Zigarrenspezialist

Oettinger Davidoff ist erfolgreich: Rückkehr nach Kuba ist denkbar

Der Däne Hans-Kristian Hoejsgaard (56) ist seit 2011 CEO von Oettinger Davidoff.

Der Däne Hans-Kristian Hoejsgaard (56) ist seit 2011 CEO von Oettinger Davidoff.

Die Basler Oettinger Davidoff Group hat 2013 so viele Zigarren auf den Markt gebracht wie noch nie. Dennoch ging der Umsatz um 2 Prozent auf 1,2 Mrd. Fr. zurück. Die Ertragskraft sei jedoch weiter gestärkt worden.

Heute kommen die Davidoff-Zigarren mehrheitlich aus der Dominikanischen Republik, Honduras und seit kurzem aus Nicaragua. Ist eine Rückkehr nach Kuba denkbar - dies nachdem sie diesen traditionelle Produktionsstandort 1989 aufgegeben hatten?

Hans-Kristian Hoejsgaard: Für die Rückkehr braucht es zwei Dinge: Erstens, politische Liberalisierung. Das heisst, das US-Embargo für kubanische Produkte muss fallen. Und zweitens müssten wir die Qualitätskontrolle selber in der Hand haben. Genau wie in Honduras und Nicaragua. (Die mangelnde Qualität war gemäss Oettinger damals der Grund, dass die Produktion in Kuba aufgegeben wurde, die Red.).

Sie haben an der Medienkonferenz angetönt, dass es schneller gehen könnte als erwartet.

Wir sind mit den kubanischen Tabakbehörden in Kontakt, wobei die Initiative nicht von unserer Seite aus geht. Es gibt schon heute viele Liberalisierungen in Kuba, im Detailhandel, bei Investitionen im Tourismus, in Hotels etc. Ich habe einfach dieses Gefühl, dass es da eine Welle gibt.

Sie sind in den Startlöchern?

Ja, sind wir. Wir haben unsere Kontakte dort, die Kenntnisse über die Verhältnisse und unsere Expertise. Aber es wird trotzdem sehr lange dauern, bis da konkrete Resultate vorliegen. Immerhin ist die Dominikanische Republik gleich nebenan.

Spielt die Herkunft eines Produkts nicht eine immer geringere Rolle? Plötzlich war die nicaraguanische Zigarre da und war ein Grosserfolg.

Das stimmt. Aber trotzdem: Kuba war schon immer die traditionelle Ursprungsland der Zigarre. Die Leute sagen: Er raucht eine Havanna...Es gibt diesem Mythos. Neben dominikanischen, honduranischen und nicaraguanischen Zigarren könnte es sicherlich eine weitere, eine kubanische, ertragen.

Bundesrat Alain Berset will, dass Tabakkonzerne nicht mehr Sponsoren sind an Anlässen mit internationalem Charakter .Was bedeutet das für Oettinger Davidoff, die an der Art Basel Co-Sponsor sind?

Ganz klar: wenn das so umgesetzt würde, könnten wir das nicht mehr. Weil es hier viele ausländische Aussteller hat. Aber das macht keinen Sinn. Ich verstehe, dass man die jungen schützen muss, aber wir sprechen hier ja nicht die jungen Leute an. Wir sind jetzt in intensiven Diskussionen mit Politikern und Behörden, um dies zu erklären. Wir wollen eine unterschiedliche Behandlung von Zigaretten und Zigarren. Wir machen in Bern ein klares Lobbying und bringen uns aktiv in die Diskussion ein.

Was unterscheidet sich dann Zigaretten so sehr von Zigarren?

Zigarren geniesst man vielleicht einmal bis zweimal pro Woche, vielleicht. Das kann man mit Zigaretten nicht vergleichen. Ausserdem sind unsere Zigarren vergleichsweise teuer, was schon deshalb Junge nicht anspricht.

Wo nehmen Sie den Optimsmus her?

Ich bin aus Prinzip ein optimistischer Mensch. Aber ich habe auch bei Politikern gesehen, dass diese begreifen, dass Zigarren rauchen wenig mit dem üblichen rauchen zu tun hat. Es ist wie ein Glas Champagner, das geniesst man, wenn es etwa zu feiern gibt. Viele Politiker begreifen das.

Warum treten Sie hier an der Art Basel als Sponsor auf?

Wir haben immer gefunden, dass alles, was wir machen, ebenfalls Kunst ist: Die Kunst des Tabakpflanzens, die richtige Tabakauswahl, die Kunst, Zigarren perfekt zu rollen. Das alles ist Handwerkskunst. Wir haben das schon 2011 in Gesprächen mit der Art-Basel-Leitung gemerkt: das passt ausgezeichnet. Viele von unseren Kunden sind kunstinteressiert. Es gibt eine grosse Überschneidung von Zigarrenrauchern und Kunstaficionados.

Ja, und wahrscheinlich auch finanziell. Die Kundschaft ist, zumindest teilweise, extrem zahlungskräftig. Wie viel müssen Sie für Ihre Präsenz hier an der Art bezahlen?

Sponsoring ist immer mit Geld verbunden, klar. Aber eine Zahl nennen wir nicht. Sponsoring könnte sehr einfach sein, da unterschreibt man einfach einen Check, und das ist es. Was wir zusätzlich machen, ist die Davidoff Art Initiative, ein grosses Kunstprojekt in der Dominikanischen Republik. Wir unterstützen dabei Künstler aus der Region, die von einem hochkarätig besetzten Kuratorium ausgewählt werden.

Es geht wohl um Akzeptanz in den Branche?

Nicht nur. Wir versuchen wirklich, unseren Beitrag zu leisten. Wir wollen der Dominikanischen Republik etwas zurückgeben.

Früher waren Oettinger Sponsor der Avo Session, einer grossen Jazzveranstaltung in Basel. Jetzt nicht mehr - waurm?

Das ist genau der Punkt. Die Musik sprach ein anderes, jüngeres Publikum an. Wir konnten hier nicht so viel tun für unsere Kunden. Ausserdem waren wir 15 Jahre Sponsor. Es war Zeit für etwas Neues.

Sind Sie selbst Kunstsammler?

Das wäre übertrieben, aber ich interessiere mich für Kunst. Jetzt eben habe ich ein Bild gekauft, es ist von einem chinesischen Künstler.

Die schärferen Bestimmungen gegen Rauchen kommen überall auf der Welt. Haben Sie sich schon überlegt, in eine andere Branche auszuweichen?

Ja, China und besonders Honkong ist sehr stark reguliert.

Aber trotzdem setzen Sie auf Tabak?

Nein, nicht einfach auf Tabak, das ist sehr wichtig. Wir haben ein Produkt mit höchstem Standard. Aber deswegen können wir auch nicht einfach beliebig diversifizieren. Die Berührungspunkte mit anderen Produkten sind eher dünn gesät.

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