André Wyss (51) ist bekennender FCB-Fan. Der Chef von Novartis Schweiz muss gerade mit ansehen, wie über den stolzen Stadtclub eine Zeitenwende hereinbricht. Erstmals seit acht Jahren wird der FC Basel wohl nicht Schweizermeister. Doch auch für André Wyss, Chef Schweiz bei Novartis, brechen andere Zeiten an: Er wird Unternehmen und Posten Ende Monat verlassen. Mit Wyss verlässt der letzte mit Basel verwurzelte Spitzenmanager das Pharmaunternehmen. Er ist in der Konzernleitung auch der letzte «Old-School-Boy» aus der Ära Vasella. 

Hintergrund von André Wyss' Abgang: Unter Konzernchef Vasant Narasimhan soll Novartis digitaler werden. An digitalen Therapien wird gearbeitet. Das alles ist nicht Wyss' Welt, so wie Kenner des Unternehmens ihn einschätzen.

Den 16-Jährigen interessierten Chemie und Physik

Begonnen hatte Wyss seine Karriere vor 34 Jahren in der damaligen Sandoz, die 1996 zusammen mit Ciba zur Novartis wurde. Sein Weg führte von ganz unten nach ganz oben.

Wyss machte eine Schnupperlehre bei Siegfried in Zofingen und bei Sandoz in Muttenz, wo er letztlich blieb. 1984, er war 16-jährig, begann er seine Lehre als Chemikant. Er wohnte damals noch im Kanton Aargau, heute längstens in der Region Basel.

Die Chemische Industrie war offenbar ein Bubentraum von Wyss, denn er sagte 2014 im Interview mit der bz: «Wissenschaft, Chemie, Physik, das fand ich schon von klein auf sehr interessant.» Wyss arbeitete als Chemikant in der Abteilung Chemikalien. Diese gibt es so nicht mehr. Sie heisst heute Clariant und ist bekanntlich ein globales Unternehmen.

Als Chemikant war Wyss in der chemischen Produktion tätig und stellte in grossen Kesseln Wirkstoffe oder Farben her. Es sind Arbeitsprozesse, die heute vorwiegend vollautomatisch ablaufen. Informatik und Steuerungssysteme dominieren die Produktion, wo früher Mitarbeiter wie Wyss Hand anlegten. Als Wyss bei Sandoz begann, war die Branche eine komplett andere.

Wyss erlebte den für Basel traumatischen Unfall von Schweizerhalle als Lehrling hautnah mit: «Ich war geschockt, dass so ein Unfall passiert bei Sandoz.» Weil Schleusen geöffnet wurden, gelangte giftiges Löschwasser in den Rhein. Bis nach Rotterdam verendeten Fische.

Doch die Firma habe viel aus der Katastrophe gelernt, so Wyss. Es sei viel in die Sicherheit investiert worden.

Der Weg nach ganz oben

Später studierte Wyss Wirtschaft, was ihm die Türen in die Konzernzentrale ebnete. In seinen 34 Jahren im Konzern übte er verschiedene Management-Funktionen aus. Er war unter anderem Länderchef in Griechenland (2004 bis 2007) und in den USA (2010 bis 2014) und Präsident von Novartis Pharmaceuticals Corporation. Dazwischen führte er die Geschäfte für Asien, Nahost sowie Afrika. Schliesslich übernahm er 2014 Novartis Schweiz. Es war eine Aufwertung des Ursprungsstandortes von Novartis.

Geplant war dies alles nicht. «Es hat sich einfach so ergeben», sagt Wyss. Aber es war offenbar eine spannende Zeit, auch für seine Frau - eine ehemalige Profi-Tennispielerin - und für die beiden Kinder des Paares. «Es ist ganz toll, wie die Familie da mitgemacht hat.»

Das Schicksal meinte es gut mit dem Basler. Vom Chemikanten an die Spitze von Novartis Schweiz und in die Konzernleitung. Das ist ein Weg, der sich sehen lassen kann. Ein Weg aber, der in ein paar Wochen zu Ende sein wird. Es wird auch für Novartis eine Art Zeitenwende. Erneut werden Wurzeln in Basel gekappt.