Virtual City Tours
Neue Art der Stadtführung: Ein virtueller Spaziergang durch Basel

Der Corona-Lockdown brachte eine Stadtführerin auf eine neue Geschäftsidee: Sie bietet jetzt digitale Führungen durch Basel an.

Maria-Elisa Schrade
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Endlich mal Ferien und nichts zu tun? Keine Kino- oder Theaterbesuche, keine Konzerte oder Ausstellungen. Bereits alles geputzt, aussortiert und umgeräumt? Brot gebacken, Pilzkulturen angesetzt, Tee fermentiert und Keime spriessen lassen? Alle Serien und Filme der Streaming-Dienste geschaut und 1000-teilige Puzzle zusammengesetzt? Dann ist genau der richtige Zeitpunkt gekommen für eine virtuelle Stadtbesichtigung.

Für 3.50 Franken stellt Roy Fischer, ein Guide bei Basel Tourismus, in einem fünfzehnminütigen Video unter www.virtualcitytours.org seine persönlichen Highlights der Stadt Basel vor: Auftakt des virtuellen Rundgangs bildet der Tinguely Brunnen an der Basler Kulturmeile mit Stadtcasino, Kunsthalle, Museum und Theater. Vom Barfüsserplatz geht es Richtung Münsterplatz zum Münster und der dahinterliegenden Pfalz, um von dort den Blick über den Rhein und Kleinbasel schweifen zu lassen. Nach einem kurzen Zwischenstopp am Basilisk-Brunnen führt Fischer sein Publikum zum Rathaus am Marktplatz, ehe die Tour im Handwerksviertel am Spalenberg endet.

Von der Fasnacht bis zum Tinguely-Brunnen

In der «Best of Basel»-Tour erfahren die Gäste des lokalen Stadtführers, woher die Bauteile der Skulpturen im Tinguely-Brunnen stammen, auf wen sich der Name des Barfüsserplatzes bezieht, was der Münsterplatz mit der Siedlungsgeschichte Basels zu tun hat und wie Fassadenteile des Münsters zu Zucht und Tugend mahnen. Fischer geht auf die vielfältige, renommierte Architekturszene der Stadt und die architektonischen Kontraste zwischen alt und neu ein, verwebt historische Fakten mit unterhaltsamen Anekdoten und fängt das für Basel typische Flair ein. Da darf natürlich die Basler Fasnacht nicht fehlen, immaterielles Kulturerbe der Unesco und Jahreshöhepunkt für Eingeschworene. «Die Basler Fasnacht hat einen ganz besonderen Platz im Herzen Basels», erzählt Fischer mit einem Schmunzeln. «Wir nennen sie die drey scheenschte Dääg.»

«Ich wollte die Leute bei Laune halten»

Die Idee für die «Virtual City Tours» stammt von der Zürcher Stadtführerin Sandra Claus, der im April während der ersten Infektionswelle alle Aufträge wegbrachen. Sie beschloss ihre Tour aufzunehmen und über ein Online-Videoportal zu teilen. Die Zürcherin erklärt: «Ich wollte die Leute bei Laune halten. Es war für alle sehr deprimierend in den Lockdown zu gehen. Da dachte ich mir, so ein virtueller Gruss aus Zürich, das wäre doch was.» Die Initiative der Stadtführerin fand grossen Zuspruch, bald fragte die Universität Zürich ein grösseres Kontingent an. Claus beschloss eine Online-Plattform zu schaffen, die auch anderen Guides die Möglichkeit bieten soll, in fünfzehnminütigen Videotouren die Highlights ihrer Städte vorzustellen.

Ende November ging «Virtual City Tours» nach einer fünfmonatigen Entwicklungsphase online. Zu sehen sind aktuell Touren in Basel, Luzern und Zürich. Bald sollen weitere europäische Städte wie Amsterdam, Stockholm und Salzburg folgen, mit dem Ziel eine internationale, bunte Plattform zu schaffen, die künftig neben «Best of»-Touren auch Spezialthemen abdecken kann. Dafür kooperiert Claus mit den städtischen Tourismusbüros und freischaffenden Guides. «Wir wollen niemandem etwas wegnehmen, sondern für alle einen Mehrwert schaffen», sagt die Gründerin. Zwar finden derzeit aufgrund der Coronamassnahmen keine öffentlichen Touren statt, doch können bei Basel Tourismus private Touren für bis zu zehn Personen gebucht werden. Claus: «Die virtuelle Tour ersetzt keinen realen Besuch der Stadt. Wir wollen auch Führungen vor Ort vermitteln. Unser Angebot soll eine Ergänzung sein.»