1. August

Migros Basel kappt dem Feuerwerk die Lunte – Böller, Raketen und Co. lohnen sich nicht mehr

Vulkane werden in Basel seltener.

Regionale Migros-Genossenschaften stoppen schweizweit Feuerwerksverkauf – Coop hält hingegen an Raketen und Böllern fest. Man wolle den Kunden nicht vorschreiben, was sie zu kaufen haben. Hinter dem Entscheid stecken aber nur bedingt Klimagründe.

Wer künftig in der Region Feuerwerk steigen lassen will, schaut bei Migros in die Röhre. Wie am Donnerstag bekannt wurde, stellen mehrere regionale Genossenschaften des Detailhändlers den Verkauf von Feuerwerk ein, so auch die Genossenschaft Basel. Ab 2. August ist Schluss mit Knallern und Raketen in den Regalen. Bis zum 31. Juli verkauft die Basler Genossenschaft zwar noch Feuerwerk, aber nur noch in ausgewählten Baumärkten. In der normalen Migros-Filiale sucht man dann vergebens danach.

Bereits im letzten Jahr hat die Migros Aare den Verkauf eingestellt, nun folgen weitere Regionen dem Trend. So verzichtet auch die Region Luzern komplett auf Feuerwerk, die Genossenschaften in Basel und Zürich verkaufen diesen Sommer zum letzten Mal Feuerwerksartikel. In dieser Entscheidung seien die regionalen Migros-Genossenschaften frei, sagt Patrick Stöpper, Mediensprecher der Migros, gegenüber den Zeitungen von CH Media. «Wir spüren da aber überall ein Umdenken.»

Coop: «Die Kunden entscheiden»

Weil sich die Feuerwerksverkäufe in den vergangenen Jahren als rückläufig erwiesen hätten und man wegen der zunehmend trockenen Sommer ohnehin im Verkauf eingeschränkt gewesen sei, entschieden die Regionen, auf den Verkauf ganz zu verzichten. Damit folgt Migros auch dem Wunsch der aktuellen Klimaschutzbewegung, die den Verkauf von Feuerwerk generell verbieten oder zumindest boykottieren will, damit nicht mehr Schadstoffe in die Luft gelangen.

Der andere Gigant des Schweizer Detailhandels hingegen hält am Feuerwerksverkauf fest. «Wir lassen unsere Kunden darüber entscheiden, was sie kaufen wollen und was nicht», sagt eine Sprecherin auf Anfrage der bz. Coop mit Hauptsitz in Basel wird daher auch weiterhin in allen Filialen der Schweiz Feuerwerk anbieten. Eine Ausnahme gibt es dennoch: Coop beobachte die Trockenheitslage in den Kantonen genau und werde bei entsprechenden Warnungen den Verkauf einschränken. «Dieses Vorgehen praktizieren wir aber schon länger.»

Weiterhin verkauft wird Feuerwerk auch von der Zunzger Fortura AG, einem der grössten Feuerwerkshändler in der Region. Die Fortura wird auch dieses Jahr auf den Nationalfeiertag hin sechs Verkaufsstände in der Schweiz unterhalten, davon drei in der Region Basel. Der grösste befindet sich im heimischen Zunzgen, je ein weiterer wird in Pratteln und in Allschwil errichtet.

Das wirtschaftliche Risiko

Dazu betreibt das Oberbaselbieter Unternehmen drei ausserregionale Stände in Payerne, im bernischen Worb und in Amriswil in der Ostschweiz. Wie Geschäftsleitungsmitglied Roberto Papini sagt, überlasse man es dem Kunden, ob er Feuerwerk einkaufen wolle oder nicht. «Feuerwerk hat etwas mit Emotionen zu tun», sagt er. So lange es eine Nachfrage gebe, würde man den Kunden die Freude daran nicht nehmen.

Tatsächlich ist auch die Migros vorsichtig, nicht allzu sehr in Richtung Klimadebatte zu argumentieren. Vielmehr wird von den Genossenschaftsregionen angeführt, dass die Planbarkeit der Feuerwerksverkäufe deutlich gesunken sei. Damit steigt das wirtschaftliche Risiko im Einkauf, das die Migros durch Sortimentsanpassung nun minimiert. So kann auch Papini bestätigen, dass die in den vergangenen Jahren häufiger auftretenden Trockensommer die Planbarkeit erschwert hätten.

Hinzu kommt die technische, aber auch regulatorische Entwicklung im Herstellerland China, das den grössten Teil der weltweiten Feuerwerks-Exporte stemmt. Nachdem die chinesische Regierung die Sicherheitsvorschriften in der Feuerwerksindustrie verschärft hatte, mussten diverse kleinere Hersteller schliessen. Sie konnten die Auflagen nicht mehr erfüllen. Die Massnahmen führten zu mehr Sicherheit für die Arbeiter, trieben aber gleichzeitig die Einkaufspreise für die hiesigen Grossverteiler in die Höhe.

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