Asylwesen
Platznot - kein Wohnraum für Flüchtlingsfamilien in Basel

Basel hat zu wenig Plätze für Flüchtlingsfamilien – junge Männer belegen die Asylheime. Die Regierung hofft, dass sich die Situation mit dem Asylschiff bessern wird.

Moritz Kaufmann
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Für sie ist es einfacher, eine Unterkunft zu finden als für Familien: junge Afghanen im Empfangszentrum Bässlergut.

Für sie ist es einfacher, eine Unterkunft zu finden als für Familien: junge Afghanen im Empfangszentrum Bässlergut.

Archiv/Heike Grasser

Es dauert nicht mehr lange, bis das Asylschiff im St. Johann anlegt. Die Basler Behörden versprechen sich von dieser ungewöhnlichen Lösung eine Entlastung der chronisch an die Kapazitätsgrenze stossenden Asylunterkünfte. Wohnen werden auf dem früheren Hotelschiff Männer oder Paare ohne Kinder. Doch die sind nicht das eigentliche Problem: «Wenn uns allein reisende Männer zugewiesen werden, können wir sie in der Zivilschutzanlage Grün 80 unterbringen. Dort haben wir noch ein bisschen Platz. Wenn aber Familien kommen, haben wir ein Problem», sagt die Basler Asylkoordinatorin Renata Gäumann.

Asylschiff bringt mehr Autonomie

Eigentlich verfügt der Kanton über familiengerechte Liegenschaften. Diese sind aber mit Männergruppen belegt, die in einer Art WG zusammenleben: Sie haben ein eigenes Zimmer, teilen aber das Bad und die Küche. Wenn man diese Flüchtlinge in das Asylschiff zügelt, gewinnen sie dort an Autonomie: «Das Asylschiff wird den Bewohnern die Möglichkeit geben, ihr Leben individueller zu organisieren als jetzt in den Wohngruppen», sagt Gäumann.

Familien brauchen ruhiges Umfeld

Gleichzeitig stehen wieder Wohnungen für Familien zur Verfügung. Warum das wichtig ist, erklärt Susanne Bolz von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe: «Es ist wichtig, dass man Kindern ein ruhiges Umfeld bieten kann. Stete Unruhe ist traumatisierend.» Familien hätten grundsätzlich andere Bedürfnisse als Alleinreisende, welche man unkomplizierter unterbringen kann. «Kinder müssen spielen können und eine Struktur haben», sagt sie. Deshalb sei es nicht zumutbar, Familien in einem Massenschlag unterzubringen, wie man das bei Alleinreisenden könne. Der Stress der Erwachsenen erfasse auch die Kinder. «In anderen Kantonen ist es schon vorgekommen, dass man bei Engpässen Familien auseinandergerissen hat. Zum Beispiel, dass man die jugendlichen Söhne einfach bei den Männern einquartiert hat». Das gehe natürlich nicht, findet Bolz.

Auch Baselbiet kennt das Problem

Herausgefordert durch ankommende Flüchtlingsfamilien ist auch das Baselbiet beziehungsweise sind die Gemeinden, welche diese aufnehmen müssen. «Familien auseinander zu reissen, kommt für uns nicht in Frage», sagt Asylkoordinator Rolf Rossi. Deshalb verteile man sie in den Gemeinden, die entsprechende ausgerüstet seien. «Schwierig ist die Situation, wenn ein Flüchtling anerkannt ist und dann plötzlich von einem Tag auf den anderen seine Familie vor der Tür steht», sagt Rossi.
Der Eindruck, dass Flüchtlingsfamilien zunehmend von jungen Männern verdrängt werden, stimme nicht, sagt Asylkoordinatorin Gäumann. In anderen Krisen, etwa während des Balkan-Kriegs in den 90er-Jahren, seien mehr Familien gekommen, blickt Gäumann zurück. Das hänge damit zusammen, dass die Distanzen und damit die Risiken und Kosten geringer waren. Heute hat es insgesamt mehr Asylsuchende: «Das Unterbringungsproblem kommt durch den Mangel an zusätzlichen Asylliegenschaften zustande.»

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