Politik
Knochenjob Parteipräsidium: Eine Analyse zu den vielen Wechseln an den Parteispitzen

Jonas Hoskyn
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Pascal Pfister und Saskia Schenker geben ihre Ämter beide ab.

Pascal Pfister und Saskia Schenker geben ihre Ämter beide ab.

Nicole Nars-Zimmer

Kurz nachdem Pascal Pfister vor vier Jahren das Präsidium der Basler Sozialdemokraten übernommen hatte, rief ihn der mittlerweile verstorbene SP-Doyen Helmut Hubacher an und gratulierte: Das Parteipräsidium sei der beste Job, den man sich vorstellen könne, schwärmte Hubacher, der seinerseits 15 Jahre lang der nationalen Partei vorstand. Diese Woche hat Pfister angekündigt, sein Amt zur Verfügung zu stellen. Es ist mittlerweile eine Tradition bei den Genossen, dass nach vier Jahren ein Stabwechsel erfolgt. Auch Pfisters Vorgängerin Brigitte Hollinger und deren Vorgänger Martin Lüchinger, Thomas Baerlocher und Beat Jans beliessen es jeweils bei einer Legislatur. Im Gespräch betont Pfister zwar noch immer die politischen Gestaltungsmöglichkeiten, die das Präsidium der grössten Basler Partei bietet, lässt aber gleichzeitig durchblicken, dass weitere vier Jahre für ihn nur schwer vorstellbar gewesen wären.

Denn die Präsidien der Lokalparteien sind vor allem eines: harte Knochenarbeit. Der Job des SP-Parteipräsidenten entspreche in etwa einem 40-Prozent-Pensum, schätzt Pfister. Und das für eine symbolischen Entschädigung – die meisten anderen Parteivorsitzenden arbeiten komplett ehrenamtlich. Dazu kommen die vielen Abende, die durch Sitzungen besetzt sind: Vorstand, Fraktion, Delegierte, Quartiervereine, Sachgruppen – die Liste liesse sich schier endlos fortsetzen. Dieser Aufwand lässt sich nicht bewältigen, ohne dass man oder frau beruflich und privat grosse Abstriche macht. Das zeigen einige Beispiele: SVP-Präsident Eduard Rutschmann ist pensioniert. Patricia von Falkenstein ist hauptberuflich LDP-Präsidentin.

Dazu kommen die vielseitigen Anforderungen, die im vergangenen Jahrzehnt mit dem Aufkommen von Social Media und der Verlagerung der Medien auf online first nochmals zugenommen haben. Von einem Parteipräsidenten wird erwartet, dass er mehr oder weniger 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche erreichbar ist und zu jedem Thema auch kurzfristig ein paar knackige Zitate liefern kann. Gleichzeitig ist der Job bei weitem nicht (mehr) so prestigeträchtig, wie man meinen könnte. Und auch als Sprungbrett für die weitere Politkarriere taugt das Amt nur bedingt. So haben die Mehrzahl der regionalen Regierungsmitglieder und Bundeshausparlamentarier nie das Präsidium ihrer Partei ausgeübt.

Entsprechend schwierig gestaltet sich die Suche nach geeignetem Personal. Kaum eine andere lokale Partei verfügt über eine derart breite Personaldecke wie die Basler SP. Das zeigt auch das jüngste Beispiel der Baselbieter FDP. Deren Präsidentin Saskia Schenker gab am Mittwoch ihren Rücktritt bekannt – nach gerade mal zwei Jahren. Ihr Vorgänger hatte Ende 2018 wenige Wochen vor den kantonalen Wahlen das Handtuch geworfen und war per sofort zurückgetreten. Auch bei Schenker zeichnet sich ab, dass es schwierig wird, eine Nachfolge von ihrem Format zu finden. Vor dem gleichen Problem dürfte auch die Basler FDP stehen, sollte ihr Präsident Luca Urgese die Konsequenzen aus dem Wahldebakel seiner Partei ziehen und an der kommenden Parteiversammlung seinen Rücktritt verkünden.

Dass das Präsidium aber auch eine Chance ist, zeigt ebenfalls ein Beispiel aus der SP. Deren frühere Baselbieter Präsident Adil Koller ist in seinen fünf Jahren vom Jungspund zum valablen Regierungskandidaten gereift.

jonas.hoskyn@chmedia.ch

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