Grosseinsatz im St. Johann

Polizeikommandant Roth: «Eine Lehrperson hätte auch tot neben dem Alarmknopf liegen können»

Ein Alarm löste am Donnerstag ein massives Polizeiaufgebot in drei Basler Schulhäusern aus. Die Polizei gab aber bald Entwarnung. Der Alarm war ein Fehler. Es war das erste Mal, dass ein Bedrohungsalarm an einem Basler Schulhaus ausgelöst wurde.

Mehrere Dutzend schwer bewaffneter Polizisten haben am Donnerstagnachmittag drei Schulhäuser im St. Johann umstellt und durchsucht. Grund dafür war ein Bedrohungsalarm, der via Schulalarmsystem ausgelöst wurde.

Der Bedrohungsalarm ist einer von drei Alarm-Möglichkeiten, die von Lehrpersonen mit einem entsprechenden Schlüssel ausgelöst werden können. Nach dem Auslösen ertönt ein Alarm, wie er aus Filmen bei Gefängnisausbrüchen bekannt ist. Und sämtliche Klassen sind angewiesen, sich in ihre Schulzimmer zurückzuziehen, die Türe abzuschliessen und sich zu verbarrikadieren.

Die Person, die den Alarmknopf drückt, sollte via Telefon Kontakt zur Polizei aufnehmen – was in diesem Fall allerdings, aus noch nicht geklärten Gründen, nicht geschah. Polizeikommandant Martin Roth, der an diesem Donnerstag zwar Büroarbeiten erledigte, aber gleichzeitig Pikettdienst hatte, sagte nach dem Einsatz: «Wenn eine Lehrperson den Bedrohungsalarm drückt und sich danach nicht bei der Polizei meldet, kann das auch bedeuten, dass sie bereits tot am Boden liegt.»

Martin Roth, Polizeikommandant

«Wenn eine Person den Bedrohungsalarm drückt und sich danach nicht meldet, kann das auch bedeuten, dass sie bereits tot am Boden liegt.»

Martin Roth, Polizeikommandant

Dieses drastische Szenario zeigt gut, wie der Polizeieinsatz in einem solchen Fall durchgeführt wird. Ein Grossaufgebot an Polizisten wird aufgeboten, ausgerüstet mit schusssicheren Westen, ballistischen Schutzschildern und Maschinenpistolen. Derart ausgerüstet, werden die Schulhäuser durchsucht. Erst wenn die Einheit Entwarnung gibt, werden die Kinder Klasse um Klasse evakuiert.

An diesem Donnerstag war dies um 14.25 Uhr abgeschlossen, rund anderthalb Stunden nach Eingang des Alarms. «Die erste Patrouille war bereits nach vier Minuten vor Ort», sagte Roth. Rund 150 Personen mussten aus den drei miteinander verbundenen Schulhäusern Vogesen, St. Johann und Pestalozzi sowie aus einer Schwimmhalle gebracht werden. «Die Zusammenarbeit hat hervorragend funktioniert», sagten die Verantwortlichen von Polizei, Erziehungsdepartement und Rettung.

Hier werden die Schülerinnen und Schüler aus dem St. Johanns-Schulhaus evakuiert.

Hier werden die Schülerinnen und Schüler aus dem St. Johanns-Schulhaus evakuiert.

   

Basel-Stadt verfügt seit acht Jahren über flächendeckende Alarmanlagen an Schulen. Diese können mit einem speziellen Schlüssel, über den sämtliche Lehrpersonen verfügen, bedient werden. Nebst der höchsten Alarmstufe «Bedrohung» können auch die Alarme «Abwarten» und «Räumen» betätigt werden.

  

Beim Ersten sind die Klassen angewiesen, im Zimmer zu bleiben und Türen und Fenster zu schliessen. Bei einer Räumung, wie sie etwa im Feuerfall ausgelöst werden kann, muss das Gebäude schnellstmöglich verlassen werden. Der betätigte Bedrohungs-Knopf hingegen soll gemäss Stefan Groth, Leiter Fachstelle Sicherheit beim Erziehungsdepartement, nur gedrückt werden, wenn tatsächlich eine bedrohliche Situation beobachtet werde. «Etwa ein Schüler mit einer gezogenen Waffe», erklärt er. Entsprechend selten werden solche Alarme ausgelöst, die Verantwortlichen gehen in einer ersten Annahme sogar davon aus, dass bisher noch kein solcher Alarm ausgelöst worden ist.

Grund für Alarm ist unklar

Weshalb und von wem der Knopf gedrückt wurde, oder ob es sich allenfalls um eine technische Störung gehandelt hat, wird derzeit noch untersucht. Sicher ist: Zugang zum Knopf haben sämtliche Lehrpersonen, die in einem Basler Schulhaus unterrichten. Die Alarmsysteme registrieren dabei nicht, welcher Schlüssel verwendet wurde. Andere Systeme, die via Chipkarte aktiviert werden können, verfügen über diese Möglichkeit.

Auch wird nach Betätigung des Alarmknopfs weder eine Video- noch eine Sprachverbindung zum Alarmsystem aufgebaut. Groth sagt: «Bei der Wahl des Systems hat auch die Finanzierbarkeit eine Rolle gespielt.»

Gerüchte machen die Runde

Die Schülerinnen und Schüler nahmen die Situation gelassen. Einige von ihnen nutzten die Zusatzpause zum Fussballspielen, andere boten wilde Gerüchte herum. Vom Bombenalarm über eine Klasse, die als Geisel gehalten werde, war alles zu hören.

Damit diese Gerüchte möglichst schnell abklingen, hat die Polizei allen Schülern einen Brief an die Eltern mitgegeben, in dem über den Polizeieinsatz informiert wird. Und darüber, dass alles glimpflich verlaufen sei.

Nur das Wort «Fehlalarm» wollte die Polizei gestern nicht in den Mund nehmen, weil der Grund des Bedrohungsalarms aktuell noch nicht geklärt sei.

Meistgesehen

Artboard 1