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«Michael Kors» in Basel: Auf Deutsch werden Sie hier nicht bedient

Betreten nur mit Englischkenntnissen: Wer im Michael-Kors-Laden an der Freien Strasse eine Beratung will, muss des Englischen mächtig sein.

Betreten nur mit Englischkenntnissen: Wer im Michael-Kors-Laden an der Freien Strasse eine Beratung will, muss des Englischen mächtig sein.

Wer im Michael-Kors-Store bedient werden will, kommt mit Deutsch nicht weit: Das Verkaufspersonal bedient die Kunden ausschliesslich auf Englisch. Warum dem so ist, bleibt noch unklar.

«Kann ich Ihnen helfen? Suchen Sie etwas?», fragt eine äusserst zuvorkommende Frau. Verstehen kann sie jedoch nur, wer Englisch spricht. Denn die Bedienung im Michael-Kors-Laden spricht einen auf Anhieb auf Englisch an. Und das nicht in London oder New York, sondern wohlgemerkt in Basel. Auf die Nachfrage, ob die Dame Deutsch spreche, folgt ein verdutzter Blick und ein gebrochenes, mit französischem Akzent geflüstertes «nur ein bisschen».

Der Versuch, mit der zweiten Bedienung zu sprechen, scheitert etwa auf die gleiche Art. Sie spreche nur «etwas» Deutsch. Ob wir nicht Englisch sprechen könnten. Nach einem netten Gespräch – auf Englisch natürlich – verlassen wir das Geschäft. Zurück bleibt die Frage, wieso die Angestellten in einem neu eröffneten Laden in Basel – die Trend-Marke folgte erst Anfang März auf das Multilabel-Geschäft Kohler – so gut wie kein Deutsch sprechen.

Deutsch im Anforderungsprofil

Insbesondere, wenn man die Stellenausschreibung als Verkaufsleiter in der Basler Filiale von Michael Kors auf dem Internet-Business-Netzwerk «Linkedin» liest. Aber auch hier gilt wieder: Nur wer Englisch kann, versteht es, denn eine anderssprachige Version ist nicht existent.

Neben einer ausführlichen Beschreibung, welche Aufgabenbereiche der zukünftige Verkaufsleiter haben wird, ist insbesondere die Passage, welche die gewünschten Qualifikationen beschreibt. Neben zwei Jahren Erfahrung als Verkaufsleiter eines Mode-Geschäfts und einem äusserst guten Gespür für Mode folgt der interessanteste Punkt: «Gute Englischkenntnisse. Lokale Sprache ebenfalls vorausgesetzt.» Und bei einer Ausschreibung einer Stelle in Basel ist dies nun mal Deutsch.

Spezielle Anforderungen?

Wir verweilen noch etwas im Laden, schauen uns die Taschen an, und hören – ganz nebenbei natürlich – einem Beratungsgespräch des dritten Angestellten mit einer interessierten Kundin zu. Auch dieses wird auf Englisch geführt. Von wo genau die Angestellten stammen, ist nicht bekannt. Und auch die Anfrage beim Hauptsitz von Michael Kors, wieso die Angestellten die lokale Sprache nicht sprechen, blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Genau so wie die aufkommende Frage, wieso nicht Deutschsprechende für die Stelle ausgewählt wurden.

Auch wenn der sogenannte Inländervorrang, eine gesetzliche Regelung, welche verlangt, dass Personen aus der Schweiz Vorrang haben, nicht mehr in Kraft ist, wären für diese Stellen mit Sicherheit auch Deutschsprechende gefunden worden, die des Englischen eben so mächtig sind, wie die zurzeit bei Michael Kors Arbeitenden. Denn ein perfektes Englisch haben auch sie nicht.

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