Hafenbecken 3
Harte Fakten und Seemannsgarn: Das fingierte Streitgespräch über das dritte Hafenbecken

Basel-Stadt stimmt über einen Kredit zum Bau eines dritten Hafenbeckens ab. Die Ausgangslage im fingierten Streitgespräch.

Christian Mensch
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Die Autobahn nach Deutschland trennt als Brücke das Hafenbecken 2 vom neuen Hafenbecken 3.

Die Autobahn nach Deutschland trennt als Brücke das Hafenbecken 2 vom neuen Hafenbecken 3.

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Am Nordrand von Basel soll die Logistikbranche ein neues Herzstück erhalten, in dem die drei Hauptschlagadern der Verkehrsinfrastruktur zusammenkommen: Kernstück ist der Gateway Basel Nord, ein Containerterminal für die Bahn. Dieser ist einerseits mittels neuem Hafenbecken direkt an den Rhein angeschlossen, andererseits durch einen schnellen Zugang mit der Autobahn verbunden.

Der Grosse Rat hat mit 78 zu 12 Stimmen einem 115-Millionen-Kredit für den Bau des Hafenbeckens beschlossen. Dagegen hat ein Komitee das Referendum ergriffen.

Geht es nur um das Hafenbecken oder um das ganze Projekt Gateway Basel Nord inklusive Hafenbecken?

Befürworter: Zur Abstimmung steht einzig die Hauptfinanzierung des Hafenbeckens durch Basel-Stadt. Nach jahrelangem Lobbying ist der Bund ist bereit, die weiteren 40 Millionen Franken beizutragen. Wenn das Hafenbecken nicht gebaut werden könnte, würde unabhängig davon der Containerterminal Gateway Basel Nord gebaut.

Gegner: Formell wird nur über das Hafenbecken abgestimmt. Bei einer Ablehnung kann jedoch das ganze Projekt nicht realisiert werden. Denn Bedingung, dass der Containerterminal der Bahn in der Naturschutzzone von nationaler Bedeutung überhaupt gebaut werden kann, ist, dass es keinen alternativen Standort gibt. Wird auf eine Rheinanbindung verzichtet, gibt es andere Möglichkeiten für den Containerterminal.

Ist das Vorhaben wirtschaftlich durchdacht?

Befürworter: Der Hafen braucht dringend einen Modernisierungsschub. Und da die Häfen an der Nordsee den Containerumschlag massiv ausgebaut haben, ist es notwendig in Basel die entsprechende Infrastruktur zu schaffen. Mit der Trägerschaft ist ein diskriminierungsfreier Zugang gewährleistet.

Gegner: Das Projekt ist einseitig auf die Teilhaber der Trägergesellschaft ausgerichtet. Die Swissterminal AG, die heute auf dem Westquai ein Containerterminal betreibt, würde ihre Geschäftsgrundlage verlieren. Die Infrastruktur ist zudem heute schon nicht ausgelastet und könnte auch ohne Hafenbecken modernisiert werden.

Ist das Hafenbecken 3 nicht eine Zumutung für Kapitäne?

Gegner: Es ist eine «idiotische Idee» ein Hafenbecken zu bauen, für das die Schiffe zunächst durch das Nadelöhr des Hafenbeckens 2 navigieren müssen und zuletzt eine 90-Grad-Drehung machen müssen. Was schon in Vorwärtsfahrt eine Herausforderung ist, muss bei der Abfahrt im Rückwärtsgang absolviert werden.

Befürworter: Simulationen haben eindeutig gezeigt, dass die Zu- und Abfahrt problemlos möglich ist. Der Zeitverlust, der entsteht, ist beim Langsamverkehr Schifffahrt unerheblich. Nur wenige Schiffsführer haben zudem Vorbehalte angemeldet.

Bringt das Projekt mehr oder weniger Verkehr?

Gegner: Wir schätzen, dass der Bau des Projekts zu 1000 zusätzlichen Lastwagenfahrten in der Region führt, weil die versprochene Umlagerung vom Schiff auf die Schiene nicht funktionieren wird. Schon aus grundsätzlichen Überlegungen ist es auch nicht sinnvoll die Verkehrsinfrastruktur auszubauen, da dies automatisch zu mehr Verkehr führt.

Befürworter: Auch die Alpeninitiative unterstützt das Projekt, da es hilft, das Umlagerungsziel des Bundes zu realisieren. Wird heute 92 Prozent des Containerverkehrs über die Strasse geführt, werden mit dem neuen Terminal 50 Prozent von der Strasse auf die Schiene verlagert. Dies reduziert den Verkehr.

Ist das Projekt ein Stadtentwicklungsprojekt oder führt es in eine Sackgasse?

Befürworter: Der Bau des Gateway und des Hafenbeckens ermöglichen eine vielfältige Stadtentwicklung. Durch den Rückbau der Hafenbahn wird die Klybeckinsel bis zum Westquai frei für eine Wohnnutzung. Aber auch das Areal des Wolfbahnhofs wird zum Entwicklungsgebiet, da die Bahn diese Aufgaben zum Gateway verlagern kann.

Gegner: Das Szenario entspricht einer überbordenden Wachstumseuphorie, wie es mit dem Entwurf eines «Rheinhattan» mit Hochhäusern auf der Klybeckinsel schon einmal vorgelegt wurde. Basel braucht eine sanftere Entwicklung.

Was meinen die Anwohner?

Befürworter: Die Quartiere Kleinhüningen und Klybeck sind stark mit der Rheinschifffahrt verbunden und an der Weiterentwicklung der nationalen Verkehrsdrehscheibe interessiert. Sie profitieren von weniger Lärm und Lastwagenfahrten, sowie von mehr Arbeitsplätzen.

Gegner: Die Quartiere sind schon heute durch die Infrastrukturbauten für ganze Stadt stark belastet. Das Grossprojekt wird zu einer weiteren Belastung führen, was die Attraktivität weiter schmälert.

Ist das Projekt nachhaltiger Umweltschutz oder mutwillige Naturzerstörung?

Gegner: Das Projekt wird ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung zerstören. Dieses ist in seiner Art einzigartig und als Trockengebiet mit einer grossen Pflanzenvielfalt und als Heimat teilweise bedrohter Tiere unersetzbar. Die von den Bauherren vorgeschlagenen Kompensationsmassnahmen können diesen Verlust in keiner Art und Weise wettmachen.

Befürworter: Das Projekt ist ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz. Mit einem 60 Meter breiten Korridor bleibt die Wanderbewegung von Pflanzen und Tieren von Nord nach Süd und umgekehrt möglich und die Natur gewinnt durch Aufwertungsmassnahmen in den Langen Erlen und auf dem Rangierbahnhof Muttenz.

Wer unterstützt die Vorlage, wer das Referendum?

Befürworter: Eine Mehrheit der Parteien unterstützt das Vorhaben wie auch die Regierung und die Handelskammer. Den Abstimmungskampf bestreiten die beiden Komitees ja-zum-hafen.ch und hafenbecken-ja.ch.

Gegner: Die Naturschutzverbände unterstützen das Referendum einhellig sowie Basta. Im Komitee hafenbecken3nein.ch sind jedoch auch eine Reihe von Personen aus bürgerlichen Parteien und Wirtschaftsvertreter aufgeführt, die sich den Argumenten der Befürworter nicht anschliessen können.