Massnahmen-Lockerung
«Ich hätte mir mehr Mut gewünscht»: Das sagen Gastronomie und Arbeitgeberverband in beiden Basel

Der Bundesrat plant auf Ende Mai diverse Lockerungen. So sollen Restaurants auch im Innenbereich wieder Gäste empfangen dürfen. Gleichzeitig entfällt die Pflicht zum Homeoffice. Längst nicht alle in beiden Basel können sich darüber uneingeschränkt freuen.

Larissa Gassmann
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Bilder, die man bald wieder sehen könnte: Verläuft alles nach Plan, dürfen Gastronomen Ende Mai wieder Gäste im Innenbereich empfangen.

Bilder, die man bald wieder sehen könnte: Verläuft alles nach Plan, dürfen Gastronomen Ende Mai wieder Gäste im Innenbereich empfangen.

Dominik Wunderli

Noch kreist ein riesiges Fragezeichen über dem Hoffnungsschimmer am Horizont. Doch auch wenn noch nichts in Stein gemeisselt ist, ist die Freude über die angekündigten Pläne allerseits zu spüren: Sofern die epidemiologische Lage es zulässt, dürfen sämtliche Restaurants ab 31. Mai wieder Gäste im Innenbereich empfangen.

Die Erleichterung darüber sei gross, sagt Fabienne Ballmer, Präsidentin von Gastro Baselland. Sie habe bereits dann eingesetzt, als klar wurde, dass die Fallzahlen langsam sinken:

«Jetzt hat man tatsächlich endlich eine Perspektive.»

Ein Wermutstropfen im Bereich Planungssicherheit bleibt aber: Zwischen Entscheid und allfälliger Öffnung liegen nur vier Tage. «Wer die Terrassen jetzt schon offen hat, kommt damit gut klar. Für diejenigen, die von null starten, ist es wiederum ein kurzfristiger Zeithorizont», sagt Ballmer.

Fabienne Ballmer, Präsidentin von Gastro Baselland.

Fabienne Ballmer, Präsidentin von Gastro Baselland.

zVg

So würden einige Restaurants im Kanton Baselland nicht über eine gedeckte Terrasse und somit über keine Ausweichmöglichkeit verfügen. Selbst Gastronomen, die ihre Gäste derzeit im Aussenbereich empfangen, könnten nicht gewinnorientiert arbeiten. Alle würden somit schon zu lange leiden. «Dass man zwei Wochen lang wartet, verstehe ich nicht so ganz», sagt Ballmer. Man gehe den sehr vorsichtigen Weg, obwohl die Fallzahlen sich in die richtige Richtung bewegen. Wünschenswert wäre laut ihr ein früher definitiver Entscheid. Und doch: «Wir sind am Ende des Marathons angekommen. Das ist positiv und darüber freuen wir uns.»

Die momentan stark reduzierten Kapazitäten werden wieder etwas erhöht

Ähnlich durchwachsen klingt das Fazit bei Maurus Ebneter vom Wirteverband Basel-Stadt:

«Emotional tut das gut. Es geht vorwärts, wenn auch eher zaghaft.»

So wäre Ebneter eine schnellere Öffnung der Innenräume lieber gewesen. Die aktuelle Situation würde dies schliesslich zulassen. Er hat wenig Verständnis dafür, dass zweieinhalb Wochen zugewartet wird: «Ich hätte mir vom Bundesrat mehr Mut gewünscht.»

Maurus Ebneter, Präsident Basler Wirteverband.

Maurus Ebneter, Präsident Basler Wirteverband.

Nicole Nars-Zimmer

Grundsätzlich sei man aber froh über die Öffnung. Selbst wenn die Temperaturen Ende Mai ansteigen und wohl viele lieber draussen als drinnen speisen, würde sich diese lohnen: «Dadurch ergibt sich eine Ausweichmöglichkeit, beispielsweise bei Platzregen. Gleichzeitig werden die momentan stark reduzierten Kapazitäten wieder etwas erhöht.» Viele Restaurants in der Stadt hätten nur kleinere Terrassen und würden in Verbindung mit der Beschränkung auf vier Personen pro Tisch nicht auf eine «vernünftige» Gästezahl kommen.

Homeoffice: «Bei der Umsetzung gibt es noch viele Fragezeichen»

Christoph Buser, Direktor Wirtschaftskammer Baselland, ist derweil zufrieden mit den Entscheiden. «Diese gehen in die richtige Richtung und sind für die KMU-Wirtschaft sowie unsere Gesellschaft gut und wichtig», wird Buser in einer Medienmitteilung zitiert. «Der Bundesrat muss laufend prüfen, welche weitere Schritte in Richtung Normalität möglich sind.»

Saskia Schenker, Direktorin des Arbeitgeberverbands Basel.

Saskia Schenker, Direktorin des Arbeitgeberverbands Basel.

Juri Junkov

Auch bei der Homeoffice-Pflicht könnte es so erste Lockerungen geben. Davon profitieren sollen Betriebe, die ihre Mitarbeitenden regelmässig – also mindestens einmal pro Wochen – testen. Der Bund übernimmt dazu neben den Test- auch die Poolingkosten. «Dass es in diesem Bereich vorwärtsgeht, ist ein wichtiges Signal», sagt Saskia Schenker, Direktorin des Arbeitgeberverbands Basel. Sie setzte sich bereits in der Vergangenheit für eine Abschaffung der Homeoffice-Pflicht ein. Dass diese nun aber an Vorgaben gekoppelt wird, stellt die Arbeitgeber laut ihr vor Schwierigkeiten. «Bei der Umsetzung gibt es derzeit noch viele Fragezeichen», so Schenker.

Grundsätzlich unterstütze man die bis anhin freiwilligen Tests in Betrieben stark: So arbeitet der Verband bei den Massentests beispielsweise eng mit dem Kanton Baselland zusammen. Nicht in allen Kantonen werde die Strategie aber gleich gut umgesetzt. Für die Firmen dürften daraus keine Nachteile entstehen. «Auch bei einer Abänderung in eine Homeoffice-Empfehlung werden schliesslich noch immer nicht alle im Büro sein», so Schenker. Gleichzeitig gehe völlig vergessen, dass die Unternehmen schon lange wirksame Schutzkonzepte umgesetzt haben. Zudem bemängelt Schenker die Kommunikation von Seiten des Bundesrats. Im Moment gebe es viele Ankündigungen statt klare Umsetzungspläne:

«Das sorgt in der sonst schon unsicheren Zeit für zusätzliche Schwierigkeiten.»

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