In rasantem Tempo überbieten sich Mobilitäts-Start-ups in Basel mit immer neuen Angeboten. Diese Woche ist mit «Flash» ein dritter Anbieter von Elektro-Trottinettes gestartet, was die Anzahl dieser Flitzer auf maximal 600 erhöht. Dazu kommen 300 E-Bikes und wohl bald eine noch unklare Anzahl Kleinst-Autos, die so klein sind, dass sie im Gesetz als motorisierte Rollstühle kategorisiert werden.

Als solche gelten für sie weitestgehend dieselben Regeln wie für E-Bikes: Sie dürfen auf Velostreifen gefahren und auf Veloabstellplätzen parkiert werden, ein Fahrausweis ist nicht nötig und das Mindestalter beträgt 16 Jahre.

Bisher rollen die «Enuu» genannten Elektromobile mit maximal 30 Kilometer pro Stunde durch Biel. Das Start-up dahinter kündigt auf seiner Website Expansionspläne nach Basel, Zürich und Genf an. Und zwar noch in diesem Jahr. Auf die Fragen der bz hat gestern kein Enuu-Vertreter geantwortet, dafür bestätigt Nicole Ryf vom Basler Verkehrsdepartement, dass mit der Firma bereits ein erster Kontakt stattgefunden habe.

«Da E-Bike-Verleihsysteme in Basel-Stadt im kleineren Umfang bewilligungsfrei möglich sind, würde dies auch für die Fahrzeuge von Enuu gelten. Aufgrund des erhöhten Platzbedarfs und weniger Abstellmöglichkeiten wird die maximal erlaubte Anzahl Fahrzeuge für ein bewilligungsfreies Verleihsystem hier aber deutlich tiefer liegen als bei jenen 200, die für E-Bikes oder E-Trottis gelten.»

Völlig unklar ist derweil das Geschäftsmodell hinter dem Motor-Rollstuhl-Anbieter – denn gemäss Homepage ist die erste Fahrt pro Tag jeweils kostenlos. Danach kostet eine zehnminütige Fahrt 2 Franken – was ebenfalls wesentlich günstiger ist als bei der Konkurrenz, wo pro Fahrt ein Franken und pro Minute zwischen 15 und 30 Rappen fällig werden. In der Werbung für die rollenden Einzelkabinen werden jedoch vor allem zwei Vorzüge hervorgehoben: Platz für Gepäck und eine «vor schlechtem Wetter geschützte Fahrt».

Ein Enuu kurvt durch Biel

Basel, das Sharing-El-Dorado

Lime, Tier, Flash, Enuu – wie sie auch immer heissen, die Mobilitäts-Start-ups scheinen derzeit auf den Finanzmärkten beinahe uneingeschränkt Kapital zu erhalten. Der neuste Basler Anbieter Flash ist, ausser in Basel, noch in kaum einer anderen Stadt präsent, hat aber aktuell 82 Stellen ausgeschrieben, mehr als die Hälfte davon am Hauptsitz in Berlin. Doch was zieht all die Firmen für ihre Experimente nach Basel?

Fritz Thöni, Sprecher des Elektro-Scooter-Anbieters Tier, sagt: «Basel ist für uns ideal, weil die Behörden uns gegenüber sehr offen waren.» Was er damit meint: In kaum einer anderen Stadt wird der Begriff «Gemeingebrauch» so locker ausgelegt wie in Basel – konkret in Bezug auf Veloverleihsysteme nämlich so, dass Anbieter mit weniger als 200 Fahrzeugen den öffentlichen Raum nicht übermässig, also den «Gemeingebrauch übersteigend», beanspruchen. So ist es im eigens geschaffenen Merkblatt «Bewilligungsfreie Zweirad-Sharing-Systeme auf Allmend» festgehalten.

Bewilligungsfreie Verleihsysteme Basel-Stadt

Diese niedrige Eintrittshürde dürfte vermutlich weitere Anbieter anlocken. Auch wenn Ryf betont, dass – ausser mit Enuu – derzeit keine konkreten Gespräche stattfinden, schreibt das Nachrichtenportal «Watson» von zwei weiteren Anbietern, namentlich Voi aus Schweden und Ride Conga aus Spanien, die kurz davor stehen, ihre Miet-Trottis in der Schweiz anzubieten.»