Die Busse ist nicht hoch: 300 Franken. Dazu kommt freilich die Geldstrafe von 45 Tagessätzen à 30 Franken, bedingt ausgesprochen, mit zweijähriger Probezeit. Und der happigste Teil: Verfahrenskosten in der Höhe von fast 4700 Franken. So viel kostet es, wenn man sich in Basel-Stadt den Anstrich von Doktorwürden gibt, obwohl man nie eine Dissertation verfasst hat. Diesen Schwindel leistete sich eine Basler Therapeutin, welche «in Basel eine Praxis für Trauma- und Stressauflösung betreibt», wie es in der Anklageschrift heisst und zu diesem Urteil kam auch die Justiz in erster Instanz – nun steht der Gang vor das Appellationsgericht an.

«Trauma- und Stressauflösung» boomt. Im Internet buhlen Heiler und Praktiker mit ihren Therapien um Kunden. Es geht um Stressenergie, um Potenzialfindung, und um das, «was der Körper zu sagen hat». Mehrere Bücher über diesen Ort, wo sich ein bisschen Psychologie und Medizin mit Esoterik mischt, hat Dr. Grüber verfasst. Google schlägt sie als Ärztin vor, ihre akademischen Meriten erwarb sie allerdings im Bereich der Geisteswissenschaften.

Der Basler Beschuldigten hingegen fehlt selbst diese Grundlage. Dennoch versuchte sie auf verschiedene Weise, Ruf und Namen mit dem Doktortitel auszuschmücken. Die Anklage ins Rollen brachte ein zerstrittenes Paar, das sich von der Heilerin Linderung ihrer Eheprobleme versprach. Er war skeptisch. Sie fand die Heilerin sehr kompetent. Meist ging sie zu den Terminen, öfters in Begleitung aber von ihm. So oder so stand die Beratung aber unter keinem guten Stern: «Gewiss kam es im Verlaufe der Sitzungen bei der Beschuldigten schliesslich im Dezember 2012 zur Trennung der Eheleute», halten die Akten nüchtern das Ende einer Beziehung fest, die immerhin einen Sohn hervorgebracht hatte.

Schicksalhafter Brief

Es sollte die Scheidung folgen, in welchem auch die Heilerin eine Rolle spielen sollte. Der Anwalt des Noch-Ehemannes zeigte seinem Mandanten einen Brief der Heilerin an seine Noch-Ehefrau. Und da wurde er stutzig: Auf dem Absender fehlte der Doktortitel. Dabei besass er doch eine Visitenkarte, auf der sich die Therapeutin so auszeichnete. Und auch ihr Zuhause trug ein Namensschild das auf ihren nicht-existenten Titel verwies. Auch den Mietvertrag und den Sicherheitsunterlegungsvertrag unterzeichnete die Frau als Doktorin, wie aus den Akten hervorgeht. Den Überblick in diesen zu behalten, ist nicht einfach, die Beschuldigte wechselte offenbar ihren Vor- wie auch ihren Nachnamen im Laufe der Zeit – der Doktortitel aber blieb.

Ihre Versuche, den Schwindel als Missverständnis abzutun, tat das Strafgericht als «absurd» ab. So behauptete sie, DR auf dem Namensschild verwiesen auf die Initialen ihres Schwagers. Auch die Erklärungsversuche für die anmassende Visitenkarte waren zu wenig glaubhaft. Mal bezeichnete sie diese als Fälschung, mal waren es vorgedruckte Motive, die sie fälschlicherweise verteilt hatte. «Selbstredend täuschte sie abstrakte besondere Fähigkeiten vor», hielt Gerichtspräsidentin Katharina Giovannone fest. Weil die Beschuldigte sich aber gegen den Vorwurf des unlauteren Wettbewerbs wehrt, wird ihre Geschichte am 19. Dezember neu verhandelt.  

Auch der Kläger, der alles ins Rollen gebracht hatte, konnte sich nicht ganz schadlos halten. Mit seiner Forderung nach Schadenersatz blitzte er ab und auch seine Anwaltskosten muss er selber tragen.