Arbetiswelt
Frühstück Nein, Küche Ja: Moderne Arbeitsnomaden zieht es nach Basel

In Basel nimmt die Nachfrage nach Langzeit-Untermieten von Temporär-Arbeitern zu. Die Anbieter von Zimmer und Wohnungen kommen vor lauter Anfragen kaum noch nach. Findige Immobilienbesitzer schlagen daraus gar Profit.

Moritz Kaufmann
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Bau besonders betroffen: Viele Arbeiter auf der Messebaustelle kamen aus dem Ausland.Archiv/Ken

Bau besonders betroffen: Viele Arbeiter auf der Messebaustelle kamen aus dem Ausland.Archiv/Ken

Sie sind da, wenn man sie braucht, und sie ziehen weiter, wenn das nicht mehr der Fall ist. Sie sind fleissig, doch sie tauchen in keiner Statistik auf: die modernen Arbeitsnomaden. Menschen, die so lange an einem Ort bleiben, wie es Arbeit hat, und dann dorthin ziehen, wo es wieder welche gibt.

Spuren hinterlassen sie dennoch. Zum Beispiel in den Auftragsbüchern der Basler Unterkunftsagenturen. Diese vermitteln Zimmer und Wohnungen zur Untermiete. So sagt Dorette Provoost, Geschäftsführerin der Bed & Breakfast Agency Region Basel: «Wir erleben einen Boom von Langzeit-Untermieten – ohne Frühstück, aber mit Küchenbenützung. Jeweils einen Monat oder länger.»

Arbeiter anstatt Touristen

Provoost kommt eigentlich aus dem klassischen «Bed and Breakfast»-Geschäft mit Touristen. Immer häufiger vermietet sie aber ihre Zimmer an Leute, die für eine kurze Zeit in der Region arbeiten. «Oft suchen auch Arbeitgeber für ihre Angestellten so ein Arrangement», sagt sie. Ihre Kunden kämen sowohl aus dem Ausland wie auch aus der Schweiz, zum Beispiel aus der Romandie – also Orte, die für Pendlerdistanzen zu weit weg sind. «Viele von ihnen arbeiten in Basel, wissen aber nicht, ob sie lange bleiben. Einige arbeiten für Temporär-Büros und bleiben so lange, wie es Arbeit hat.»

Auch Christian Beldner, Leiter Beratung und Vermittlung bei der Firma Untermietservice UMS, bestätigt, dass das Geschäft gut läuft. «Generell ist die Nachfrage nach Wohnraum sehr, sehr gut.» Das sei schon seit zwei Jahren so und kein reines Basler Phänomen. «In Zürich und in der Westschweiz läuft es fast noch ein bisschen besser.»

«Nicht sichtbar»

Arbeitsnomaden sind schwer zu erfassen, zumal in offiziellen Statistiken. «Gerade wenn die Arbeitnehmer aus der Schweiz kommen, müssen sie sich zum Teil bei uns nicht registrieren», sagt Hansjürg Dolder, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA) beim Kanton Basel-Stadt. Eventuell seien sie als Wochenaufenthalter angemeldet. Doch: «Wenn sie keine Arbeitsbewilligung brauchen, sind sie für uns auch ‹nicht sichtbar›.»

Auch Dolder kann also nur spekulieren. «Wir wissen, dass das Baugewerbe seit ein paar Jahren im Verhältnis zu den Festangestellten immer mehr Temporärarbeiter beschäftigt. Das könnten solche Leute sein», sagt er. Es sei ein Anzeichen der Unsicherheit, wenn Baufirmen Temporärarbeiter beschäftigten, meint Dolder. «Sie haben Angst, dass ihnen die Aufträge ausgehen.» Oft sei es dann aber gar nicht so gewesen.

Neue Anbieter gesucht

Auch den Gewerkschaften fallen die Arbeitsnomaden auf. «Der Arbeitsmarkt ist sehr flexibel geworden. Das gilt für Arbeitnehmer aus dem Ausland wie auch aus der Schweiz», sagt Beat Joost von der Unia. Betroffen seien vor allem das Gewerbe und der Bau. Joost kennt Beispiele, wo findige Immobilienbesitzer Profit aus der Situation schlagen wollten. «Sie verlangen überteuerte Preise für Zimmer im Estrich oder im Keller.»

So oder so: Die Preise im Immobiliensektor sind grundsätzlich am Steigen. Auch das dürfte ein Grund für die stärkere Nachfrage nach Untermiet-Arrangements sein. Vermittlerin Dorette Provoost jedenfalls hätte nichts gegen ein paar Zimmer im Repertoire: «Für neue Angebote bin ich immer offen.»

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