Konkurse
Die wirtschaftliche Last wird vielen Basler Fitnesscentern zu schwer: Unterstützung vom Kanton trifft nur häppchenweise ein

Eigentlich gehören die ersten Monate des Jahres zur Spitzenzeit für Fitnesscenter. Dieses Jahr aber müssen sie geschlossen bleiben. Während der nationale Dachverband die Klage gegen den Bund als letzten Ausweg wählt, mussten einige Center in der Region bereits aufgeben.

Oliver Spiess, Larissa Gassmann
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Einige Studiobetreiberinnen und -betreiber der Region haben ihre Fitnessutensilien bereits an den Nagel gehängt.

Einige Studiobetreiberinnen und -betreiber der Region haben ihre Fitnessutensilien bereits an den Nagel gehängt.

Bild: Reto Martin

«Wir haben keine Ahnung, wie sie diese Beträge errechnen», stellt René Bucher, Inhaber des Basler Fitnesscenters Actifit, befremdet fest. Er spricht von den Härtefallentschädigungen, die er vom Basler Stadtkanton erhält. Und er steht damit nicht alleine da: Unverständnis hat sich bei vielen Fitnesscenter-Inhabenden breitgemacht. Dieses ist so gross, dass der nationale Dachverband jüngst eine Schadenersatzklage gegen den Bund einreichte. Doch einige Betriebe in der Region brachen bereits jetzt unter der finanziellen Last zusammen.

Seit Ende November muss unter anderem das Actifit pausieren. Es sind die umsatzstärksten Monate, die verloren gingen. «Die Mitgliederzahlen sinken immer tiefer», sagt Bucher. Zwar erhalte er Härtefallgelder. Aber diese entsprächen längst nicht dem, was der Bund angekündigt habe. Die Auszahlung erfolge häppchenweise. Wie einem Schreiben, das der bz vorliegt, zu entnehmen ist, argumentiert der Kanton wie folgt:

«Eine Härtefall-Unterstützung von 20 Prozent des Umsatzes würde – zusammen mit anderen Leistungen wie Kurzarbeitsentschädigung – rasch zu einer Überkompensation führen.»

Ein Hohn, findet Bucher. Um die Fixkosten zu decken, müssten es mindestens 40 Prozent sein – und dies nicht in Häppchen. Ob das auch die Justiz so sieht, wird sich zeigen: Buchers Budgetrechnung ist eines der Musterbeispiele, die der Schweizerische Fitness- und Gesundheitscenterverband (SFGV) seiner Klage gegen den Bund beilegte.

Ein Fitnessstudio vermietet als letzte Massnahme gleich seine ganzen 2000 Quadratmeter an einzelne Privatpersonen

Welche Betriebe den Pandemie-Sommer tatsächlich überdauern, wird erst der Herbst offenbaren. Denn die umsatzschwachen Sommermonate wären auch bei einer möglichen Öffnung der Fitnessstudios eher Zerreissprobe als Erlösung, wie SFGV-Präsident Claude Ammann bestätigt. Einige Studios mussten aber bereits jetzt ihren Betrieb einstellen. So etwa das Body-Act an der Bachlettenstrasse. Und andere versuchen, mit ungewöhnlichen Angeboten, das endgültige Aus abzuwenden: Ab 40 Franken können Privatpersonen das gesamte Löwenblut-Fitnesscenter für sich alleine mieten. Rund 2'000 Quadratmeter gross ist es, individuelle Benutzung der Musikanlage ist inklusive.

Die Situation sei schwierig, sagt denn auch Alex Niklaus vom Fitnesstreff Niklaus in Reinach. Seit Dezember ist das Center geschlossen, die Einnahmen fehlen seither. Entlassen werden musste bis jetzt niemand, bei natürlichen Abgängen verzichtete man vorerst allerdings auf Ersatz. «Eine ungewisse Zeit kommt aber erst dann auf uns zu, wenn wir wieder öffnen können und die bestehenden Kunden Ihre Zeitgutschriften erhalten», sagt Niklaus. Über vier Monate müssen dann kompensiert werden. Neue Kunden zu gewinnen, werde wohl auch nicht einfacher werden in einer Zeit, die von Angst geprägt ist. Selbst die angebotenen kostenlosen Onlinekurse helfen da nicht weiter.

Strauchelndes Baselbieter Studio wird von Grossunternehmen aufgekauft

«Wir haben eine gewisse Unterstützung erhalten. Diese entspricht aber leider nicht dem, was von Seiten des Bundesrats versprochen wurde», so Niklaus. Warum der Betrag nicht höher ausgefallen ist, kann er nicht nachvollziehen. Dass Fitnesscenter überhaupt geschlossen bleiben müssen, bezeichnet Niklaus als Willkür. Unter der Situation leiden auch seine Lehrlinge. Ihnen fehlt fast ein Jahr praktischer Erfahrungen. Sie auf die Prüfung vorzubereiten, sei umso schwieriger.

Seine Tore gar für immer schliessen musste im September das Time-Out in Zuzgen. Einer der Gründe war der coronabedingte Mitgliederrückgang. «Nachdem wir uns intensiv bemüht hatten, das Geschäft am Leben zu erhalten, müssen wir euch leider schweren Herzens mitteilen, dass unser geliebter Fitnessklub sich vom Corona-Lockdown nicht erholen konnte», hiess es damals auf Facebook. Von der Schliessung betroffen waren 15 Angestellte, wie die «Volksstimme» berichtete.

Immerhin: Kundinnen und Kunden konnten ihre bereits bestehenden Abos im Let’s Go Fitnessklub einsetzen. Übernommen wurden die Räumlichkeiten letztendlich aber durch die Kette Update Fitness. Das Ostschweizer Familienunternehmen mit Coop als Mehrheitsaktionär verfügt schweizweit über mehr als 50 Filialen und um die 900 Mitarbeitende.