Hommage

«Ich möchte nie dasselbe ausprobieren»: Heinz Hollinger hat als Musikvermittler das Musikleben beeinflusst

Heinz Holliger wird in Basel mit Konzerten und einer Ausstellung geehrt.

Heinz Holliger wird in Basel mit Konzerten und einer Ausstellung geehrt.

Heinz Hollinger durfte seinen 80. Geburtstag feiern. Zu diesem Anlass bereiten die Basler Kulturinstitutionen dem Musiker eine umfassende Hommage.

Er ist einer der führenden Komponisten der Welt, prägte als herausragender Oboist das Repertoire für dieses Instrument, er hat sich als Dirigent einen Namen gemacht, hat als Pädagoge und Musikvermittler das Musikleben beeinflusst.

Heinz Holliger ist sicher einer der universalsten Musiker unserer Zeit, aber er selbst spielt das herunter: «Ich bin einfach Musiker, für mich hat alles einen gemeinsamen Kern. Dass ein Komponist ein ganz passabler Interpret ist, das war bis vor kurzem noch völlig normal, wenn Sie etwa an Beethoven als Pianist, Mahler und Mendelssohn als Dirigenten oder Bartók als einen der grössten Pianisten seiner Zeit denken. Heute ist es halt so, dass sich jeder ein ganz kleines Gebiet aussucht und das für sich beackert.»

Geburtstag bereits gefeiert

Seinen 80. Geburtstag hat der 1939 in Langenthal geborene Musiker zwar bereits am vergangenen 21. Mai gefeiert. In Basel, wo Holliger seit vielen Jahren wohnt, hat man sich etwas Zeit gelassen mit dem Geburtstagsgeschenk, was Holliger kein bisschen stören dürfte, denn runde Geburtstage sind das Letzte, was ihn interessiert.

Eher verwundert stellt er fest, dass die achtzig doch «eine recht eindrückliche Zahl» sei, und mokiert sich über den Kulturbetrieb, der sich in seiner Konzeptlosigkeit an solchen Äusserlichkeiten orientiert. Dass er achtzig geworden sei, sei etwas vom wenigen, wofür man ihn nun wirklich nicht verantwortlich machen könne.

Eine Rückschau sei ihm zwar wichtig, aber nicht, um stolz auf das Geleistete zu blicken, sondern eher, um sich möglichst nicht zu wiederholen: «Ich versuche eigentlich, in jedem Stück, die Grundidee wirklich bis in alle ihre Möglichkeiten zu erschöpfen. Wenn ich etwas Neues beginne, gehe ich immer von ganz anderen Bedingungen aus. Ich möchte nie dasselbe wieder probieren. Es kommt höchstens vor, dass ich ganz verschiedene Zugänge zu einem gleichen Zentrum suche.»

So gibt es doch zentrale Themen und Charakteristika, um die Holligers Werk immer wieder kreist, das Spielerisch-Verspielte einerseits, vor allem aber die Gratwanderung zwischen Genie und Wahnsinn, die Holliger immer wieder zu Autoren wie Hölderlin, Celan, Robert Walser oder Nikolaus Lenau führte, sich aber in der sehr intensiven Beschäftigung mit der Musik von Robert Schumann manifestiert.

Eine Ausstellung, Konzerte und eine Uraufführung

Am Sonntag wird mit einem Festkonzert und der Vernissage zur Holliger-Ausstellung der Paul-Sacher-Stiftung in der Musikakademie der Startschuss gelegt zum Basler Geburtstags-Strauss «Fokus Holliger», zu dem sich die um die Neue Musik verdienten Basler Kulturinstitutionen zusammengetan haben.

Nicht, um Holliger zu feiern, wie sie schreiben, sondern eher, um sich selbst die Möglichkeit zu geben, von ihm, der in Basel nie offiziell eine Lehrerstelle innehatte, zu lernen und die aktuell junge Musikergeneration an sein Werk heranzuführen.

Das Orchester und Kammermusik-Formationen der Musikakademie sollen von seinem reichen Erfahrungsschatz profitieren. So wird etwa das Orchesterstück «Atembogen» zusammen mit Musik von Schumann und Ravel unter Holligers Leitung aufgeführt.

Weitere Konzerte steuern das Ensemble Phoenix unter Jürg Henneberger oder die Swiss Chamber Soloists bei. Die Basel Sinfonietta spielt unter der Leitung von Peter Rundel gross besetzte Orchestermusik von Holliger neben «Tenebrae» seines Weggefährten Klaus Huber und einer Uraufführung von Steffen Wick.

Und zum Abschluss der Hommage am 9. März 2020 lädt das Kammerorchester Basel Heinz Holliger an sein Pult für ein Programm mit Musik von Schubert und einer Reflexion darüber, die Holliger und Roland Moser gemeinsam erarbeiten und an diesem Abend zum ersten Mal vorstellen.

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