Offbeat

Jazzlegende – ein stilvoller Grandseigneur am Bass

Ron Carter am Offbeat Festival in Basel.

Ron Carter am Offbeat Festival in Basel.

Ron Carter ist eine US-Jazzlegende. An seinem Konzert in Basel bot er eine Mischung aus Hardbop, Swing und Improvisationen – mit einer starken Begleitband.

Eindrucksvoll, wie der grossgewachsene ältere Herr im gepflegten Anzug samt Krawatte mit seinem Bass im Mittelpunkt der Bühne steht. Seine langen und kräftigen Finger wandern routiniert über das Griffbrett und bearbeiten die Saiten seines Instruments. Die musikalischen Fäden laufen bei ihm zusammen: Konzentriert, die Augen geschlossen, selten mit einem Lächeln, verteilt er mit einer kleinen Kopfbewegung die Einsätze seiner Mitmusiker. Der Bassist Ron Carter, mit 82 Jahren eine Jazzlegende und einer der einflussreichsten Musiker seines Fachs, ist noch immer auf Tournee.

Sein weiches und technisch gepflegtes Bassspiel hat sich über die Zeiten hinweg gut gehalten, wie sich an seinem fast zweistündigen Offbeat-Konzert im ausverkauften UBS-Forum zeigte. Die Klänge flossen leicht zwischen Hardbop, Swing und freier Improvisation hin und her. Abwechselnd begleitete der Bassist die Stücke seines Repertoires, spielte dazwischen eigene Soli und legte nach über einer Stunde eine begeisternde Improvisation von mehreren Minuten hin. Das Publikum brachte die Band am Schluss noch zu einer der sonst raren Zugaben.

Zusammenspiel ohne Unterbrüche

Gleich von Anfang an hatte das Konzert an Fahrt aufgenommen. Intensität und Tempo liessen auch später kaum nach – für den Altmeister keine geringe körperliche Herausforderung. Die vier ausgezeichneten Bandmusiker Renee Rosnes (Piano), Jimmy Greene (Tenorsax) und Payton Crossley (Drums) kennen sich seit langem, was in ihrem Zusammenspiel deutlich wurde: Da gingen die einzelnen Stücke ohne Unterbrüche ineinander über, und nur leichte Veränderungen in Rhythmus und Tonlage zeigten den Anfang eines neuen Themas an.

Den Abend bestritt Carter je zur Hälfte mit Eigenkompositionen und Stücken von früheren Jazzkollegen wie Miles Davis («Joshua») oder Victor Young («My Foolish Heart»), alles sehr solide und souverän. Dass sich dabei nur selten Staub auf die etwas angejahrten Standards legen konnte, dafür sorgte seine ausgezeichnete Band. Den Musikern gelang es, den teils allzu reibungslos dahinfliessenden Swing mit eigenwilligen Soloimprovisationen aufzubrechen – im Basler Konzert noch mehr als auf dem letzten Live-Album «Ron Carter. Foursight – Stockholm». Da hatte der Tessiner Trompeter Franco Ambrosetti, der zwischendurch als Gastmusiker auftrat, keinen leichten Stand.

Vom Begleit- zum Soloinstrument

In den Sechzigerjahren war Carter – etwa zusammen mit Herbie Hancock, Tony Williams und Wayne Shorter – Mitglied von Miles Davis’ weltweit bekanntem Quintett. Später spielte er als Bandleader und in Formationen zahlreicher weiterer Jazzgrössen mit. Nicht nur, dass er auf über 2200 CD- und Plattenaufnahmen zu hören ist – eine rekordverdächtige Zahl. Carter trug auch viel dazu bei, dass sich der Kontrabass vom anfänglich reinen Begleit- zum Soloinstrument entwickelte – und damit vom klassischen Jazz gar nicht mehr wegzudenken ist.

Geboren 1937 in der Kleinstadt Ferndale bei Detroit, arbeitete Carter in seiner langen Karriere auch als Komponist, Filmmusiker und Jazzlehrer. Schon in jungen Jahren hatte
er Rassismus erlebt: Als Zehnjähriger spielte er zunächst Cello und wechselte später zum Bass, da damals eine Cellisten-Karriere für einen Schwarzen nicht vorstellbar war. Seitdem blieb der Bassist Carter als einer von wenigen dem akustischen Instrument unbeirrt treu – und gehört heute zu den wichtigsten Musikern der Jazzgeschichte.
Christoph Dieffenbacher

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