Auf und davon
Nicht nur ins Elsass – Auswandern nach Deutschland liegt ebenfalls im Trend

29 000 Schweizer wohnen mittlerweile allein in Baden-Württemberg.

Peter Schenk
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Um die 400 Schweizer wohnen in Lörrach. Juri Junkov

Um die 400 Schweizer wohnen in Lörrach. Juri Junkov

Juri Junkov

Insbesondere für Familien mit kleinen Kindern ist es attraktiv, ins nahe Südbaden zu ziehen. «Wir haben das in einem Neubaugebiet festgestellt. Ich finde das sehr spannend: Steuerlich ist es ein Nachteil, aber die Immobilienkosten liegen deutlich niedriger und die Kinderbetreuung stellt ein sehr attraktives Argument dar.» Das sagte Tobias Benz (CDU), Bürgermeister von Grenzach-Wyhlen, in einem Interview mit dieser Zeitung.

«Ein Ganztageskrippenplatz für Kinder von eins bis sieben Jahren kostet bei uns 500 Euro für die höchste Einkommensstufe. In der Schweiz sind wir bei einem Vielfachen davon», so Benz weiter.

In Lörrach rückläufig

Bestätigt werden seine Beobachtungen durch die Zahlen des Schweizer Generalkonsulats Stuttgart. Demnach ist die Anzahl der Schweizer Bürger in Baden-Württemberg seit 2009 beständig gestiegen. Waren es 2009 noch knapp 25 000, sind es Ende 2016 über 29 000 Schweizer – das entspricht einer Steigerung von fast 20 Prozent in sieben Jahren.

Mehr Schweizer gibt es auch in Weil am Rhein. Waren es 2012 352, ist die Zahl laut Oberbürgermeister Wolfgang Dietz (CDU) aktuell auf 414 gestiegen. Nach subjektiven Einschätzungen seien es vor allem ältere Schweizer Bürger, da die Besteuerung der Renten in Deutschland geringer sei. In Lörrach (rund 50 000 Einwohner) wohnen ebenfalls um die 400 Schweizer Bürger – die Zahl ist in den letzten zwei Jahren nicht mehr gestiegen, sondern hat sogar um zwölf Personen abgenommen.

Dafür gibt es eine Erklärung: «In letzter Zeit wurden keine grossen Neubaugebiete bezogen. Daher können wir keinen signifikanten Zuzug von Schweizern feststellen», teilt die Lörracher Mediensprecherin Susanne Baldus-Spingler mit.

Günstige Wohnungen fehlen

Wolfgang Dietz sagt: «Der Immobilienmarkt ist sehr angespannt. Die Preise sind hoch.» Dies gilt auch für Lörrach und Grenzach-Wyhlen. Die Wartelisten für günstige Wohnungen der kommunalen Wohnungsbaugesellschaften sind lang. Das liegt aber nicht hauptsächlich an den Schweizern. So beträgt der Anteil an Schweizer Grundstückskäufen in Lörrach bloss fünf Prozent. Die für Deutschland hohen Immobilienpreise sind hauptsächlich auf die vielen Grenzgänger zurückzuführen, die im Raum Basel arbeiten, aber in Deutschland wohnen bleiben wollen.

Wer als Schweizer nach Deutschland zieht, muss sich dort mit Erstwohnsitz melden. Das ist auch die Bedingung, um die Kinder in Krippen und Kindergärten zu schicken. Für die Gemeinden sind gut verdienende Neubürger nur eingeschränkt ein gutes Geschäft. So profitiert Lörrach bei Verheirateten nur bis 70 000 Euro von der Lohnsteuer.

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