Wochenkommentar
Fünf Ideen für Kunst trotz Museumsumbau

Grosser Jubel in Basel vor Auffahrt: Das Basler Kunstmuseum belegt Rang fünf im weltweiten Museumsranking der Londoner Tageszeitung «The Times». Doch die Schliessung wegen Sanierung trübt den Jubel.

Matthias Zehnder
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Kunstmuseum Basel in der Museumsnacht (Archiv)

Kunstmuseum Basel in der Museumsnacht (Archiv)

Keystone

Grosser Jubel in Basel vor Auffahrt: Das Basler Kunstmuseum belegt Rang fünf im weltweiten Museumsranking der Londoner Tageszeitung «The Times». Grosser Kater nach Auffahrt: Das Kunstmuseum gibt bekannt, dass es ab März 2015 ein Jahr lang geschlossen bleibt, weil der Museumsbau saniert werden muss. Das Überraschende dabei: Das Kunstmuseum schliesst ein Jahr lang, ohne der Bevölkerung eine Alternative anzubieten.

Was ist das wichtigste am Kunstmuseum? Sicher nicht der Bau, sondern die Bilder. Gut möglich, dass der Bau für die Renovation geschlossen werden muss. Aber das heisst doch nicht, dass man uns (und allen Besuchern von Basel) ein Jahr lang die Bilder vorenthalten muss! Fünf Ideen, wie das Kunstmuseum seine Bilder trotz Umbau zugänglich machen könnte:

Variante 1: Ausweichquartier. Als das Museum of Modern Art (MoMA) in New York 2002 für drei Jahre schliessen musste, weil das ganze Gebäude umgebaut wurde, zügelte die Sammlung in ein Ausweichquartier: Jenseits des East River in Queens zeigte das MoMa Teile der Sammlung in einem alten Fabrikgebäude in Long Island City. Der kalifornische Architekt Michael Maltzan malte die Fassade der riesigen Halle poppig blau an – New York war um eine Attraktion reicher.

Variante 2: Kunst on Tour. Als das Musée d’Orsay in Paris 2009 renoviert und umgebaut wurde, mussten der Pavillon und die Impressionisten-Galerie geschlossen werden. Mit einem Teil der Impressionisten ging das Museum weltweit «on tour». Der Vorteil dabei: Mit den Leihgaben machte das Museum Werbung in eigener Sache im Ausland – und spülte damit erst noch Geld in die Kasse.

Variante 3:Kunstmuseum zu Gast. Die laufende Picasso-Schau vereinigt eine ganze Reihe von Picasso-Bildern aus der Region. Ein Teil der Bilder stammt von Privaten und ist sonst nicht zu sehen, ein Teil stammt aus anderen Museen. Warum kehrt das Kunstmuseum dieses Prinzip nicht um und lässt Bilder aus seiner Sammlung in anderen Museen gastieren? Böcklin bei Beyeler, Cranach im Cartoonmuseum, Beuys trifft Tinguely – es sind reizvolle Begegnungen denkbar.

Variante 4: Schaulager. Maya Oeri, übernehmen Sie!

Variante 5: Schau. Das Kunstmuseum stellt auf einem Platz (zum Beispiel auf dem verwaisten Meret Oppenheim-Platz hinter dem Bahnhof) einen Pavillon oder eine Baracke auf und stellt darin jeden Monat eine kleine Werkgruppe aus dem Kunstmuseum aus. Die Werkgruppe wird jeweils mit Musik, Lesungen, Theater oder Tänzen vorgestellt. Das Ganze liesse sich auch als Ausstellung im Theater Basel denken, die jeden Monat wechselt und jeweils neu inszeniert wird.

Es darf doch nicht sein, dass die grossartigen Bilder des Kunstmuseums einfach ein Jahr lang in der Versenkung verschwinden. «Was tun die Figuren in einem Buch, wenn es gerade niemand liest?» hat Michael Ende einmal geschrieben. Welchen Sinn hat Kunst, die niemand betrachtet? Eben.

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