Brandschutz

Nach der Absage eines Konzerts in der St. Jakobshalle: Kanton bangt um weitere Konzerte

RAF Camora, hier bei einem Konzert in Bitterfeld, musste aus Sicherheitsgründen auf seinen Auftritt in Basel verzichten.

RAF Camora, hier bei einem Konzert in Bitterfeld, musste aus Sicherheitsgründen auf seinen Auftritt in Basel verzichten.

Am Samstagabend musste der Kanton wegen Mängeln beim Brandschutz kurzfristig ein Konzert in der St. Jakobshalle absagen. Weil nach wie vor keine Bewilligung vorliegt, bangt der Kanton nun um weitere Konzerte.

Nicht nur für die Fans kam die Absage aus heiterem Himmel: Vergangenen Freitag sagte der Kanton Basel-Stadt kurzfristig ein Konzert der Rapper RAF Camora und Bonez MC in der St. Jakobshalle ab, nachdem die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung (BGV) wegen Brandschutzmängeln interveniert hatte. Die BGV hat die Bewilligung nach eigener Aussage deshalb entzogen, weil die obersten 17 Publikumsreihen nicht wie vorgeschrieben gesperrt waren.

Seither stehen die BGV und der Kanton im Konflikt. Vor gut einem Jahr hat die Versicherung gemäss eigener Aussage in einer Verfügung festgehalten, dass Ausnahmen bei der Nutzung der Halle nur bis Ende September 2019 erlaubt sind. Diese Frist habe der Kanton nicht eingehalten. «Bisher hat man diese Spezialbewilligung immer erhalten», sagt Simon Thiriet,
Sprecher des Basler Erziehungsdepartements, auf Anfrage. Und er betont: «Es gibt unterschiedliche Ansichten, wie absolut die Deadline ‹Ende September› in Stein gemeisselt war.»

Hommage an Hans Zimmer steht auf der Kippe

Der Kanton ist laut Thiriet seit geraumer Zeit damit beschäftigt, eine einheitliche Bewilligung für Veranstaltungen zu erhalten. Offenbar haben die Verantwortlichen die Deadline schlicht verschlafen. Thiriet übt Selbstkritik: «Da es sich – und das ist mein momentaner Wissensstand – ausschliesslich um formale Anpassungen handelte, sind wir alle wohl zu lange davon ausgegangen, dass die Änderungen angenommen und die Bewilligung erteilt würden.»

Die Absage stiess nicht nur die Musiker und Fans, sondern auch den Kanton selbst vor den Kopf. Und sie wird weitreichende Folgen haben, auch in finanzieller Hinsicht. «Da kommen sicher Forderungen auf uns zu», räumt Thiriet ein.

«Dieses Verhalten ist absolut unprofessionell»

Zeit, um sich den enttäuschten Veranstaltern des abgesagten Konzerts zu widmen, bleibt aber keine. Denn schon für Donnerstag ist der nächste Grossanlass in der St. Jakobshalle geplant: eine Hommage an den Filmkomponisten Hans Zimmer. Der Kanton befindet sich nun in Verhandlungen mit der BGV. Das Hans-Zimmer-Konzert habe oberste Priorität, wie Thiriet betont. «Wir müssen alles dafür tun, um diese Bewilligung zu erhalten. Hans Zimmer muss stattfinden, alles andere wäre eine Katastrophe.»

Welche Folgen eine erneute Konzertabsage hätte, lässt sich an der Reaktion von Thomas Dürr erkennen. Der CEO der Act Entertainment AG ist Veranstalter des geplanten Konzerts – und sauer über die neusten Entwicklungen. «Sollte es eine Absage geben, wäre das für den Standort Basel der Todesstoss», sagt Dürr. Er habe aus den Medien erfahren, dass dem Konzert eine Absage drohe. Bisher habe man ihm signalisiert, dass es wohl stattfinden könne. «Ich bin irritiert, hat man mich hier nicht direkt informiert», sagt er. «Das ist absolut unprofessionell, das geht einfach nicht. Für eine Kulturstadt wie Basel ist das ein Kollateralschaden.»

Für Dürr ist klar: Bei einer erneuten Absage müsse man davon ausgehen, dass nicht nur er, sondern auch andere Veranstalter künftig keine Konzerte mehr in Basel organisieren würden.
Noch scheint der Ausgang der Gespräche völlig unklar. «Wenn die obersten 17 Reihen genutzt werden sollen, muss der Nachweis erbracht werden, dass die Personensicherheit im Brandfall gewährleistet ist», sagt Cristina Aniceto von der BGV. Was das bedeutet, müssen die Verantwortlichen nun innerhalb eines Tages klären.

Bereits im August sagte der Kanton eine Veranstaltung in der St. Jakobshalle ab. Bei einem MMA-Kampf wollten sich zwei französische Rapper aufs Dach geben, die für massive Gewalttaten bekannt sind. Ein Vorzeichen? «Das ist eine völlig andere Situation», wiegelt Thiriet ab. Damals hätten die Veranstalter erst nach der Unterzeichnung der Verträge auf die Umstände des Kampfes aufmerksam gemacht.

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