Ladenschliessung
Konzept ging nicht auf: «Toi et moi» am Fischmarkt schliesst nach zwei Jahren

Nicht nur Corona hat dem Concept Store den Todesstoss gegeben. Diese Art von Laden hat es in Basel schwer – es gibt aber Ausnahmen.

Rahel Koerfgen
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Toi et moi am Fischmarkt macht bald dicht.

Toi et moi am Fischmarkt macht bald dicht.

Nicole Nars-Zimmer

Ende Januar ist Schluss: Nach zwei Jahren am Fischmarkt schliesst das Geschäft Toi et moi seine Türen, zehn Mitarbeiter verlieren ihre Stelle. Inhaberin und Geschäftsführerin Urszula Berger sagt zur bz: «Die Umsätze erreichten nie das Niveau, das wir angesichts der hohen Miete gebraucht hätten, um zu überleben.» Es sei immer schon «auf Messers Schneide» gestanden, «dem Detailhandel in Basel läuft es nicht rosig. Corona hat uns nun den Todesstoss gegeben», so Berger. Nur dank des einträglichen Onlineshops sei sie in der Zeit des Lockdowns über die Runden gekommen, und auch wegen der Kulanz des Vermieters: «Er hat uns für zwei Monate die Miete erlassen.»

Das Konzept ging nicht mehr auf

Auf drei Stockwerken verkauft Berger Kinder- und Damenmode, Wohnaccessoires wie Schmuck, Beautyprodukte und sogar Lebensmittel. Ein typischer sogenannter Concept- Store mit breitem, nicht tiefem Sortiment für junge Familien, die Wert auf Ethik und ökosoziale Standards legen – und hippe Nischenmarken mögen. Zuvor stand Toi et moi ausschliesslich für Kindermode und Spielwaren. Gründerin Nina Moesch startete 2010 an der Missionsstrasse, zog dann angetrieben vom Erfolg an die Spalenvorstadt, bevor der Umzug an den Fischmarkt und damit die Vergrösserung zum Concept-Store kam. Nun zeigt sich: Dieses Konzept ging nicht mehr auf.

Eine Verkleinerung ist das Ziel

Moesch zog sich vor einem Jahr zurück, Berger machte alleine weiter. «Ich geriet in eine Negativspirale. Es war schwierig, das Sortiment weiter zu entwickeln, da wegen der Pandemie keine Messen stattfanden und ich so keine neuen Marken entdecken konnte.» Nun läuft der Totalausverkauf bis Ende Januar. Danach sei ein Teil des Sortiments weiterhin online erhältlich, sagt Berger. Sie überlegt sich nun eine Wiedereröffnung im kleineren Rahmen, eine Lokalität im Gundeli habe sie im Auge.

Bei Pro Innerstadt Basel wird die Schliessung am Fischmarkt mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Trotzdem glaubt Geschäftsführer Mathias F. Böhm nicht, dass der Misserfolg dem Mischsortiment von Toi et moi geschuldet ist. Vielmehr ist er überzeugt, dass dem erlebnisreichen Einkaufen in Läden mit kombiniertem Angebot – stylishen Miniwarenhäusern – die Zukunft gehört: «Das zeigt sich an der internationalen Entwicklung; Concept-Stores wie der deutsche ‹Kauf dich glücklich› boomen. Und auch hier in Basel zeichnet sich eine Trendwende ab.»

Wir starteten mitten in der Coronazeit, was sich natürlich nicht ideal auf den Geschäftsgang auswirkte.

(Quelle: Geschäftsführer Mathias F. Böhm)

Diverse Geschäfte würden sich nämlich in diese Richtung bewegen, so hätten etwa Tarzan und Famos am Spalenberg ihr Sortiment verbreitert. Und mit Thisisyours ist Pro Innerstadt gleich selbst aktiv geworden: Seit Mitte 2020 betreibt der Verein an der Streitgasse einen temporären Concept-Store samt Bistro. Die Zwischenbilanz ist durchzogen: «Wir starteten mitten in der Coronazeit, was sich natürlich nicht ideal auf den Geschäftsgang auswirkte», so Böhm. Er lässt offen, ob und wie das Projekt fortgeführt wird.

Am Spalenberg läuft’s wie geschmiert

Böhm sagt, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis der «erste internationale Concept-Store» in Basel Fuss fasse. Allerdings gibt er zu bedenken: «Der Basler Konsument ist träger als etwa jener in Genf oder Zürich. Noch scheint er nicht so auf vielschichtige Sortimente anzusprechen. Aber das kommt noch.» Es gäbe bereits einige positive Beispiele dafür, dass Concept- Stores in Basel Erfolg haben können, etwa Hejkøh am Spalenberg.

Dieses Geschäft hat sich auf Einrichtung und Lifestyle im nordischen Stil spezialisiert, auch ein gemütliches Café gehört dazu. Anders als am Fischmarkt läuft es hier wie geschmiert. Mitinhaberin Claudine Kuhn-Köhler: «Wir sind mit der Umsatzentwicklung sehr zufrieden. Gerade in Zeiten der Pandemie sehnen sich die Leute nach einem gemütlichen Zuhause. Wir haben das Sortiment entsprechend angepasst und damit anscheinend einen Nerv getroffen.»

Heute sei entscheidend, so Kuhn-Köhler, viel Aufwand in die Sortimentsauswahl zu stecken und eine gewisse Exklusivität anzustreben. Dieses Konzept scheint aufzugehen.