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Lastwagenfahrer wollen nicht mehr nach England – wie sich die internationale Lage auf regionale Logistikunternehmen auswirkt

Die weltweit schwierige Situation in der Logistikbranche ist auch in der Region zu spüren. Einige Fahrer geben gar ihren Job auf.

Kelly Spielmann
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Lange Staus nach England: Viele Lastwagenfahrer geben den Job auf.

Lange Staus nach England: Viele Lastwagenfahrer geben den Job auf.

Frank Augstein / AP

Es ist eine Situation, wie sie die Logistikbranche noch nie erlebt hat: Erst führte die Coronapandemie zu Produktionsstopps im asiatischen Raum und Lieferengpässen. Mit dem Brexit wurden Lieferungen von und nach Grossbritannien zusätzlich erschwert. Beides führt zu Personalmangel und Lieferverzögerungen.

Oezden Satilmis ist bei der Ziegler Spedition und Logistik AG mit Hauptsitz in Pratteln für den europäischen Raum zuständig und ist in der Geschäftsleitung des Betriebs. «Wir sind auch vom Personalmangel betroffen», sagt er. Denn es werde immer schwieriger, Lastwagenfahrer zu sein. Einerseits sei es das Umsetzen der Coronamassnahmen, andererseits die bis zu 80 Kilometer langen Staus zwischen Frankreich und England, die dazu führten, dass viele den Job an den Nagel hängen. «Wir haben auch Fahrer, die nicht mehr nach England reisen wollen», so Satilmis. Seiner Meinung nach nehme die Attraktivität des Berufs derzeit stark ab.

Und das, obwohl man während der Pandemie erst richtig gemerkt habe, wie wichtig die Logistik ist.

«Wir müssen immer sicherstellen, dass Nahrungsmittel, WC-Papier und andere wichtige Güter ankommen.»

Dies in einem Zusammenspiel aus Homeoffice und Arbeit vor Ort – im Vergleich zu anderen Branchen sei es in der Logistik nicht möglich, alles von zu Hause zu erledigen. «Die Lieferkette immer sicherzustellen, ist eine grosse Herausforderung.»

Überfüllte Häfen und überlastete Terminals

Dass das nicht mit allen Waren klappt, ist an den vielen leeren Regalen in Geschäften der Region erkennbar.

Der Haupttreiber der Lieferengpässe sei die weltweit mangelnde Kapazität an Containern und Platz auf den Hochseeschiffen, wie Thomas Schwarzenbach auf Anfrage sagt. Er ist Direktor des Verbands der international tätigen Speditions- und Logistikunternehmen der Schweiz, Spedlogswiss. «Dies treibt die Frachtraten in bisher nicht gekannte Höhen und verteuert damit die weltweiten Transporte auf See.»

Die Seefracht sei ausserdem tonnenmässig der wichtigste Verkehrsträger. «Für den Verkehr aus Asien ist die Transsibirische Eisenbahn eine Alternative. Sie wird auch genutzt», so Schwarzenbach. Aber sie kann nur einen geringen Teil der Tonnage zwischen Europa und Asien aufnehmen. Er betont aber:

«Es handelt sich nicht um lebensnotwendige Güter wie Lebensmittel oder Medikamente, die fehlen, sondern eben um Konsumgüter wie E-Bikes, elektronische Geräte oder Möbel.»

Die Auswirkungen sind mittlerweile in der ganzen Industrie spürbar, so Schwarzenbach: «Waren aus Schweizer Sicht zu Beginn die Importe aus Asien das Problem, so stellen wir heute fest, dass sämtliche Fahrtgebiete unter Druck gekommen sind. Reedereien, Spediteure und Hinterland-Frachtführer kämpfen mit überlasteten Terminals, überfüllten Häfen und einer Infrastruktur, welche nicht immer genügend ist.»

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