Restaurant

Nach dem Brand trauern Gourmets um den «Schwarzwaldhof»

Rund 150 Feuerwehrleute versuchten vergebens, dass Traditionshaus zu retten.

Rund 150 Feuerwehrleute versuchten vergebens, dass Traditionshaus zu retten.

Das am Sonntag abgebrannte Drei-Sterne-Restaurant nördlich von Freiburg hatte auch viele Stammgäste aus der Region Basel.

Regionale Gourmets, die sich ausnahmsweise nicht von Peter Knogl im Basler «Cheval Blanc» bekochen lassen wollen, zieht es in den Nordschwarzwald nach Baiersbronn. Dort stehen mit dem «Bareiss» und der «Schwarzwaldstube» die einzigen beiden anderen Drei-Sterne-Restaurants im Umkreis von 120 Kilometern. Doch seit diesem Sonntag herrscht Trauer um die «Schwarzwaldstube»: Ein Grossbrand hat das 231 Jahre alte Fachwerkhaus, welches das Feinschmeckerlokal beherbergte, grösstenteils zerstört.
Selbst am Montagmorgen noch waren lokale Feuerwehrkräfte im Einsatz, um Feuerherde zu löschen, die nach dem Brandausbruch am Sonntagmorgen um 3.20 Uhr wieder aufgeflammt waren. Insgesamt standen rund 150 Feuerwehrleute im Einsatz, wie Feuerwehrkommandant Martin Frey zu den Medien sagte. «Südwestrundfunk» (SWR) und Regionalzeitungen berichteten als Erste ausführlich über den Grossbrand, bei dem entgegen erster Meldungen glücklicherweise niemand verletzt wurde. Danach machte das Unglück landesweit Schlagzeilen.

Der Brandplatz bot gestern einen traurigen Anblick. Vom abgebrannten Stammhaus des grossen Hotelkomplexes Traube-Tonbach steht fast nur noch die Fassade. Grosse Teile des Dachs brachen im Verlauf der Löscharbeiten ein. Drei-Sterne-Koch Torsten Michel und sein Team waren sichtlich aufgewühlt. Beim Anblick der Brandruine flossen Tränen, Mitglieder der Küchencrew umarmten sich und sprachen einander Trost zu.

Ebenso betroffen sagte Inhaber Heiner Finkbeiner in einem «SWR»-Interview: «Es ist eine Tragödie. Wenn man sein halbes Leben hier verbracht hat und nun vor einer Brandruine steht, ist das bitter.» Auch Spitzenkoch Harald Wohlfahrt, der als Michels Vorgänger den legendären Ruf der «Schwarzwaldstube» begründet hatte, zeigte sich erschüttert. Der «Stuttgarter Zeitung» erklärte der 64-Jährige: «Es fühlt sich an, als ob mein Wohnzimmer abgebrannt ist. Als ich vorhin am Hotel war, musste ich mit der Fassung ringen.»

Seit 1992 stets in der Top-Liga vertreten

Seit Wohlfahrt 1992 erstmals die drei Michelin-Sterne erkochen konnte, ist die «Schwarzwaldstube» als einziges Restaurant Deutschlands ununterbrochen in der höchsten Kategorie eingestuft worden.

Nachfolger Torsten Michel ist es ab 2017 gelungen, mit seiner französischen Küche nahtlos an diese Tradition anzuknüpfen. Gerade erst vor zwei Monaten wurde er vom Gastronomieführer Gault-Millau als bester Koch Deutschlands bestätigt. Glück im Unglück: Die Hotelanbauten blieben vom Feuer verschont. Alle Hotelgäste des ausgebuchten Hauses konnten am Sonntagmorgen zurück auf ihre Zimmer.

Was die Brandursache angeht, herrschte am Montagmorgen weiterhin Ratlosigkeit. Wegen der Gefahr herabfallender Trümmerreste durften die Brandermittler den Schadensplatz nicht betreten, berichtete der «SWR». Der Schaden wird auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt.

Die Inhaberfamilie will sich jedoch nicht entmutigen lassen. Heiner Finkbeiner hat angekündigt, die Brandruine bereits übernächste Woche abreissen und den «Schwarzwaldhof» neu aufbauen zu wollen. Baden-Württembergs Tourismusminister Guido Wolf (CDU) zeigte sich in einem Statement zuversichtlich: Nach dem Wiederaufbau werde die «Schwarzwaldstube bestimmt wieder jenen «bedeutenden Teil der wichtigen Spitzengastronomie im Schwarzwald» darstellen, das sie bereits vor dem Brand gewesen ist.

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