Verkehrsplanung
Nach Gundelitunnel-Abfuhr: Bund hat am Entscheid keine Freude

Eine links-grüne Mehrheit im Basler Grossen Rat will den Gundelitunnel endgültig beerdigen. Doch der Bund pocht weiter auf seine Bedeutung.

Daniel Ballmer
Drucken
Gundelitunnel: So sähe das Projekt aus.

Gundelitunnel: So sähe das Projekt aus.

HO

Der Basler Gundelitunnel ist ein vom Bundesparlament beschlossenes Teilstück des Nationalstrassennetzes. Schon mehrfach hatte der Bund sein Interesse an dem Projekt betont.

Nach Jahrzehnten des Wartens erfolgte der letzte Wink mit dem Zaunpfahl im vergangenen Frühling. Die Bundesämter für Strassen (Astra) und für Raumplanung (ARE) veröffentlichten den Sachplan Verkehr. «Der Bund wahrt damit nationale Interessen und hält sich Optionen für die Weiterentwicklung der Nationalstrasseninfrastruktur offen», schreiben die Bundesbehörden. Es ist erklärtes Ziel des Bundes, das Nationalstrassennetz endgültig fertigzustellen. Dazu fehlen nur noch wenige Strassenabschnitte wie die A9 im Oberwallis, die A16 Transjurane – oder eben der Gundelitunnel.

Doch nun will der Grosse Rat das Projekt endgültig beerdigen, obwohl oder gerade weil die Pläne im Sommer ein Comeback feierten. Das hat eine links-grüne Parlamentsmehrheit am Donnerstag beschlossen. SP-Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels sprach verärgert von einem «Denkverbot». Man dürfe sich die Option einer stadtnahen Tangente nicht verbauen. Der Regierung bleiben nun drei Monate zur Stellungnahme, dann wird die Motion erneut traktandiert. Erst bei der zweiten Überweisung wird sie verbindlich.

Beim Bund kommt der Entscheid aus Basel nicht sonderlich gut an. Diplomatisch will das Astra nicht direkt Stellung dazu nehmen. Denn noch handle es sich nicht um einen definitiven Beschluss. Gleichzeitig aber betont das Bundesamt erneut sein Interesse an dem Projekt. Dabei würde dieses vorab dem regionalen Verkehr dienen und die Stadtstrassen massiv entlasten, sagt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach. Heute wird der Verkehr von der A2 grösstenteils über die Nauenstrasse und den Centralbahnplatz Richtung Westen geführt.

Jetziges Netz genügt nicht

Das Gundeldinger Quartier werde so stark belastet, was die Weiterentwicklung des öV im Gebiet Bahnhof, Gundeli und Dreispitz behindere. Der rund zwei Kilometer lange Stadttunnel solle daher das Quartier unterqueren und beim Zolli wieder auftauchen. So werde das Quartier entlastet und der öV könne weiter entwickelt werden.

Kommt hinzu: «Wir haben gerade im Raum Basel zur Zeit eigentlich ein nicht unterhaltsfähiges Autobahnsystem», betont Rohrbach. Soll heissen: Bei grösseren Sanierungsarbeiten müsse der Bund über längere Zeit zumindest Spuren sperren und damit die Verkehrskapazitäten verkleinern. Rohrbach: «Das verursacht Stau, was weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll sein kann.»

Geplant war bisher, dass sich der Bund mit rund 400 Millionen Franken an dem 600-Millionen-Bau beteiligt. Klar ist: Entscheidet sich Basel-Stadt definitiv gegen den Tunnel, dann ist dieses Geld weg. Befürchtet wird zudem, dass dies kein gutes Signal für weitere Bundesprojekte in der Region Basel wäre. Theoretisch aber könne das Bundesparlament das Projekt tatsächlich aus dem Netzbeschluss streichen. In den letzten 50 Jahren aber ist es nur zweimal soweit gekommen.

Aktuelle Nachrichten