Rheinerwärmung
Pharma ist auf der Suche nach neuem Kühlwasser

Kanton würde Novartis und Roche illegale Methoden erlauben. Müsste die Basler Pharmaindustrie auf Rheinwasser verzichten, hätte sie ein ernstes Problem.

Andreas Maurer
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Für die neuen Gebäude des Novartis-Campus am Rheinbord wird ein Netz von Erkälte-Sonden gebohrt

Für die neuen Gebäude des Novartis-Campus am Rheinbord wird ein Netz von Erkälte-Sonden gebohrt

Kenneth Nars

Die Rheintemperatur steigt. Mit derzeit 20 Grad hat sie Badewärme erreicht. Ab 25 Grad wird es für die Tierwelt ungemütlich: Sie kann Schaden nehmen. Deshalb verbietet die Schweizer Gewässerschutzverordnung ab dieser Flusstemperatur, wärmeres Wasser einzuleiten. Die Basler Pharma hat es im Hitzesommer 2003 trotzdem getan – mit Bewilligung des Basler Amts für Umwelt und Energie (AUE). Das war illegal.

Mit der Klimaerwärmung wird der Rekordsommer 2003 keine Ausnahme bleiben. Das AUE würde weiterhin ein Auge zudrücken. «Da die Grosseinleiter konkret daran sind, Alternativen zu entwickeln, werden wir auch in Zukunft Ausnahmebewilligungen erteilen», sagt AUE-Chef Jürg Hofer zur bz.

Roche will Erlenmatt-Grundwasser

Die beiden grössten Kühlwasser-Einleiter sind Roche und Novartis. Sie entnehmen dem Rhein Wasser, das sie nach der Kühlung sauber, aber erwärmt zurückleiten. Beide sind auf der Suche nach neuem Kühlwasser. Ein schwieriges Unterfangen. Roche möchte das Grundwasser eines anderen Stadtteils anzapfen: Vom Erlenmattareal plant der Konzern bis zu 100 Liter pro Sekunde abzuleiten, wie «Schweiz aktuell» berichtete. Derzeit finden Pumpversuche statt, die zeigen sollen, ob die verschiedenen Nutzungen nebeneinander Platz haben.

Ganz ohne Rheinwasser wird Roche jedoch nicht auskommen. «Das wäre für uns mit erheblichen Investitionen verbunden und deshalb ein grosser Standortnachteil», warnt Roche-Sprecherin Silvia Dobry. Einen kompletten Umbau auf Kühltürme etwa hält sie für ökologischen Unsinn, da dies die Gesamtenergiebilanz verschlechtere.

Einen anderen Weg schlägt Novartis ein. Für mehrere Campus-Gebäude – hauptsächlich für die neuen am Rheinbord – wird ein Erdwärme-Erdkälte-Register gebohrt. Das ist ein Netz von Erdwärmesonden, mit denen die Gebäude im Winter erwärmt und im Sommer gekühlt werden. In den heissen Sommermonaten könnte Novartis zudem eventuell Grundwasser auf den Werkarealen nutzen, meint Sprecher Satoshi Sugimoto. Doch auch die Nutzung des Grundwassers kann problematisch sein: Wichtige Kleinstlebewesen können beeinflusst werden.

Müsste die Basler Pharmaindustrie auf Rheinwasser verzichten, hätte sie ein ernstes Problem. Als eine Massnahme im Fall einer Flusstemperatur von über 25 Grad zählt der Novartis-Sprecher auch die Drosselung der Produktion und das vollständige Abstellen der Kühlung in Bürogebäuden. So weit wird es wohl vorerst nicht kommen. Das AUE wird trotz fehlender Rechtsgrundlage mit einer Ausnahmebewilligung aushelfen.

Bis die ersten Fische sterben

Die Basler Pharma müsste nur ein paar Meter rheinabwärts ziehen und sie hätte bessere Bedingungen: Im Ausland liegt der Grenzwert bei 28 Grad. AUE-Chef Hofer spricht von einer Abwägung «zwischen einem Produktionsstopp für die Industrie und der möglichen Zerstörung monatelanger Forschungsresultate in den gekühlten Labors einerseits und einem nicht wirklich entscheidenden Einfluss auf den Rhein andererseits». Alle Einleitungen in Basel-Stadt würden den Rhein höchstens im Bereich von 0,01 Grad beeinflussen.

Trotzdem ist sich Hofer bewusst, dass seine Ausnahmebewilligungen heikel sind: «Wenn es dann auch in Basel tote Fische gibt, dürfte es auch für uns ausserordentlich schwer werden, noch Ausnahmebewilligungen zu rechtfertigen.» Die stetig steigende Rheintemperatur wird in Basel deshalb mit Sorge verfolgt.