Mit Parteien verhält es sich wie mit Kontinentalplatten: Selbst wenn es unter ihnen brennt, verschieben sie sich nur langsam. Dennoch zeigt eine Auswertung der Politplattform Vimentis, dass sich die Parteienlandschaft in Basel-Stadt und Baselland verändert. Im nationalen Kontext sind Trends wie etwa die Klimadebatte oder der Streit um das Rahmenabkommen Grund für neue Positionen. In den Kantonalparteien kann hingegen eine neue Präsidentin einen grossen Unterschied ausmachen. Politexperten verorten Parteien und deren Exponenten mittels sogenannter Spider wie sie rechts im Bild zu sehen sind. Die «Schweiz am Wochenende» bietet auf der Basis der Vimentis-Daten eine Einordnung der Parteien in Stadt und Land.

Die CVP: Unter dem Einfluss der neuen Chefs

Die Baselbieter CVP gehört zu jenen Parteien der Region, die sich in den vergangenen vier Jahren am stärksten gewandelt haben. Verantwortlich dafür sind wohl vor allem zwei Frauen: Brigitte Müller-Kaderli, bis vor kurzem noch Präsidentin, und Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter. Eine liberalere Gesellschaftspolitik, mehr Sozialstaat und Umweltschutz, eine offene Aussenpolitik: Die Baselbieter CVP hat gegenüber 2015 zu einem prononcierten Linkskurs angesetzt. Interessanterweise findet sie damit näher zur CVP Schweiz. Vor vier Jahren unterlag die Baselbieter Sektion mit ihrem Profil noch einem klaren Rechtsdrall. Noch gesellschaftsliberaler ist die CVP in Basel-Stadt. Das erstaunt nicht: Die Basler CVP unterstützt auch Anliegen wie die «Ehe für alle». Im Vergleich zur nationalen Mutterpartei präsentiert sich der Basler Ableger hingegen weniger grün und deutlich weniger staatstreu.

FDP und LDP: Linksrutsch auf dem Land

Auch die Baselbieter FDP durchlief in der vergangenen Legislatur grössere Wechsel, personell wie inhaltlich. Nun steht sie gegenüber 2015 deutlich linker und befürwortet eine aussenpolitische Öffnung. Das entspricht durchaus auch dem nationalen Trend, wenn dieser auch nicht so klar ausfällt wie im Baselbiet. Kandidat Christoph Buser hingegen verkörpert noch die alte FDP, mit deutlichem Ausschlag in Richtung Law and Order. In Basel-Stadt dürfte die Abgrenzung gegenüber der Regierungsmehrheit ein Grund dafür sein, dass die hiesige FDP nicht mit der Entwicklung der Mutterpartei Schritt hält: Die FDP Schweiz wurde zuletzt unter Präsidentin Petra Gössi etwas ökologischer, die FDP Basel-Stadt hingegen nicht. Die LDP als Basler Sonderfall bewegt sich minim. Interessant: Ihr Profil gleicht stark der BDP Schweiz.

Die SVP: Wider den Trend

Greta zum Trotz: Die nationale SVP setzt sich weitaus weniger für den Umweltschutz ein als vor vier Jahren. Ansonsten bleibt die Partei ihren Werten treu. In einem gewissen Mass tut dies auch die Basler SVP. Sie will sich für eine noch striktere Ausländerpolitik, ein strengeres Rechtssystem und eine restriktivere Finanzpolitik einsetzen. Die Baselbieter SVP verändert sich trotz Präsidentenwechsel marginal.

Die SP: In der Stadt von der FDP überholt

Die Basler SP macht im Vierjahresvergleich eine bemerkenswerte Entwicklung: Sie wird konservativer. Zumindest im Aspekt «Liberale Gesellschaft». Die Genossen liegen nur noch knapp vor den Liberalen und hinter der FDP. In Basel-Stadt stehen auch SP-Vertreter hinter einem Kopftuchverbot für Staatsangestellte. Am wertkonservativsten auf der Fünferliste ist Eva Herzog, wie ein Blick in ihren Fragebogen zeigt. Die Baselbieter Version hingegen ist der Gesellschaft gegenüber aufgeschlossener.

Grüne und Grünes Bündnis: Mehr geht nicht

Die Grünen wissen das grösste Thema dieser Wahlen auf ihrer Seite. Da erstaunt es nicht, dass sie den Umweltschutz als ihr Kernthema noch stärker gewichten. National, aber auch in den beiden Basel, nähern sich die Grünen den Grenzen des Spiders. In der Stadt setzen sie sich zudem für einen maximal ausgebauten Sozialstaat und gegen die Wirtschaftsliberalität ein, was wohl mit dem Umstand zusammenhängt, dass die Grünen mit der Basta gemeinsam antreten.

Die Kleinparteien: Ein bisschen von allem

Weit weniger gefestigt als die Grossparteien präsentieren sich Grünliberale, BDP und EVP. Das erstaunt deshalb nicht, weil die Basis kleiner und der Einfluss Einzelner grösser ist. Die Stadtversion der BDP etwa hat mit jener vom Land relativ wenig Übereinstimmung, während die nationale Organisation noch zentrierter politisiert. Die EVP hingegen verschiebt sich national kaum, wird auf dem Land gesellschaftsliberaler und in der Stadt deutlich umweltbewusster. Die Grünliberalen hingegen passen nicht ganz in dieses Schema. National wie regional zeigen sie sich klar umweltbewusster – aber auch noch viel klarer für eine aussenpolitische Öffnung.