvia Schweizer (FDP) und Daniel Albietz (CVP) .

Bild: Kenneth Nars

Das Gefühl eines schlechten Verhältnisses, das man auch aufgrund der Parkplatzdiskussion beim Friedhof Hörnli oder mehreren Vorstössen von Riehener Grossrätinnen und Grossräten, die einen stärkeren Einbezug von Riehener und Bettinger Anliegen forderten, täusche aber, so Wilde. «Klar haben wir auch Diskussionen, manchmal auch harte. Aber das Verhältnis ist wirklich gut, die Kommunikationswege zum Beispiel von mir zu meinen ‹Gspändli› im Kanton kurz.» Mit «Gspändli» meint Wilde die Regierungsrätinnen und Regierungsräte.

Einigt sich die bürgerliche Allianz?

Hansjörg Wilde war vor vier und vor acht Jahren der gemeinsame Kandidat der sehr erfolgreichen Bürgerlichen Zusammenarbeit (Büza) in Riehen. Die Chance ist gross, dass die Nachfolgerin oder der Nachfolger des amtierenden Gemeindepräsidenten auch aus dem Block aus Mitte, LDP, FDP und SVP kommen wird. Wie gut das Päckchen schon wieder funktioniert, zeigt die Tatsache, dass sie sich für Anfragen abgesprochen zu haben scheinen.

«Ich werde dies zuerst mit meiner Partei besprechen und dann mit den bürgerlichen Kollegen»,
Daniel Albietz, Mitte, Gemeinderat Riehen.

Daniel Albietz, Mitte, Gemeinderat Riehen.

Bild: zvg

teilen unisono, aber einzeln, Gemeinderätin Silvia Schweizer (FDP) und die Gemeinderäte Daniel Albietz (die Mitte), Daniel Hettich (LDP) und Felix Wehrli (SVP) mit. Das Ziel ist klar: Aus diesem Quartett soll eine gemeinsame Kandidatin oder ein gemeinsamer Kandidat bestimmt werden. Der amtierende Amtsinhaber Hansjörg Wilde hätte da schon einen Favoriten, wie er halbwegs durchblicken lässt. Und damit meint er Finanzchef Albietz, der bei den vergangenen Wahlen jeweils das Spitzenresultat erzielte und im Oktober auch noch ins Basler Parlament gewählt wurde.

SPler Guido Vogel zeigt Interesse

Guido Vogel, SP, Gemeinderat Riehen.

Guido Vogel, SP, Gemeinderat Riehen.

Bild: Kenneth Nars

Doch auch Gemeinderätin Christine Kaufmann (EVP), die vor vier beziehungsweise acht Jahren jeweils Hansjörg Wilde im Kampf ums Gemeindepräsidium unterlag, will sich noch nicht konkret äussern. Am deutlichsten äussert SP-Gemeinderat Guido Vogel seine Ambitionen. «Ich habe Interesse. Aber ein definitiver Entscheid ist noch weit weg.» Es seien noch viele Fragen offen, so der Unternehmer und Biochemiker, der 2014 in den Gemeinderat gewählt wurde, damals aber auch fürs Gemeindepräsidium kandidierte. Mit einer Aussage lässt Vogel aber aufhorchen: «Es sind einige, die Interesse am Amt haben.» Einfach scheint die Kandidatenkür bei den Bürgerlichen womöglich nicht zu werden.