Erst kürzlich hatte er noch einmal einen grossen Auftritt: Im Filmprojekt «I’ll remember you» spürten Fabian Chiquet und Victor Moser die letzten Pioniere der Basler Rockszene auf. Dazu trafen sie auch ihn, Bölle Börlin, zum Interview. Als Schlagzeuger der Basler Beat-Band The Countdowns hatte er dazu beigetragen, dass Basel die Aufbruchstimmung der Swinging Sixties zu spüren bekam.

In den filmischen Erinnerungen, die im «-tis» gezeigt wurden, sorgte Börlin mit seinen unverblümten Aussagen, etwa, dass reiche, alte Tanten die jungen Rock ’n’ Roller abschleppten, für Lacher. Selbst als Pflegebedürftiger, umgeben von Katzenbildern und einer Kuckucksuhr, wusste er noch immer bestens zu unterhalten. Ein Sprücheklopfer, ein Entertainer, bis zum Ende.

Rencontre mit McCartney

Bölle kam 1949 als Hans-Peter Börlin im Kleinbasel zur Welt – und mit 18 Jahren gross raus: The Countdowns, die er zusammen mit Claude Pfau und Hanspeter Feuz gegründet hatte, überquerten als erste Schweizer Rockband den Ärmelkanal, um in London einige Songs aufzunehmen. Die Band sass in einem Pub neben dem legendären Marquee Club, als auf einmal einer reinkam und neben ihnen seinen Tee schlürfte: Paul McCartney. Die Band war wie versteinert, traute sich nicht, den Beatle anzusprechen. Doch wenn Bölle zu Hause in Basel von diesen aufregenden Tagen erzählte, dann wurde aus dieser flüchtigen Begegnung gerne mal eine ausgewachsene Jamsession mit McCartney. Er verstand es leidenschaftlich gut, Anekdoten auszuschmücken. So habe er auch mal zwei Züge von Jimi Hendrix’ Joint genommen und danach Düsenjets im Backofen rumschwirren sehen. Der Geschichten gab es viele. Und sie kamen von einem liebenswürdigen Menschen, dem man eine Übertreibung nicht übel nehmen mochte.

Ein Entertainer bis zum Ende

Denn dieser gutmütige Plauderi, das spürte man, brannte immer für die Musik. Schliesslich hatte er auch etwas erreicht: Nicht nur mit den Countdowns, sondern später, in den psychedelischen 70er-Jahren, auch mit Ertlif. Einer Band, die nebst Brainticket, Toad und Krokodil zur Speerspitze des aufkommenden progressiven Rock in der Schweiz gehörte, die sich an Uriah Heep oder Deep Purple orientierte. Mit Ertlif entwickelte Börlin sein Schlagzeugspiel weiter. Prägende Aufnahmen und seine Memoiren veröffentlichte er 2012 stolz auf vier CDs.

Im Film von Chiquet und Moser erzählt Börlin auch – im Rollstuhl sitzend, aber energiereich gestikulierend wie eh und je –, wie er sich heute noch in der Alterssiedlung in Riehen engagiere, an Grillpläuschen und Weihnachtsessen zum Gaudi der Leute Congas spiele.
Diese Weihnachten wird dort etwas fehlen. Börlin stürzte wenige Tage nach der Filmpremiere, wurde operiert und erholte sich nicht mehr davon. Sein Filmauftritt im «-tis», dem er noch persönlich beiwohnte, ist sein letzter gewesen.