Theater Basel

Katalanischer Starregisseur Calixto Bieito kommt nächste Saison nach Basel

«Ich liebe Basel»: Opernregisseur Calixto Bieito mit Theaterdirektor Georges Delnon im Hintergrund.

«Ich liebe Basel»: Opernregisseur Calixto Bieito mit Theaterdirektor Georges Delnon im Hintergrund.

Das Theater Basel landet einen Coup: Der Starregisseur Calixto Bieito kommt als Gast-Künstler nach Basel. Der Katalane gilt wegen seiner umstrittenen Inszenierungen mit Sex, Gewalt und Drogen als «Quentin Tarantino der Oper».

Manches ist bereits durchgesickert, am Dienstagvormittag nun ist der Spielplan 2013/14 des Theaters Basel offiziell vorgestellt worden. Die grösste Sensation: Der katalanische Starregisseur Calixto Bieito konnte als «Artist in Residence» gewonnen werden. «Basel wird meine kreative, aber auch meine persönliche Heimat», betonte dieser am Dienstag an der Seite von Theaterdirektor Georges Delnon. Bieito ist umstritten, aber unumstritten profiliert und kraftvoll. Mit expliziten Inszenierungen - Sex, Gewalt, Drogen - handelte er sich den Übernamen «Quentin Tarantino der Oper» ein. In Basel wird er die kommende Saison aber auch ein Schauspiel inszenieren: Federico García Lorcas Bluthochzeit. Dass Bieito, der kein Deutsch spricht, nun auch Theater macht, sieht Delnon nicht als Hindernis. Im Gegenteil: «Das ist positive Globalisierung. Wir wollen das nutzen.» Die Schauspieler hätten «wahnsinnig Lust», mit Bieito zu arbeiten.

Calixto Bieito wird von seiner bisherigen Heimat- und Wirkungsstadt Barcelona nach Basel ziehen. Bieito liebe Basel, sagt Theaterdirektor Georges Delnon, und Bieito - sowie Christoph Marthaler - hätten seine Zeit am Theater Basel sogar am stärksten geprägt. Bieito werde auch die Saison am Opernhaus Zürich eröffnen, aber ansonsten «viel da sein», betonte Delnon.

Solberg geht «einvernehmlich»

Damit spielte der Theaterdirektor auf den bisherigen Schauspiel-Coleiter Simon Solberg an, der etwa die Hälfte der laufenden Spielzeit mit zwei Produktionen in Deutschland absorbiert war. Nun verlasse Solberg das Theater Basel vorzeitig per Ende Saison, bestätigte Delnon: «Wir trennen uns sehr einvernehmlich», und diesen Ausdruck meine er ehrlich und nicht als Floskel. Eine Leitungsfunktion sei im Moment einfach nicht das Richtige für den jungen Regisseur Solberg. Das sehe dieser genau gleich.

Solberg wird nicht ersetzt. Als Schauspielleiter bleiben zwei Drittel des Triumvirats zurück: Chefdramaturg Martin Wigger und Regisseur Tomas Schweigen, der bereits vor einem Jahr zusammen mit seiner Gruppe Far A Day Cage temporär ins Ensemble integriert worden ist. Ein Spielzeitmotto gibt es nicht. «Wir setzen auf Regisseure, auf bestimmte Ästhetiken und weiterhin auf mehr Energie», sagt Martin Wigger. «Mutiger und frecher als in der letzten Spielzeit», ergänzt Delnon. Er lacht: «Es ist klar: Vor jeder Spielzeit hat man das Gefühl, das wird die beste.»

Dürrenmatt, Frisch, Keller

Ein Themenschwerpunkt lässt sich dennoch festmachen: die Schweiz. Gleich mehrere hiesige Klassiker stehen auf dem Programm: Gottfried Kellers «Das Fähnlein der sieben Aufrechten», Friedrich Dürrenmatts «Der Richter und sein Henker» sowie Max Frischs «Biedermann und die Brandstifter». Für Letzteres kommt Regisseur Volker Lösch erneut nach Basel. Er ist diese Saison mit seinen im Chor skandierenden Neandertaler-Bankern im Stück «Angst» aufgefallen. Mit Frisch und einem frischen Blick von aussen werde Lösch als Nächstes etwas über Ausländerpolitik erzählen, sagt Wigger. Den Dürrenmatt knöpft sich die Zürcher Neumarkt-Coleiterin Barbara Weber vor, den Keller Regisseur Niklaus Helbling.

Ungarn steht im Fokus

Das Thema Schweiz gehe Hand in Hand mit dem Thema Europa, sagt Delnon. «Das Auseinanderbrechen in Europa wirft jedes Land auf sich selbst zurück. Wir kriegen Europa nicht zusammen, wenn wir die eigenen Probleme nicht so regeln, dass wir offen für das Ganze bleiben.»

Noch ein europäisches Land erhält erhöhte Aufmerksamkeit am Theater Basel: Ungarn. Die kommende Hausautorin, Buchpreisträgerin 2010 Melinda Nadj Abonji, hat - unter anderen - ungarische Wurzeln. Und der mehrfach ausgezeichnete ungarische Regisseur Viktor Bodó wird die Schauspiel-Saison mit Tschechows «Möwe» eröffnen. Bodó gehört zu denjenigen ungarischen Künstlern, die vom starken Rechtsrutsch in seiner Heimat und damit einhergehenden Streichungen von Kulturgeldern - vor allem, wenn die Kultur dem Regime nicht passt - betroffen sind. Basel will dagegen ein Zeichen setzen.

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