Gratiszeitung
Pressekrampf im minderen Basel: Zweifel an rechtmässiger Einstellung vom «Vogel Gryff»

Vergangene Woche wurde kommuniziert, dass die eigenständige Produktion des «Vogel Gryff» eingestellt wird. Die IG Kleinbasel zweifelt aber die rechtmässige Einstellung der Kleinbasler Gratiszeitung an.

Christian Mensch
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Der «Vogel Gryff» hat nach siebzig Jahren wohl ausgetanzt.

Der «Vogel Gryff» hat nach siebzig Jahren wohl ausgetanzt.

Kenneth Nars

André Auderset ist in Wallung. Der LDP-Politiker und Berufskleinbasler sieht sich seines liebsten Sprachrohrs beraubt: Die Gratiszeitung «Vogel Gryff» wird als eigenständige Publikation eingestellt und soll im Magazin «Basel aktuell» aufgehen, das im März erstmals erscheinen soll.

Die Hiobsbotschaft kommuniziert hat vergangene Woche das Baselbieter Verlagshaus Birs Forum Medien GmbH. Dieses gibt bisher die Gratiszeitschrift «Regio aktuell» heraus und will mit «Basel aktuell» nun ein städtisches Pendant lancieren.

Auderset ist Präsident der Interessengruppe Kleinbasel (IGK), einem Verbund des Kleinbasler Gewerbes. Die IGK hatte 2013 wesentlich dazu beigetragen, dass der «Vogel Gryff» vom damaligen BaZ-Verleger Christoph Blocher nicht eingestellt, sondern an die dafür gegründete Genossenschaft Neue Kleinbasler Medien (GNKM) verkauft wurde. Herausgegeben wird der «Vogel Gryff» seither vom NKM Verlag AG, einer Tochterfirma der GNKM.

Genossenschaft hat dem Geschäft nicht zugestimmt

Auderset zweifelt, ob beim Pressedeal alles seine Ordnung hat. Im Handelsregister ist er als Vorstand der Genossenschaft eingetragen, doch dieser Vorstand habe nie einer solchen Veräusserung zugestimmt, sagt Auderset. Ernst Staehelin, Präsident der Genossenschaft sowie der Aktiengesellschaft, bestätigt, dass es keinen Beschluss gebe.

Die Verlagsrechte bleiben bei der Genossenschaft.

(Quelle: Ernst Staehelin, Präsident GNKM)

Doch ein solcher sei gar nicht nötig, da es sich nicht um einen Verkauf der Verlagsrechte handle. Vielmehr würden lediglich die Nutzungsrechte am Titel «Vogel Gryff» von der eigenen Aktiengesellschaft auf die Birs Forum Medien übertragen. Deren Inhaber Thomas Bloch sagt, er gehe davon aus, dass die unterschriebenen Verträge rechtmässig seien. Die Verlagsrechte, sagt Staehelin, «verbleiben bei der Genossenschaft».

Staehelin begründet den Schritt mit einem 80-prozentigen Einbruch der Anzeigenerlöse. Allerdings waren für die Genossenschafter bereits die vergangenen Jahre ein Blindflug. Niemand wusste, wie es der Firma geht. Nicht vertrauensfördernd war zuletzt der Austritt der Revisionsgesellschaft, die es nach «diversen Telefonaten und Korrespondenz» ablehnte, den anstehenden Jahresabschluss zu prüfen.

Andere Möglichkeiten werden geprüft

Audersets IGK hält nach eigenen Angaben eine Mehrheit der Genossenschaftsanteile, was Staehelin allerdings bestreitet. Sie will nun aber prüfen, ob es für den «Vogel Gryff» nicht andere Möglichkeiten gibt.

Einen Schritt vorgewagt hat der Spalentor-Verlag, ein IGK-Mitglied. Der Verlag, der das Magazin «B wie Basel» verlegt, hat beim Markenregister die bestehende Bildmarke des «Vogel Gryff» eintragen lasen. Für den Spalentor-Verlag sagt Christiane Widmer: «Diese sind frei gewesen, und wir bekunden damit Interesse, die Zeitung fortzuführen». Not amused ist darob Staehelin, der darin «einen klaren Fall von Urheberrechtsverletzung sieht» und eine Abmahnung verschicken will.

Ebenfalls interessiert ist die «Kleinbasler Zeitung», die vom Kleinbasler Ur-Gestein Roland Vögtli herausgegeben wird. Der Modehändler und FDP-Politiker war einst als BaZ-Delegierter Herausgeber des «Vogel Gryff», bis er dort unsanft aus dem Amt geworfen wurde. Ernst Staehelin sagt, die Geschichte mit Vögtli sei nicht so, dass sich eine Kooperation aufdränge.

Alle wollen nun mit allen reden, auch André Auderset. Hauptsache, die IGK verliert ihr liebstes Sprachrohr nicht.