Jazz

Film ab! Musik an! – Auftakt zum offbeat Festival Basel

Interpretierten ausgewählte Perlen von Nino Rota und Ennio Morricone: Der Akkordeonist Luciano Biondini und der Saxofonist Rosario Giuliani. Véronique Bidinger

Interpretierten ausgewählte Perlen von Nino Rota und Ennio Morricone: Der Akkordeonist Luciano Biondini und der Saxofonist Rosario Giuliani. Véronique Bidinger

Rosario Giuliani und Luciano Biondini interpretieren zum Startschuss des offbeat Festival Basel die (Filmmusik)-Komponisten Nino Rota und Ennio Morricone.

Dem italienischen Film geht es ja, nach einer Durststrecke, wieder besser. Die grosse Zeit der Federico Fellinis, Luchino Viscontis und Sergio Leones bleibt aber unerreicht. Wohl nicht zuletzt wegen des Zusammenspiels der Regisseure mit den Komponisten Nino Rota (1911–1979) und dem 88-jährigen Ennio Morricone, die manche Filme nicht nur veredelten, sondern sie erst recht unsterblich machten.

Es ist deshalb kein Zufall, dass Musiker immer wieder auf das Schaffen der beiden italienischen Filmmusiker zurückgreifen. Rockmusiker von Metallica, Motörhead über Roger Waters und Bruce Springsteen bis hin zu Popmusikern wie Danger Mouse haben sich mit dem Werk von Morricone beschäftigt. Aber auch Jazzmusiker wie Pat Metheney, Quincy Jones, Eumir Deodato oder Herbie Hancock.

Bei Nino Rota sind es Jazzmusiker wie Carla Bley, Charlie Haden, Bill Frisell, Muhal Richard Abrams, Richard Galliano und Aldo Romano, die sich zum Werk des grossen Meisters hingezogen fühlen. Rota hat sich zwar immer als klassischer Komponist gesehen, er war aber bekannt für seine Improvisationsgabe und wurde geschätzt für seine Flexibilität. Es besteht deshalb immerhin eine verwandtschaftliche Beziehung, eine geistige Nähe zum Jazz.

Keine nostalgische Verklärung

Mehr noch: Der Jazz ist geradezu prädestiniert, sich auf die Meister des italienischen Films zu beziehen. Denn kein anderes Genre vermag die Doppelbödigkeit von Fellini & Co. besser zu reflektieren und transportieren als die improvisierte Musik.

Das hat zum Auftakt des offbeat Jazzfestival Basel, erstmals im Volkshaus, das Quartett von Saxofonist Rosario Giuliani und Akkordeonist Luciano Biondini mit dem Bassisten Enzo Pietropaoli und Michele Rabbia (Schlagzeug, Perkussion, Electronics) bewiesen, das unter dem Namen «Cinema Italia» ausgewählte Perlen aus der Schatzkiste von Nino Rota und Ennio Morricone interpretierte.

Dabei ging es nicht um eine nostalgische Verklärung der grossen Musiker, sondern um die Dekonstruktion und Neu-Interpretation des Werks. Wie sich Biondini und Giuliani die Bälle zuschoben, wie sie das melodische Material auseinandernahmen und neu erfanden, war ganz grosse Klasse.

Dabei kommt ihnen offensichtlich die italienische Herkunft zugute. Die Interpretationen der amerikanischen Jazzmusiker haben oft etwas Existenzielles. Viele Musiker scheinen um ihr Leben zu spielen. Giuliani und Biondini versprühen dagegen eine Leichtigkeit des Seins, musizieren verspielt, geistreich, charmant und lustvoll. Es ist jene Italianità, die eben auch den italienischen Film kennzeichnet und auch zum Markenzeichen des italienischen Jazz geworden ist.

Band bastelt sich neuen Film

Im Vergleich zum Album «Cinema Italia» (2016) steigert sich in Basel vor allem Saxofonist Giuliani. Die Bühne wirkt ganz offensichtlich befreiend und belebend. Dabei begegnet die Band den Meistern mit Respekt, lässt sich aber nie vereinnahmen. Klar, da und dort wird auch geschmeichelt und geschwelgt. Um den Schönklang und die Harmonie an anderer Stelle gleich wieder zu verwerfen.

Die Band bastelte sich einen neuen Film. Aber ganz ohne Regisseure. In der Zugabe wird sogar gemischt: Aus Morricone wird Rota, aus Rota und Morricone Giuliani und Biondini. Die Musiker sind Schauspieler, Drehbuchautoren und Regisseure in Personalunion. Sie lassen sich nichts sagen, sind unberechenbar, abenteuerlich, eigenwillig, unbedingt anti-autoritär und im besten Sinne subversiv. Jazzmusiker halt!

Das offbeat Jazzfestival Basel dauert noch bis zum 18. Mai. Heute Jan Lundgren & String Quartet ab 20.15 Uhr im UBS Forum Basel.

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