Die alte Baselworld ist Geschichte. Das lässt sich schon festhalten, bevor der neue Direktor Michel Loris-Melikoff morgen Mittwoch am sogenannten «Press Day» das Programm 2019 vorstellt. Noch knapp 500 Aussteller sind dabei, über 100 weniger als vergangenes Jahr, als mit 630 Ausstellern bereits ein Tiefpunkt erreicht wurde. 2017 wurden noch 1300 Aussteller gezählt.

Erst vergangenen Samstag versicherte Swatch-Chef Nick Hayek gegenüber der «Rundschau» von Radio SRF erneut, dass sein Konzern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr an die Basler Messe zurückkehren werde; eine solche Händlermesse sei nicht mehr zeitgemäss. Hayek spricht nicht nur für die Marke Swatch, sondern auch für Omega und Tissot, die zum Konzern gehören.

Auf der Suche nach Besuchern

Wenn also selbst einer der grössten Uhrenhersteller der Schweiz verkündet, dass die Baselworld in der alten Form ausgedient habe, dann bleibt nicht mehr viel. Denn eine Publikumsmesse war die Baselworld nie – trotz flächendeckender Beflaggung der Stadt. Dafür war das finanzielle Zugpferd der MCH Group AG zu exklusiv und zu spezifisch.

Wenig lockte die breite Bevölkerung zu den atemberaubenden Prunkbauten der Uhren- und Schmuckindustrie, ausser man interessierte sich für puren Luxus jenseits des durchschnittlichen Budgets. Auch die eigentlichen Messebesucher sorgten für wenig Gesprächsstoff, im Gegensatz zu jenen der Art Basel. Prominente zeigten sich selten, es sei denn, eine Uhrenmarke hatte sie für einen Promo-Gig eingeladen. Vom Messebetrieb vernahm man durch die Lokalmedien, die ob der kunstvollen Installationen eines Rolex- oder Omega-Standes sprichwörtliche Bauklötze staunten.

Unkontrollierter Geschäftssinn

Das Einzige aber, das sich in der Basler Allgemeinheit beim Anblick der Messe-Besucher regte, war der Geschäftssinn: Die als vermögend geltenden Vertreter der Luxusbranche brauchten Kost und Logis, also galt es, daraus Profit zu schlagen. Die Folge waren horrende Hotelpreise – selbst in Etablissements, die eher dem Rotlichtbereich zuzuordnen sind –, überteuerte Menüs und untervermietete Wohnungen, mittels derer man sogleich die eine oder andere Monatsmiete rausholen konnte.

Zumindest damit ist jetzt Schluss. Der neue Messedirektor Michel Loris-Melikoff zeigt sich seit seinem Amtsantritt Ende 2018 äusserst kämpferisch: Persönlich appellierte er bei den Gastrobetrieben an die Hospitality, also an die Gastfreundschaft, und versuchte, die Preise in vernünftige Bahnen zu lenken sowie Service-Pakete zu schnüren. Zudem muss er weiter redimensionieren, um den mittlerweile als übergross geltenden Vorzeige-Bau der Halle 1, in der bislang ganze Messebauten von der einen Baselworld zur nächsten überwintert wurden, neu zu bespielen.

Näher zum Kunden – im Ausland

Klar ist, dass die Messe zumindest teilweise zu einer Erlebniswelt der Uhrenbranche werden soll. Das deutete Loris-Melikoff bereits in einem Interview mit der bz an sowie in weiteren Mediengesprächen, die darauf folgten. Erste Elemente einer Baselworld 2020 sollen schon dieses Jahr erkennbar sein.

Zudem erwägt er, mit der Messe neue Standorte zu erschliessen. Eine Möglichkeit wäre, analog zur Kunstmesse Art Basel internationale Ableger zu schaffen, zum Beispiel im asiatischen Raum. Das Motto: näher an den Kunden, also näher zu den Händlern, die laut Hayek mit dem Online-Handel mittlerweile über ganz andere Kanäle verfügen als noch vor einer Dekade. Damals war die Präsenz in Basel Pflicht, seither wurde sie zur finanziellen und logistischen Belastung einer Branche, die ohnehin mit dem technischen Wandel kämpft.

Ein Prosperieren der Baselworld ist auch für die MCH Group AG entscheidend. Der Aktienkurs des Unternehmens hat sich seit dem lautstarken Abschied der Swatch-Gruppe im vergangenen Jahr kaum mehr richtig erholt. Die Aktie ist mit aktuell knapp 20 Franken nicht mal mehr die Hälfte dessen wert, was sie vor dem Knall im Juli 2018 war.