Mein Leben im Dreiland
Nach zwei Jahren ist schon Schluss

Saint-Louis hat bei allen kulturellen Aktivitäten und Angeboten Mühe, das Image einer Schlafstadt abzulegen.

Peter Schenk
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Zum Glück wurde eine andere Buchhandlung vor zwei Jahren vor der Schliessung gerettet. Sie heisst Encrage.

Zum Glück wurde eine andere Buchhandlung vor zwei Jahren vor der Schliessung gerettet. Sie heisst Encrage.

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Mit viel Sympathie habe ich die Initiative der jungen elsässischen Buchhändlerin Evelyne Wessang verfolgt, die vor zwei Jahren in Saint-Louis eine kleine Buchhandlung eröffnet hat. Spezialisiert hatte sie sich unter anderem auf deutsche Bücher, die sie sogar zu deutschen Preisen anbot. Das machte Sinn, weil es im Raum Saint-Louis viele deutsch-französische Schulklassen und Paare gibt.

Wessang hat zudem auch noch regelmässig Autoren zu Lesungen eingeladen, und in einer kleinen Ecke im ersten Stock konnte man bei einem Kaffee in Büchern schmökern, die sie vorher empfohlen hatte.

Zum Überleben gereicht hat das alles leider nicht. Vor kurzem teilte sie per Mail mit, dass sie die Buchhandlung schliessen musste. Sie begründete dies mit dem ungenügendem Umsatz, der schlechten Lage des Geschäfts und «einer Stadt, die immer verlassener wirkt».

Ich musste daran denken, dass mir erst kürzlich eine französische Bekannte, die manchmal vom Bahnhof in Saint-Louis ins Zentrum läuft, ebendiesen Eindruck geschildert hat. Tatsächlich hat Saint-Louis bei allen kulturellen Aktivitäten und Angeboten Mühe, das Image einer Schlafstadt abzulegen.

Die Lage der kleinen Buchhandlung namens «Toute Une Histoire», ohne Laufkundschaft auf dem etwas verlorenen Platz «Croisée des Lys», war sicherlich nicht ideal. Ich muss mich auch an der eigenen Nase nehmen, denn obwohl ich in dieser Kolumne die Buchhandlung bereits lobend erwähnt habe, habe ich nie dort eingekauft.
Beinahe würde Saint-Louis jetzt ganz ohne Buchhandlung dastehen. Anfang 2014 war die Schliessung eines zur Kette Chapître gehörenden Buchladens aus wirtschaftlichen Gründen bereits so gut wie beschlossen.
Zum Glück erklärte sich ein buchaffines Paar bereit, die Buchhandlung zu übernehmen. Heute heisst sie «Encrage», befindet sich in der Avenue Général de Gaulle und läuft allem Anschein nach zufriedenstellend. Das Angebot ist wieder breit und dazu gehört neben französischen Büchern und Comics, CD’s, DVD’s, Zeitungen und Zeitschriften auch eine Papeterie.

Nicht auszudenken, auch diese Buchhandlung müsste schliessen. Zur kulturellen Vielfalt des Städtchens trägt für mich neben Kinos, Mediathek, Kulturzentrum Coupole, Literaturhaus und Museum Fondation Fernet Branca eben auch eine Buchhandlung bei.
Unter Druck ist der Buchhandel in Frankreich neben der Internetkonkurrenz auch durch die Kulturangebote von riesigen Supermärkten, Hypermarchés genannt, wie dem Leclerc in Saint-Louis gekommen. Dort gibt es einen Espace culturelle, der Bücher auch noch fünf Prozent billiger anbietet und wie die Verlage und Buchhandlungen auf der Buchmesse von Saint-Louis vertreten ist. Wer seine Wocheneinkäufe im Leclerc macht, neigt dann dazu, auch seine kulturellen oder Lesebedürfnisse dort zu stillen.

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