Warnung

Hitze, Trockenheit und Gefahr von oben: Deshalb lassen Basler Bäume ihre Äste fallen

Ein Prachtsbaum verliert ohne Vorwarnung einen Ast. Derzeit kommt das vermehrt vor wegen der Trockenheit. (Archiv)

Ein Prachtsbaum verliert ohne Vorwarnung einen Ast. Derzeit kommt das vermehrt vor wegen der Trockenheit. (Archiv)

Nach einem Unfall am Montag warnt die Basler Stadtgärtnerei jetzt vor Aufenthalt unter Bäumen. Denn die Pflanzen lassen zurzeit ganze Äste fallen – sie schützen sich damit. Giessen ist zwar nett gemeint, bringt aber nicht viel.

Am Montag knallte einem durch Basel fahrenden Auto ein Ast aufs Dach – das Stück Holz war von einem Baum gefallen, dem es zu trocken war. Der Fall sorgte in der Region für Aufsehen. Am Mittwoch folgte die offizielle Warnung der Stadtgärtnerei: Vorsicht vor dem Aufenthalt unter Bäumen.

Tatsächlich stellen die Bäume mangels Wasser bereits auf Herbst um. Das Laub trocknet aus und fällt ab. Dasselbe passiert mit den Ästen: Wenn die Bäume zu wenig Wasser haben, versorgen sie zusehends die lebensnotwendigen Teile mit Wasser. Was zu weit davon entfernt ist, trocknet aus und fällt – mit nur wenig Ausseneinwirkung – irgendwann ab. Derzeit eher früher als später. Gefahr durch herabfallende Äste droht zurzeit besonders in Parks, wo die Stadtgärtnerei in den kommenden Tagen entsprechende Warnschilder aufstellen wird.

Grosse Sortenvielfalt reduziert das Risiko

Dieselbe Astabbruchsgefahr gilt zurzeit in den regionalen Wäldern. Das Stadtgebiet hat allerdings den Vorteil, dass hiesige Bäume regelmässiger kontrolliert werden, wie Emanuel Trueb, Leiter der Basler Stadtgärtnerei, sagt. Die staatlichen Baumpfleger machen deshalb derzeit besonders aufmerksame Kontrollrunden. Dabei gilt jenen Astpartien von Bäumen besonderes Augenmerk, die bei vorherigen Kontrollen bereits Anzeichen von Trockenheit gezeigt haben.

Hinzu kommt, dass nicht alle Bäume mit schnellem Astabbruch reagieren. Besonders betroffen von Astwerk, das abzufallen droht, sei die Rotbuche, die besonders in Parks eingesetzt wird. Insgesamt könne sich die Stadtgärtnerei glücklich schätzen, dass auf Basler Boden ein grosses Arten- und Sortenspektrum bestehe, so Trueb. Das minimiert das Risiko, falls eine Art wie die Rotbuche zu ausgeprägterem Astabfall neigt als andere Bäume.

Giessen ist nett, nützt aber nicht viel

Die Bevölkerung kann da nicht viel ausrichten. Das händische Giessen von Bäumen durch Bürger sei zwar sicherlich eine gute Absicht, doch müsse das Wasser nicht zuerst den Stamm erreichen, sondern die Saugwurzeln, die sich häufig deutlich weiter und tiefer vom Stamm entfernt im Boden befinden als man sieht, wie Trueb sagt.

Besonders älteren Bäumen könne daher laut Stadtgärtnerei durch Bewässern kaum geholfen werden. Sie haben ein tief- und weitreichendes Wurzelwerk und gelangen mit ihren Saugwurzeln im Idealfall bis zum Grundwasser. Wo sie dies aufgrund der Trockenheit nicht mehr erreichen können, bringt auch ein Bewässern von oben wenig.

Ein Baum mit grosser Krone verdunste täglich bis zu vierhundert Liter Wasser. In den Strassenalleen bewässert die Stadtgärtnerei laut einer Mitteilung vom Mittwoch die Rabatten jüngerer Bäume bereits seit einigen Monaten regelmässig, um einem Wasserdefizit in den Böden entgegenzuwirken. Dabei wird sie von der Stadtreinigung mit Schwemmwagen unterstützt.

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