Zoo Basel
Nach Nein zum Margarethenstich: Land unter für das Ozeanium

Will Basel-Stadt das Ozeanium am Standort Heuwaage retten, dann wird das ziemlich teuer. Beim Zolli heisst es, man habe auch für eine Ablehnung des Margarethenstichs geplant, die den geplanten Bau verhindert. Darüber wolle man nun mit dem Kanton verhandeln.

Nicolas Drechsler
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Wo hier ein Tram wendet, sollen eigentlich Fische ihre Kreise ziehen. Das Ozeanium ist in akuter Gefahr.

Wo hier ein Tram wendet, sollen eigentlich Fische ihre Kreise ziehen. Das Ozeanium ist in akuter Gefahr.

Kenneth Nars

Eigentlich haben die Baselbieter Stimmberechtigten über die Tramverbindung Margarethenstich abgestimmt. Aber mit ihrem Nein haben sie auch das Ozeanium des Basler Zolli versenkt. Offiziell ist die Sprachregelung derzeit noch «Wir sind in Gesprächen mit dem Zoo Basel», wie der Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartementes (BVD), Marc Keller, sagt.

Hinter den Kulissen ist aber klar zu hören: Dort wo das Ozeanium eigentlich geplant ist, nämlich auf der Heuwaage, wird es nicht hinkommen. Denn die Verlegung der Tramschleife, wie sie der Margarethenstich ermöglich hätte, ist vom Tisch.

Im Zolli aber hält man am Projekt fest. Auch Tanja Dietrich, die Sprecherin des Zolli, verweist zwar auf «laufende Gespräche» mit dem Kanton. Aber sie betont: «Das Projekt ist immer noch machbar, wir haben das in unsere Planungen als Alternative einbezogen.»

Die Variante, die man beim Zolli ins Auge gefasst hat: Die Tramschleife wird Richtung Binningen verlegt. So würde das Gelände für das Ozeanium frei. Wem das nun bekannt vorkommt, der irrt nicht. Als 2003 der Stadtbasler Souverän über den Bau eines Multiplexkinos an der Heuwaage abstimmte, lag genau dieser Vorschlag auf dem Tisch. Die Basler befanden damals aber relativ deutlich, dass 13 Millionen für die Verschiebung einer Tramschlaufe zugunsten eines privaten Investors zu viel Geld seien. Ob das nun, 14 Jahre später, anders aussähe, ist fraglich. Vor allem, weil ein Blick auf den Baukostenindex verrät: Das käme heute deutlich teurer.

Ein heikler Satz

Zwar hiess es schon Anfang Woche aus dem BVD, der Ratschlag zum Ozeanium, der beim Grossen Rat liegt, sei Makulatur. Doch auf den 42 Seiten versteckt sich ein Satz, der den Planern noch leidtun könnte: «Ohne Margarethenstich wäre der Ersatz der Tramwendeschlaufe an der Heuwaage notwendig (zum Beispiel über dem unterirdischen Teil des Ozeaniums).» Ein solches Unterfangen, sollte es vom Parlament gewünscht werden, dürfte wohl um ein Vielfaches teurer werden, als die blosse Verschiebung der Tramschlaufe auf ein Stück stabilen Basler Bodens unter dem keine Fische in einem Glaskasten schwimmen.

So ist in Basel von etlichen Margarethenstichbefürwortern, namentlich aus dem grünen Lager, denn auch zu hören: «Das einzig Positive am Baselbieter Entscheid ist: Das Ozeanium ist vom Tisch». Mit seinem Namen öffentlich derart Kritik am in Basel nahezu unantastbaren Zolli zu üben, dazu war niemand der Angefragten bereit.

Doch es geistert auch noch eine andere Idee durch die Basler Amtsstuben: Wenn der Zolli sein seit langem geplantes und vom Grossen Rat bewilligtes Parking unter dem Erdbeergraben bauen würde, dann könnte er seine oberirdischen Parkplätze aufheben. Und dort das Ozeanium erstellen.

Der Zolli hat offenbar andere Pläne, ist aber noch nicht gewillt, diese öffentlich zu machen. Beim Zolli heisst es zu diesem Vorschlag nur, die beiden Projekte Ozeanium und Parking Erdbeergraben hätten nichts miteinander zu tun und sollten nicht vermischt werden. Warum der Zolli den Bau des Parkings nicht aktiv vorantreibt, obwohl die Pläne dem Vernehmen nach fixfertig in einer Schublade liegen, darüber ist nichts in Erfahrung zu bringen.

Ausstellung zur Visualisierung des Ozeaniums.
15 Bilder
Ausstellung zur Visualisierung des Ozeaniums.
Ausstellung zur Visualisierung des Ozeaniums.
Ausstellung zur Visualisierung des Ozeaniums.
Ausstellung zur Visualisierung des Ozeaniums.
Ausstellung zur Visualisierung des Ozeaniums.
Ausstellung zur Visualisierung des Ozeaniums.
Computervisualisierung des Ozeanium Projektes des Zoo Basel
Der Zoo Basel sieht das Ozeanium als perfekte Ergänzung zum bestehenden Vivarium. Offener Ozean Aquarium
Das geplante Ozeanium wird reich sein an Attraktionen. Schwarm-Aquarium
Ozeanium des Zolli Basel: Das Projekt «Seacliff» hat den Architekturwettbewerb gewonnen.
Ozeanium des Zolli Basel: Das Projekt «Seacliff» hat den Architekturwettbewerb gewonnen.
Ozeanium des Zolli Basel: Das Projekt «Seacliff» hat den Architekturwettbewerb gewonnen.
Ozeanium Visualisierung
So soll das Ozeanium aussehen. (Visualisierung)

Ausstellung zur Visualisierung des Ozeaniums.

Zoo Basel

Doppelspur und Abzweiger

Ein weiterer Teilaspekt, der nun wohl auf die lange Bank geschoben werden muss, ist der Ausbau der Tramgeleise auf Doppelspur. In der Binningerstrasse ist die letzte einspurige Tramlinie auf Basler Boden zu finden. Im Rahmen der Erneuerung der Heuwaage war geplant, diese auf Doppelspur auszubauen, wenn auch erst in einer zweiten Etappe.

Ebenfalls auf dem Tisch des Grossen Rates liegt noch ein Vorstoss von Beat Leuthardt (Basta) und Konsorten. Dieser fordert unter anderem einen neuen Tramabzweiger vom Auberg in die Innere Margarethenstrasse. Auch hier dürfte die Planung nun wieder bei Null anfangen.

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