Innenstadt

Muckis statt Bücher: Jetzt ist klar, wer den grossen Ex-Jäggi-Laden übernimmt

Mitten in der Basler Innenstadt entsteht an der Falknerstrasse ein Studio von «Let’s Go Fitness». Die Fläche war für einen Detailhändler zu gross. Mit dem Einzug des Westschweizer Marktführers setzt sich ein Trend im Zentrum von Basel fort.

Erst vergangenen Freitag stellte die bz die Frage: «Wer will noch diese Fläche mieten?». Jetzt ist klar: Ein Fitnesscenter will die Fläche im ehemaligen Buchladen Jäggi beziehungsweise Thalia beziehungsweise Orell Füssli an der Falknerstrasse 11 in Basel belegen. Es ist eines der prominentesten Gebäude in der Basler Innenstadt, direkt zwischen Barfüsserplatz und Marktplatz gelegen.

Die Vermietung gestaltete sich schwierig, weil nach dem Rückbau der Ex-Jäggi-Fläche in drei Liegenschaften immer noch ein für heutige Verhältnisse enormes Stück von 1250 Quadratmetern zu bespielen war, wie die Vermittlerin CBRE auf Anfrage sagte. In die ehemalige Jäggi-Rückseite in der Freien Strasse zieht neu ein dänisches Einrichtungsgeschäft.

Das Fitnesscenter an der Falknerstrasse wird von einem Westschweizer Anbieter betrieben. In der Deutschschweiz ist «Let’s Go Fitness» noch verhältnismässig wenig bekannt, bislang war die Firma vor allem in der Umgebung von Bern und Zürich präsent. Im Welschland hingegen sind die Filialen der stilvoll eingerichteten Muckibude in jeder grösseren Ortschaft zu finden. Bespielt wird laut Baupublikation, die am gestern Mittwoch im Basler Kantonsblatt erfolgte, die Fläche vom Untergeschoss bis ins erste Obergeschoss des ehemaligen Buchladens. «Let’s Go Fitness» wird damit auf Grossbasler Seite eines der grösste Fitnesscenter direkt in der Innenstadt.

So viele Fitnesscenter für ein Basler Stadtzentrum

Die Konkurrenz allerdings ist gross: Auf Kleinbasler Seite hat bereits «Basefit» einen gut frequentierten Ableger, in der Steinenvorstadt ist Kieser Training beheimatet, im Bereich Kirschgarten hat sich Indigo Fitness bislang behauptet und an der Heuwaage steht das grosse Fitness- und Wellnesscenter der Migros. Zudem soll dieses Jahr noch im Untergeschoss der Basler Markthalle ein weiterer Ableger der Billigkette «Basefit» eröffnen. Preislich muss sich «Let’s Go Fitness» jedenfalls vor dieser Konkurrenz nicht fürchten. Das Unternehmen rangiert in einer ähnlichen Budget-Preisklasse. Es handelt sich also nicht um ein Luxuszenter.

In der Fitness-Branche ist derzeit anerkannt, dass ein erbitterter Kampf um Kunden und damit um die Preise und Margen stattfindet. Bereits im Frühjahr berichtete die bz, dass solche Einrichtungen auch in Basel boomen. Vor allem kleinere Fitness-Anbieter leiden aber unter dem wachsenden Preisdruck grosser Ketten wie jenen der Migros, von Coop oder eben «Let’s Go Fitness», die zunehmend in die Deutschschweiz expandiert.

Auch die Hotellerie wird profitieren

Für Pro Innerstadt Basel ist der Zuzug der Fitnesskette eine Bestätigung des laufenden Gesundheitstrends, der in Stadtzentren, aber auch in Einkaufszentren derzeit zutage tritt. «Die Nachfrage ist gross», sagt der Geschäftsführer von Pro Innerstadt, Mathias F. Böhm. «Service- und Convenience-Anbieter sind im Aufschwung.» Das zeige sich auch an weiteren Einrichtungen dieser Art, wie etwa den Beauty-Boutiquen in der Gerbergasse. Zudem ist kürzlich auch ein Anbieter für durchsichtige Zahnspangen vis-à-vis der Hauptpost eingezogen.

«Ist das Produkt auf Nutzer ausgerichtet und erfolgreich, dann haben die Anbieter durchaus grosse Chancen auf dem Markt», sagt Böhm. Davon profitiert indirekt auch die Hotellerie, die zunehmend die Basler Innenstadt entdeckt (die bz berichtete). So baut derzeit Coop ein Viersterne-Hotel am Marktplatz. Wenn eine Innenstadt ein Fitness- und Wellness-Angebot vorweisen kann, muss nicht jedes urbane Hotel ein eigenes «Gym» für die Gäste anbieten.
Andreas Schwald

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