Strafgericht
Mit Tricksereien mehrere Geschäftsleute ausgenommen

Ein 40-jähriger Nigerianer muss sich wegen Millionenbetrügereien vor dem Basler Strafgericht verantworten. Angeblich ging es um seriöse Handelspläne und Grosskredite. Mehreren Geschäftsleuten knöpfte der Mann hohe Geldbeträge ab.

Patrick Rudin
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Die angewandten Maschen sind allerdings unfassbar dreist: So belegte er seine Kreditwürdigkeit mit einem angeblich an ihn abgetretenen Wechsel der US-Amerikanischen Regierung über satte 500 Millionen US-Dollar. (Symbolbild)

Die angewandten Maschen sind allerdings unfassbar dreist: So belegte er seine Kreditwürdigkeit mit einem angeblich an ihn abgetretenen Wechsel der US-Amerikanischen Regierung über satte 500 Millionen US-Dollar. (Symbolbild)

Keystone

«Er hat einen guten Eindruck gemacht. Es hat geheissen, man könne mit dem Öl, Gold und den Diamanten auch gut Geld verdienen», schilderte ein Zeuge am Montag vor Gericht. Rund 60'000 Franken aus seinem Pensionskassenguthaben investierte er in die Geschichte, das Geld ist futsch, heute lebt der Basler von der Sozialhilfe.

Eingefädelt hat das Geschäft ein 40-jähriger Nigerianer, am Montag begann sein Prozess vor dem Basler Strafgericht. «Ich weiss, dass ich einen Fehler gemacht habe», sagte der Angeklagte. Auf konkrete Nachfragen des Gerichtes wich er aber meistens aus, sprach von langfristigen Plänen und konnte sich an vieles nicht mehr erinnern.

Die angewandten Maschen sind allerdings unfassbar dreist: So belegte er seine Kreditwürdigkeit mit einem angeblich an ihn abgetretenen Wechsel der US-Amerikanischen Regierung über satte 500 Millionen US-Dollar. Diese «International Bill of Exchange» stammte allerdings aus einem Tintenstrahldrucker – wer sie angefertigt hat, ist unklar.

Dem erwähnten Basler Opfer versprach er, über seine Konten würde bald ein lukrativer Gold- und Edelsteinhandel fliessen. Immer wieder war auch die Rede von Entwicklungsprojekten.

Doch auch erfahrene Geschäftsmänner tappten in die Falle: Der Angeklagte vermittelte etwa eine angebliche Bankgarantie über eine Milliarde Euro, dafür kassierte er im voraus Gebühren von knapp 200'000 Franken. Die Bankgarantie gibt es bis heute nicht, das Geld ist irgendwo verschwunden.

Einem amerikanischen Plantagenbetreiber versprach der Angeklagte ebenfalls Millionenkredite, das Geld sei bereits «physisch hinterlegt»: Mit einer Einladung ins Sheraton Hotel in Paris schuf man Vertrauen, und in einem Bankschliessfach in Brüssel zeigte man dem Amerikaner beeindruckende Notenbündel. Gefakte Mailadressen unter der Domain «creditsuissee.com» hielten das Vertrauen lange aufrecht, ingesamt versickerten so über 700'000 US-Dollar an «Gebühren».

Grund für Vorauszahlungen gab es immer: Angeblich obligatorische Kontoeröffnungseinlagen, Bürgschaftsgebühren, Auslösegebühren oder Anwaltskosten. Teilweise ging das Geld via Western Union direkt nach Nigeria, teilweise holten es Freunde auf dem eigenen Konto ab.

Mehrere Gehilfen wurden deswegen schon wegen Geldwäscherei verurteilt. Darunter war auch ein Basler Taxifahrer, der offiziell als Anwalt der Crédit Suisse aufgetreten war.

Eine Möbelfirma aus Bratislava ist durch die Betrügereien gar Konkurs gegangen: Eine angebliche Ausschreibung zur Lieferung von 50'000 Bürostühlen an das nigerianische Bildungsministerium diente als Köder, die Firma zahlte im Rausche des grossen Auftrages fast 100'000 Euro an Bewilligungsgebühren und Anwaltskosten.

Das Geld floss teilweise über das Konto eines bereits hochverschuldeten 35-jährigen Treuhänders aus Basel, auch er muss sich wegen der Geschichte vor dem Gericht verantworten. Am Montag «vergass» er den Gerichtstermin und wurde schliesslich von der Polizei ins Gericht gebracht.

Beide Männer sind wegen gewerbsmässigen Betruges, Geldwäscherei und Pfändungsbetrug in mehreren Fällen angeklagt. Am Dienstag halten Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers, das Dreiergericht fällt sein Urteil Ende Woche.

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