Spitäler

Gesundheitsdirektor Engelberger zu vollen Basler Notfällen: «Kurzfristig ist kaum Entlastung absehbar»

CVP-Regierungsrat Lukas Engelberger sieht wenig Potenzial für eine kurzfristige Erleichterung in den Notfall-Stationen der Region.

CVP-Regierungsrat Lukas Engelberger sieht wenig Potenzial für eine kurzfristige Erleichterung in den Notfall-Stationen der Region.

Überfüllte Notfallstationen, klamme Finanzen im Kinderspital: Der Druck auf die regionalen Spitäler wächst. Dabei ist eine Entlastung in kurzer Zeit nicht absehbar, wie der Basler Regierungsrat Lukas Engelberger sagt. Auch deshalb fordern die Kantone im ambulanten Bereich mehr Gewicht.

Herr Engelberger, nur wenige Monate nach dem Nein zur Spitalfusion will das Universitätsspital auf dem so genannten Perimeter B weiter ausbauen, sogar einen weiteren, 64 Meter hohen Turm aufstellen statt nur einen 25-Meter-Bau. Warum jetzt?

Lukas Engelberger: Diese Planungen sind schon längere Zeit im Gang. Bereits 2014 kam der Bebauungsplan vor den Grossen Rat, in dem auch der Perimeter B vorgestellt wurde. Vorgesehen war in diesem Bebauungsplan, dass der Regierungsrat bis zu eine Bauhöhe von 25 Metern über den Neubau entscheiden kann. Was darüber hinaus reicht, muss nochmals durch den Grossen Rat genehmigt werden.

Man hätte auch eins nach dem anderen bauen können, ohne schon wieder ein Hochhaus zu realisieren.

Das Universitätsspital hat die Planung über die vergangenen Jahre vorangetrieben und kam zum Schluss, dass ein Ausbau mit frühzeitigem Einbezug des Perimeter B effizienter ist. Als Grundlage für die Ausschreibung diente bereits eine Prognose des Bedarfs in zehn bis zwanzig Jahren. Das Siegerprojekt zeigt nun die nach Meinung der Jury städtebaulich optimale Variante, um die Nutzerbedürfnisse umzusetzen. Das schont auch den Park besser.

Städtebaulich kann das durchaus Sinn machen, aber macht dieser Ausbau zum jetzigen Zeitpunkt auch gesundheitspolitisch Sinn? Gerade in Basel will auch die Linke den Wechsel von stationär auf ambulant forcieren.

Der Perimeter B soll gemäss aktueller Planung vor allem ambulanten Nutzungen dienen. Dies entspricht dem zukünftigen Bedarf, wenn ich etwa an das geplante Tumorzentrum oder an die Integration der Pathologie und möglicherweise auch der Augenklinik denke. Deshalb stimmt aus meiner Sicht die Richtung. Wir stehen in einem engen Dialog mit dem Spital, um die Fragen der Bedarfsgerechtigkeit und der Finanzierung zu prüfen. Dann werden wir auf der politischen Ebene die entsprechenden Anträge stellen.

Sie haben vergangene Woche das Forum Gesundheitswirtschaft durchgeführt unter dem Motto Produktivität im Gesundheitswesen. Da Sie ja massgeblich bei der Themensetzung mitwirken: Ist das jetzt auch das Motto der weiteren Entwicklung in der Gesundheitsregion Basel?

Die Situation ist derzeit für alle Spitäler in der Schweiz angespannt, nicht nur in der Region Basel. Der Finanzdruck trifft auch private Häuser. Die Nachfrage nach Leistung und Qualität ist hoch, und es gibt im Moment keine Anzeichen dafür, dass diese Nachfrage nachlässt. Auf der anderen Seite steht die Erwartung, dafür nicht mehr Geld zur Verfügung stellen zu müssen. Ein Widerspruch, und damit wächst auch der Druck auf Kantone und Versicherer.

Was sich auch am Beispiel der Universitätskinderspital beider Basel zeigte: Überlastete Notfallstation, Personal am Anschlug, hoher Effizienz- und Produktivitätsdruck. Ist eine Entlastung in Sicht?

Die Direktion des UKBB wies an der Jahresmedienkonferenz zu Recht auf die schwierigen finanziellen Bedingungen in der Kindermedizin hin, insbesondere im Zusammenhang mit den Tarifen für die ambulante Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Diese sind tatsächlich ein Problem, welches wir auch auf nationaler Ebene angesprochen haben. Kurzfristig ist aber kaum Entlastung absehbar.

Dass der Kanton da wieder stärker eingreift, dürfte allerdings kaum opportun sein.

Nein. Obwohl die zwei Trägerkantone gerade beim UKBB ihre Abgeltungen erhöht haben, je um rund eine Million, damit das Defizit in den ambulanten Behandlungen nicht mehr so hoch ist. Somit haben wir in diesem Fall einen Teil der Spitallast tatsächlich auf die Kantone genommen. Das können wir aber nicht beliebig machen, und das ist im Krankenversicherungsgesetz auch nicht vorgesehen. Es bleibt deshalb dabei, dass unsere Spitäler ihren finanziellen Spielraum erhöhen müssen, indem sie ihre Kapazitäten bündeln, um grössere und effizientere Behandlungszentren einzurichten. Das war ja eines der Ziele der Spitalfusion. Nach der Ablehnung müssen wir uns dieser Herausforderung nun erneut stellen. Ich zähle darauf, dass die Fusionsgegner Wort halten und sich zur Hochschulmedizin in Basel bekennen.

Dennoch, und das kam auch am Kongress mehrfach zum Vorschein: Es scheint eine gewisse Ratlosigkeit zu herrschen, in welche Richtung sich das Gesundheitswesen und speziell die Versorgung weiterentwickeln soll. Was muss der nächste Meilenstein im Gesundheitswesen sein?

Dass wir als Kantone das breite Feld der ambulanten Leistungen steuern können, um beispielsweise der Überversorgung vorzubeugen. Der Vorschlag des Bundesrats zur Ergänzung des KVG liegt auf dem Tisch, das Parlament könnte dem so zustimmen – was die Schweizerische Gesundheitsdirektorenkonferenz auch fordert. Somit könnte die Volumensteigerung, die gerade im ambulanten Bereich am grössten ist, gebremst werden. Die Gesundheitsversorgung in der Schweiz ist gut und in Basel der gesamten Bevölkerung exemplarisch gut zugänglich. Jetzt müssen wir aber auf die langfristige Finanzierung dieser hohen Versorgungsqualität hinarbeiten.

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