Kalorienbombe
«Ich hatte die Idee, den Cupcake als eine Art süsse Sünde zu vermarkten»

Cupcakes gibt es schon seit Jahrzehnten – doch woher kommen sie und wieso liegen sie im Trend? Melanie Jones, Inhaberin von Cupcake Affair, erklärt was dahinter steckt.

Sydney Karolewski
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Immer mehr Läden locken mit der süssen Versuchung - hier bei Cupcake Affair am Spalenberg.

Immer mehr Läden locken mit der süssen Versuchung - hier bei Cupcake Affair am Spalenberg.

Nicole Nars-Zimmer

Melanie Jones ist die Inhaberin von Cupcake Affair. In ihrem Shop am Spalenberg kann man sich den Tag mit einer kleinen Kalorienbombe versüssen lassen. Was genau hinter diesen Cupcakes steckt und wie sie zum Trend wurden, erklärt Jones im bz-Interview.

Vor einem Jahr haben Sie ihre Filiale in Basel eröffnet. Es ist bereits der dritte Standort des Labels. Wie entstand denn der Name «Cupcake Affair»?

Melanie Jones: Das war ein Blitzgedanke, der mir durch den Kopf schoss. Ich hatte die Idee, den Cupcake als ein Produkt der Verführung, als eine Art «kleine süsse Sünde» zu vermarkten. Etwas, mit dem man eine Affäre hat, mit dem man «fremd geht». So kam der Name Cupcake Affair – und kurz darauf auch die Idee, die Cupcakes mit Namen zu versehen, welche an Affären erinnern, etwa Marilyn Monroe, Romeo und Julia und so weiter.

Wieso heissen die Törtchen eigentlich (Cup)-Cakes?

Es gibt zwei Theorien dazu. Der Cupcake ist ein Produkt, welches schon vor Jahrzehnten zu Hause gemacht wurde. Man spricht einerseits davon, dass man ihn damals in Tassen (englisch Cups) gebacken hat oder andererseits, dass man die Zutaten in Cups Masseinheiten gemessen hat. Übrigens heisst der Cupcake im britischen Englisch ursprünglich Fairy Cake.

Was unterscheidet ein Cupcake geschmacklich von einem traditionellen Cake? Sind es andere Rezepte als die guten, alten Kuchen, Cakes und Torten von Betty Bossi?

Der Cupcake ist ein Rührteig. Er ist kompakter, feiner und süsser im Vergleich zu traditionellen Cakes oder Muffins. Kommt hinzu, dass der Cupcake immer eine Creme oder ein Icing trägt, was die Schweizer Cakes ja nicht tun.

Ihre Kreationen haben alle einen speziellen Namen wie Marilyn Monroe, Grace Kelly oder Dark Passion. Was hat es damit auf sich?

Mit diesem Namen möchte ich die Kunden auf meine Cupcakes aufmerksam machen. Viele schmunzeln, wenn sie den Shop betreten. Und genau das möchte ich erreichen. Es geht mir eigentlich um den Überraschungs-Effekt, der vom Kauf bis hin zum Probieren anhalten soll.

Haben Sie auch Cupcakes im Sortiment, die für Allergiker geeignet sind? Zum Beispiel glutenfreie?

Wir haben täglich einen glutenfreien Cupcake im Sortiment, zurzeit ist dies noch der «Barry White» (Marroni und Mandeln mit Cream Cheese Topping). Eine neue glutenfreie Sorte kommt aber in den nächsten Wochen (Haselnuss-Schoko-Chip und Kokos). Ausserdem haben wir seit letzten Herbst einen veganen Cupcake jeweils auch als Tages-Special im Angebot. Zurzeit ist dies ein Schokolade- und Erdnussbutter-Cupcake mit Schokoladentopping. Man kann jeweils auf unserer Website nachschauen, an welchen Tagen im Monat dieser angeboten wird.

Wo werden die Cupcakes, die in Basel verkauft werden, gebacken?

Für unsere drei Läden haben wir zwei Produktionen, eine in Bern und eine in Zürich. Die Cupcakes transportieren wir betriebsintern täglich und frisch gebacken von Zürich nach Basel. Dort werden sie dann im Laden liebevoll dekoriert und geschmückt.

Wer entwirft das Design der einzelnen Cupcakes?

Die Entwicklung der Rezepturen und generell der Designs ist meine Aufgabe. Wir haben aber ein tolles Team mit Mitarbeitern, die viel dazu beitragen, wie unsere Cupcakes aussehen sollen.

Wie kann ich mir den Entwurf eines solchen Cupcakes vorstellen? Wie entsteht er?

Die Rezepturen werden alle zwei Monate neu kreiert, wenn wir jeweils sechs neue «Daily Affairs», also Tages-Specials, rausgeben. Die Ideen für neue Sorten entstehen aus einem Mix von saisonalen Gegebenheiten, Kundenfeedback und Kundenwünschen, aber auch Inspirationen, welche ich im Alltag aufnehme. Zum Beispiel kann dies ein Dessert sein, welches ich in einem Restaurant esse und dessen Kombination von Zutaten mich inspiriert. Wir fragen unsere Facebook-Fans, was ihnen gefällt oder was sie sich bei uns wünschen. Anschliessend wird die Sorte kreiert mit der passenden Dekoration dazu. Bei Hochzeit-Cupcakes lassen wir uns immer wieder von Bildmaterial, das wir unter anderem online finden, inspirieren, oder wir versuchen, eine bestimmte Idee umzusetzen.

Ist der Cupcake-Trend neu?

Der Cupcake selber ist ein Produkt, das seit Jahrzehnten existiert. Der Trend mit Cupcake-Konzepten – sogenannten Cupcake-Bakeries – kommt aus Amerika und gibt es dort seit sicher 15 Jahren. Er soll durch die Fernsehserie «Sex and the City» entstanden sein, wo die Hauptdarstellerin Carrie genüsslich in einen Cupcake beisst. Von diesem Moment an war es um die Amerikaner geschehen und Cupcake Stores schossen wie Pilze aus dem Boden. In der Schweiz gibt es Cupcakes seit etwa fünf Jahren. Als wir vor über vier Jahren unseren Laden in Zürich eröffneten – der zweite in der Schweiz neben einem in Genf – gab es Cupcakes höchstens auf Märkten oder online. Ein bis zwei Jahre später entstanden dann viele weitere Cupcake Shops in der Schweiz.

Wie erklären Sie sich den Cupcake-Trend?

Der Cupcake ist ein ästhetisches Produkt, welches bei den Leuten Emotionen auslöst. Die Reaktionen der Kunden, wenn sie die Cupcakes sehen, sind immer sehr gefühlsbetont. Da heisst es schnell mal «Jööh» und «So schön». Der Cupcake zeigt sich auch in hunderten von Varianten, verschiedenen Farben, Dressierarten, Dekorationen – ein solch vielfältiges und schönes Produkt lässt über sich sprechen.

Haben Sie noch einen Geheimtipp für unsere Cupcake-Liebhaber zu Hause?

Generell soll das Cupcake Backen zu Hause Spass machen und Leute zusammen bringen. Solange man nicht zu verkrampft an die Sache geht, wird es immer ein Erfolg. Oftmals höre ich von Kunden, dass ihnen das Topping nicht gelingt. Ich empfehle deshalb, statt Margarine Butter zu verwenden und die richtigen Proportionen von Butter und Zucker zu finden. Zuviel kann ich natürlich nicht verraten, da wir unsere Rezepte hüten.

Seit Neustem kann man bei Ihnen den Kaffee auch gemütlich im Shop trinken. Wird das so bleiben?

Allerdings. Wir haben den Laden am Spalenberg als Edel-Take-away eröffnet und es war eine Sache der Bürokratie, ihn in ein kleines, charmantes Café umzuwandeln. Das haben wir nach mehreren Monaten geschafft und das wird auch so bleiben. Jetzt ist der Shop so, wie ich ihn mir erträumt hatte.