Basler Wahlen
EVP: Auf dem Weg in die völlige Bedeutungslosigkeit

Die Evangelische Volkspartei kämpft gegen den Fall ins Bodenlose. Dank ihrer Stärke in Riehen dürfte sie auch in der kommenden Legislaturperiode im Grossen Rat vertreten sein. Allerdings wird es für die Fraktionsstärke kaum reichen.

Nicolas Drechsler
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Die EVP wird im Grossen Rat wohl nicht die Fraktionsstärke erreichen.

Die EVP wird im Grossen Rat wohl nicht die Fraktionsstärke erreichen.

Keystone

Eine Bilanz über die EVP-Fraktion zu verfassen, heisst eigentlich einen Grabgesang auf eine schon tot geglaubte Partei anzustimmen. Sie wird sich aber wohl dank ihres immer noch vorhandenen Potenzials in Riehen eine weitere Legislatur lang im Grossen Rat halten. Derzeit sind es noch die beiden Grossräte Christoph Wydler und Beat Fischer sowie die Riehener Gemeinderätin und Grossrätin Annemarie Pfeifer, welche die Fahne der Evangelischen im Rathaus hochhalten. Zusammen mit den beiden verbliebenen DSPlern Felix Eymann und Peter Bochsler reichte das gerade, um eine Fraktion zu bilden.

Doch in der nächsten Legislatur verschwindet die DSP endgültig. Ihre letzten beiden Mitglieder wechseln zur FDP respektive zur LDP. Die EVP bräuchte also einen neuen Fraktionspartner. Doch den zu finden, dürfte nicht ganz einfach werden. Eine Zusammenarbeit mit der anderen christlichen Partei, der CVP, dürfte schwerfallen, dafür stehen die Basler EVP-Grossräte schlicht zu links. Die EVP-Parlamentarier sind allesamt sehr umweltbewusst, die Mehrheit der EVP-Vorstösse im Parlament beschäftigt sich mit Umwelt-Anliegen. Also wäre eine grün-evangelische Kooperation theoretisch denkbar. Doch auch bei den Grünen werden sie wohl kaum unterkommen, dafür sind sie in etlichen gesellschaftspolitischen Fragen zu christlich-konservativ.

Das gleiche Problem würde sich bei einer Kooperation mit der SP stellen, trotz der mannigfaltigen sozialen Anliegen der EVP. Immer wieder setzte sich die Partei in den vergangenen Jahren für arbeitslose Jugendliche, für Behinderte und für Randständige ein. Das letzte Beispiel ist die im Grossen Rat gescheiterte Resolution von Christoph Wydler. Er wollte sich – am Jubiläumstag der UNO-Resolution gegen Armut – für die Rechte und die Würde von in Armut lebenden Menschen einsetzen.

Dieser Vorstoss war symptomatisch für die Arbeit der Fraktion: Gut gemeint, aber zum Scheitern verurteilt und lediglich von symbolischem Wert. Im politischen Alltagsgeschäft, in dem es um harte, sachpolitische Diskussionen und um möglichst knackige Voten geht, haben die netten, braven EVPler einen schweren Stand. Dazu kommt das Nachwuchsproblem. Die EVP ist hoffnungslos überaltert. Davon können auch die elf Kandidaten, die unter 35 Jahre alt sind, nicht ablenken. Die EVP tritt auch nur noch in Riehen mit einer vollen Liste an, in allen anderen Wahlkreisen bleibt sie zur Hälfte leer.

Da half auch der Namenswechsel von VEW zu EVP wenig. Das Problem liegt einiges tiefer: Der evangelisch-reformierten Landeskirche, aus der die Partei traditionellerweise ihre Mitglieder rekrutiert, laufen die aktiven Gläubigen davon. Die EVP muss sich eine breitere Basis erschliessen. Und sie braucht ein klareres Profil. Sonst ist sie in spätestens vier Jahren eine reine Riehener Dorfpartei.

Dies ist der letzte Teil unserer Bilanz-Serie. Bereits erschienen sind: LDP (31.8.), SP (10.9.), FDP (15.9.), GB (22.9.), SVP (2.10.), CVP (10.10.) und GLP (12.10.).