Konzertkritik
Ein Gemischtwarenladen zum Geburtstag

Franco Ambrosetti beschenkt sich bei Offbeat im Basler Volkshaus selber. Mit einer starbesetzten Begleitband, aber ohne roten Faden.

Stefan Strittmatter
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Franco Ambrosetti am Flügelhorn, zusammen mit den aus den Staaten eingeflogenen Uri Caine, Scott Colley, Peter Erskine und John Scofield (von links).

Franco Ambrosetti am Flügelhorn, zusammen mit den aus den Staaten eingeflogenen Uri Caine, Scott Colley, Peter Erskine und John Scofield (von links).

zvg/ Elmar Petzold

Der Auftakt verheisst Böses. Mit dem Stück «Stilletto» als Opener für seine Geburtstags-Gala im Basler Volkshaus hat der ­Tessiner ­Musiker Franco Ambro­setti am Donnerstagabend daneben gegriffen. Nicht, dass die Komposition aus der ­Feder des Pianisten Uri Caine kein Wurf wäre – ganz im Gegenteil: Der feurige Swing baut auf ein Hauptthema auf, das mit seiner Vertracktheit erfrischend aus dem Repertoire des Swing-Jazz herausragt.

Doch ist die hochkarätig besetzte Band für derlei Herausforderungen schlicht zu wenig eingespielt. Die zwei Tage Vorlauf, die Ambrosetti mit seinen eigens aus New York eingeflo­genen Begleitern hatte, reichen nicht aus, um derlei ambitioniertem Material gerecht zu werden. Während sich die vier Profis aus den Staaten – neben dem erwähnten Mann am Piano sind das Bassist Scott Colley, Gitarren-Grossmeister John Scofield sowie Peter Erskine an den Drums – mit Hilfe der Notenblätter zumindest redlich durch die knifflige Unisono-Passage retten, gibt der Bandleader des Abends kein gutes Bild ab.

Das Flügelhorn erstrahlt in der Eigenkomposition

Immerhin geht es von da an nur noch aufwärts, wenngleich nicht all zu steil: Beim country­esken «Mamma Tried», einer Komposition von Merle Haggard, die Ambrosetti irrtümlich Scofield zuschreibt, beschränkt sich der bald 80-jährige Tessiner darauf, die Grundtöne zu harmonisieren. Als Solist tritt er auch hier nicht in Erscheinung.

Immerhin findet das Quintett nach dieser Anlaufphase zu einem stimmigen Gesamtsound, der durch das an einen Gemischtwarenladen erinnernde Repertoire führt. Das Flügelhorn des Geehrten, der sich diesen Auftritt zumindest teilweise aus eigener Tasche selber geschenkt hat, erstrahlt in der Eigenkomposition «Silli in the Sky» mit warmem Klang. Wenn er sich im Material wohl fühlt wie hier, dann fällt Ambrosetti mit inspirierten Melodiebögen und stimmähnlichen Phrasierungen auf.

Vorwitzige Ideen am Schlagzeug

Sehr gelungen ist auch «One for the Kids», mit dem sich ­Ambrosetti, der seine Ansprachen wahlweise in Hochdeutsch, Mundart, Englisch oder (ohne ­erkennbaren Grund) Französisch hält, vor seinem «älteren Bruder» George Gruntz verneigt. Hier brilliert Peter Erskine mit vorwitzigen Ideen am Schlagzeug. Raffiniert umspielt er den Groove, lässt wichtige Betonungen aus oder hält in einem anderen Metrum dagegen. Wer hier nicht absolut sattelfest ist, der verliert schnell den Anschluss.

Dass im Volkshaus an allen Positionen Könner am Werk sind, zeigt sich schliesslich im als Zugabe gereichten «Autumn Leaves». Der tausendfach gehörte Klassiker klingt frisch, wenngleich der Gastauftritt von Ambrosettis Sohn Gian-Luca am Saxofon nicht nötig gewesen wäre. Er mag zwar ein ordent­licher Techniker sein, doch fehlt ihm des Vaters feines Gespür für Klang und Intonation.

Die beiden Ambrosettis, flankiert von Peter Erskine, Uri Caine, Scott Colley und John Scofield im Basler Volkshaus.

Die beiden Ambrosettis, flankiert von Peter Erskine, Uri Caine, Scott Colley und John Scofield im Basler Volkshaus.

zvg/Elmar Petzold

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