«Mit Befremden» nimmt Basels Erster Staatsanwalt Alberto Fabbri zur Kenntnis, dass er in Bern als möglicher Nachfolger von Bundesanwalt Michael Lauber gehandelt wird. Dieser hat derzeit einen schweren Stand. Der Ruf der Bundesanwaltschaft ist an einem Tiefpunkt angelangt – einmal mehr.

Hinter den Kulissen ist die Suche nach einem Nachfolger für Lauber längst angelaufen. Voraussichtlich in der Herbstsession kommt es zum Showdown im Bundeshaus. Dann soll die Bundesversammlung entscheiden, ob sie Lauber für eine weitere Amtszeit wiederwählt.

Die Aktien des amtierenden Bundesanwalts stehen schlecht, die Affäre um seine nicht protokollierten oder «vergessenen» Treffen mit Fifa-Boss Gianni Infantino hat ihm zugesetzt. Ein Disziplinarverfahren der Aufsicht gegen Lauber läuft.

Das Amt des Bundesanwalts ist mittlerweile zu einem Schleudersitz geworden. Seit bald
20 Jahren gerät die Bundesanwaltschaft immer wieder in die Schlagzeilen. Meistens negativ.

Carla del Ponte (1994–1998) hatte zwar medienträchtige Auftritte gegen Mafiabosse und später als UNO-Chefanklägerin gegen Kriegsverbrecher, ihre Erfolgsbilanz als Bundesanwältin blieb aber eher bescheiden. Nachfolger Valentin Roschacher (2000–2006) stolperte über den Fall des Bankiers Oskar Holenweger. Und auch Erwin Beyeler (2007–2011) galt als eher farb- und glücklos.

Alberto Fabbri würde ins Anforderungsprofil passen

Nach sieben Jahren könnte nun auch die Zeit von Michael Lauber ablaufen. Die Suche nach seiner Nachfolge läuft diskret. Gefragt sei eine Person, die solide und nachgewiesene Erfahrung in der Strafverfolgung hat. In dieses Anforderungsprofil würde Fabbri sicher passen.

Der 52-Jährige begann seine Karriere bei der Polizei. Nachdem der schweizerisch-italienische Doppelbürger als Gerichtsschreiber und Assistent gearbeitet hatte, zog es ihn nach Sierra Leone, wo er als Rechtsberater am Sondergerichtshof in der Hauptstadt Freetown tätig war.

Später war er leitender Staatsanwalt des Bundes, bis er 2010, von der CVP vorgeschlagen, vom Basler Grossen Rat zum Ersten Staatsanwalt im Kanton gewählt wurde.

Einen nächsten Karriereschritt scheint Fabbri vorerst aber nicht zu planen. «Es erstaunt sehr, welche Gerüchte verbreitet werden», kommentiert er den Umstand, dass er als Lauber-Nachfolger gehandelt wird. Er habe «zu keinem Zeitpunkt» Interesse an der Funktion des Bundesanwalts geäussert. Vielmehr engagiere er sich weiter stark als Leiter der Staatsanwaltschaft für die Strafverfolgung in Basel-Stadt. (dba)