Kunstmuseum Basel
Rembrandt und Rassismus – ein Podcast klärt auf

Das Kunstmuseum Basel verstärkt mit einem fünfteiligen Podcast den kritischen Kontext zu seiner Ausstellung «Rembrandts Orient».

Hannes Nüsseler
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Was hat uns Rembrandt über unsere eigene Zeit zu sagen?

Was hat uns Rembrandt über unsere eigene Zeit zu sagen?

Julian Salinas

Die junge Journalistin und politische Bildnerin Amina Aziz spricht im Podcast «Rembrandt, habibi!» über Postkolonialismus in Museen, alte weisse Männer und alte Meister. Mirjam Baitsch, Verantwortliche Marketing & Development am Kunstmuseum Basel, über die neuen Wege, die das Museum beschreitet.

Das Kunstmuseum ist wegen der Pandemie geschlossen, dafür gibt es jetzt einen Podcast zu «Rembrandts Orient». Geplant oder glücklicher Zufall?

Mirjam Baitsch: Der Podcast wurde im Rahmen der digitalen Vermittlung und Kommunikation speziell für diese Ausstellung entworfen. Er hat die Dringlichkeit dieses Mediums während der Coronazeit aber zusätzlich unterstrichen. Was sonst an Veranstaltungen vor Ort stattgefunden hätte, ist verstärkt in dieses digitale Format mit eingeflossen.

Warum gerade zu dieser Ausstellung ein Podcast?

Wir wollten die Reflexion über das Thema Rembrandt und Orient breiter anlegen. Uns war es aber auch wichtig, dass wir das nicht alleine tun, und haben das Thema deshalb von der Journalistin Amina Aziz aufarbeiten lassen.

An wen richtet er sich?

Mit der Tonalität und dem Medium möchten wir sicher auch ein jüngeres Publikum erreichen, die Herangehensweise und Sprache sind frecher.

«Haram, geil, easy» – ist der Jugendsprech nicht aufgesetzt?

Ich kann verstehen, dass man das so sehen kann, aber ich denke nicht. Amina Aziz tut dies auf für sie und ihre Generation authentische Art. Uns geht es darum, das teilweise als elitär empfundene Image von Kunstmuseum Basel und Kunstvermittlung zu revidieren. Die Journalistin hat den Podcast zusammen mit unserem Team für Programme / Bildung & Vermittlung erarbeitet. Es handelt sich dabei also nicht um ein reines Produkt aus der Kommunikationsabteilung.

Mirjam Baitsch «Der Podcast soll zum Denken anregen, dabei aber respektvoll bleiben.»

Mirjam Baitsch «Der Podcast soll zum Denken anregen, dabei aber respektvoll bleiben.»

Mark Niedermann

Der Ton des Podcasts ist recht forsch. Haben Sie keine Angst, ein konservatives Publikum damit zu vergrätzen?

Der Podcast ist ein Pilotversuch, das heisst, wir sind durchaus daran interessiert, kritisches Feedback zu erhalten. Wir wollen unser Stammpublikum damit aber auf keinen Fall vergraulen, sondern einen neuen und aktuellen Zugang schaffen zu Kunst, die nicht zeitgenössisch ist. Der Podcast soll zum Denken anregen, dabei aber respektvoll bleiben.

«Rembrandt, habibi!» argumentiert, dass Kunst immer einen Kontext braucht, in diesem Fall das Wissen um den weissen Blick auf «exotische» Kulturen. Fehlt das der Ausstellung?

Der Ausstellungskontext ist ganz klar. Es geht um die niederländische Malerei während des «Goldenen Zeitalters» – wobei dieser Begriff retrospektiv infrage gestellt werden muss. Dazu bildet der Podcast eine Ergänzung.

Eine Ergänzung oder einen Ersatz?

Man könnte die Ausstellung sicher aus einer anderen Perspektive angehen oder erweitern. Wir hatten auch überlegt, ob wir den Podcast in den Ausstellungsräumen stärker miteinbeziehen sollten, haben uns aber dagegen entschieden.

Der Podcast setzt viel voraus. Was muss ich über Kolonialismus wissen, um die Ausstellung zu verstehen?

Die Ausstellung soll für sich funktionieren, und das tut sie unseres Erachtens auch. Sie bietet einen Einblick in die Zeit des 17. Jahrhunderts und die – naive – Neugierde, die dem Orient entgegengebracht wurde. Natürlich gibt es da auch starke Parallelen zu heute, wo wir die Welt kritischer, teils aber auch mit mehr Vorurteilen betrachten.

In Sachen Vorurteilen und Rassismus verweist «Rembrandt, Habibi!» stark auf deutsche Beispiele. Ist das für einen Podcast aus Basel mit seinen eigenen Altlasten keine verpasste Chance?

Gerade wenn es um digitale Formate geht, versuchen wir natürlich, über den lokalen Kontext hinaus zu schauen und eine internationale Gültigkeit zu erreichen. Das könnte man das nächste Mal aber sicher anders machen oder ergänzen. Wie gesagt gehen wir mit diesem Podcast neue Wege und sind auf solche Feedbacks auch angewiesen.

Im Podcast wird die Frage nach der Relevanz von Museen gestellt, die insgesamt ethnisch diverser werden sollen. Überlässt das Kunstmuseum Basel diese Diversität seinen Podcasts?

Nein! (lacht) Das ist in der Tat eine relevante Frage, und es gibt unterschiedliche Tätigkeiten, die wir verfolgen. Wir bieten Formate an wie «Deutsch lernen im Museum» und arbeiten an weiteren für Menschen mit Migrationshintergrund. Wir haben Antirassismus-Workshops und bilden uns auch intern weiter. Vor allem aber möchten wir vermehrt darauf achten, was für Ausstellungen wir machen und wie sie vermittelt werden. Diversität in Sachen Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit sind dabei zentral.

Was für Reaktionen hat das Kunstmuseum auf «Rembrandt, habibi!» erhalten?

Die Reaktionen waren nicht durchwegs aber doch grösstenteils positiv – vor allem auch im deutschen Kunst- und Kulturbereich. Auf den Social-Media-Kanälen gab es ebenfalls anregende Diskussionen. Ein Kritikpunkt war, dass wir von einer kunsthistorischen Nische in eine zu intellektuelle wechseln...

Aus Ihrer Sicht also: Experiment geglückt?

Durchaus. Wir befinden uns in einem Transformationsprozess, was die digitale Vermittlung und Kommunikation betrifft. Jetzt müssen wir unsere Stimme finden.

Der Podcast «Rembrandt, habibi!» kann auf der Seite des Kunstmuseum Basel gehört werden.

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