Portrait
«Master of Wine» – Und trotzdem kein Snob geworden

Der «Master of Wine» Jürgen von der Mark produziert nur wenige Kilometer von Basel Premium-Burgunder. Diese wird man vom 6.-8. April am Basler Wymärt in der Markthalle degustieren können.

Peter Schenk
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Jürgen von der Mark mit einem Spätburgunder vor seinen Eichenfässern, die er aus dem Burgund erhält.

Jürgen von der Mark mit einem Spätburgunder vor seinen Eichenfässern, die er aus dem Burgund erhält.

Roland Schmid

«Im Grunde wäre es noch snobistischer, den Titel auf der Visitenkarte wegzulassen», erzählt Jürgen von der Mark. 1996 durfte er sich als erster Deutscher mit dem renommierten Titel «Master of Wine» schmücken. 30 000 D-Mark, viel Nerven und zwei Jahre Vorbereitungszeit hat ihn das gekostet.

Heute gehören weltweit gut 340 Personen dem «elitären Club» an, wie er ihn nennt. In der Region Basel ist von der Mark der einzige. Die Prüfung dauert vier bis fünf Tage, besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil, in dem die Geschmacksnerven der Prüflinge Höchstleistungen erbringen müssen – viele fallen durch. «Ich bin jetzt ein alter Herr und werde in den Club 21 aufgenommen», sagt von der Mark – so viele Jahre ist er schon dabei.

Selber ist er alles andere als ein Snob. Seit 2003 produziert der ausgebildete Weinbauingenieur im südbadischen Rheinweiler bei Bad Bellingen, zirka 20 Kilometer nördlich von Basel, Wein. «Für einen Master auf Wine ist es ungewöhnlich, auch Winzer zu sein», erklärt er. Vom 6. bis 8. April nimmt von der Mark am Basler Wymärt in der Markthalle teil.

Wein ist kein Statussymbol

Wein ist seine Leidenschaft. Wenn er einmal ins Reden kommt, und das geht schnell, ist er kaum zu bremsen. «Wein ist für mich kein Statussymbol. Ich produziere ihn mit Herzblut.» In der Region ist der gebürtige Rheinländer, der aus Bonn stammt, wegen seiner Frau gelandet. Sie arbeitet bei Roche. Das Paar hat zwei Töchter.

Für Wein hat sich von der Mark schon mit 15 Jahren interessiert. Ein Jus-Studium brach er nach zwei Semestern ab und begann eine Ausbildung als Winzer – vorher hatte er schon für einen Weinhändler gearbeitet. «Für meine Mutter ist eine Welt zusammen gebrochen. Mein Vater hingegen fand es gut, dass ich jeden Monat zehn Flaschen Wein bekommen habe», erinnert er sich.

Ab 1997 hat von der Mark als Berater für Weingüter und -händler gearbeitet. Sein Titel kam ihm da zur Hilfe. «Es ist ein Alleinstellungsmerkmal.» Um selber Wein zu produzieren, hat er am Tuniberg, südlich vom Kaiserstuhl, sechs Hektaren Reben gepachtet. Betreut werden sie für ihn von einem unabhängigen Winzer.

Angefangen hat von der Mark mit hochwertigen Premiumweinen, sich aber mit der Zeit diversifiziert. So kann man heute bei ihm in der ersten Preisklasse auch schon einen Wein zwischen 8 und 11 Euro kaufen, in der zweiten Stufe zwischen 12 und 17 Euro gibt es Grau- und Spätburgunder aus dem Holzfass, in der dritten Preisklasse zwischen 20 und 35 Euro Weine der Spitzenklasse.

In Zusammenarbeit mit einer südbadischen Genossenschafts-Kellerei macht er für die Detailhandelskette Rewe sogar Wein für fünf Euro. «Ich möchte nicht so abgehoben sein», begründet er das Engagement. Auf den Etiketten tritt er mit seinem Kürzel auf.
Für seine Spitzenweine betreibt der Winzer bei der Ernte erheblichen Aufwand. «Jede Traube muss einzeln angeschaut werden. Die Trauben werden in kleinen Acht-Kilo-Kisten geerntet, die wir, falls es zu heiss ist, im Kühlanhänger abtransportieren.»

Seine Eichenfässer kauft der 56-Jährige im Burgund. «Früher stand da sogar noch der Name des Waldes drauf», sagt er und entdeckt kurz eine entsprechende Inschrift auf einem seiner Fässer.

2016 werde als extrem heterogenes Jahr in die Annalen eingehen. «Bis Ende Juni lagen die Nerven blank. Das Frühjahr war nasskalt, Mai und Juni grauenvoll. Ich habe die Hälfte meiner Ernte verloren. Ab Juli aber war es bis in den Herbst schön.» Nur Reben mit geringen Erträgen hätten dieses Wetter nutzen können, um vollreife, extrem gehaltvolle Trauben zu liefern. «Die Weine aus solchen Weinbergen präsentieren daher quasi die Essenz des Jahres. Sie werden das Drama des Jahres hoch spannend im Glas wiedergeben.»

2006 auf Bio umgestellt

2006 hat von der Mark auf Bio umgestellt. «Die Reben werden so schlauer und nicht mehr entmündigt», argumentiert er. Manchmal hört es sich an, als rede er von seinen Weinen wie von Menschen. «Wein machen, ist wie Kinder zu erziehen», lautet einer dieser typischen Sätze.

Auf dem Wymärt hofft er vor allem auf Resonanz. «Die kulturelle Nähe zu Basel ist ganz wichtig für mich. Ich freue mich darauf, Leute kennenzulernen, die schätzen, was ich mache.» Diese «kulinarischen Connaisseurs» kämen vor allem aus der Schweiz. «Ein Deutscher kann mit dem gleichen Porsche Modell vorfahren und wird dann die Basisweine kaufen», berichtet er.

Heute gibt es in Deutschland acht und in der Schweiz fünf «Master of Wine». Von der Mark findet das gut. «Wenn ich den Titel alleine habe, weiss ja niemand, was das ist.» Erfunden wurde der Titel 1953 von den Engländern, die dafür als Weinhandelsnation, die selber keinen Wein herstellt, prädestiniert gewesen seien. Diese Neutralität droht jetzt zu verschwinden. «Durch den Klimawechsel wird es in England so warm, dass sie dort Sekt anbauen können. Sie haben die gleichen Böden wie in der Champagne, wo es zu warm wird.»

Basler Wymärt 6. bis 8. April, Markthalle Basel, Do/Fr 16–21 Uhr, Sa 15–20 Uhr.

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