Ausschreitung
Erster FCB-Fan nach Schalke-Krawallen verurteilt

Bei den Ausschreitungen rund um das Champions-League-Spiel gegen Schalke 04 wurden vor drei Jahren 27 Personen verhaftet. Am Dienstag wurde ein 29-jähriger Basler wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte verurteilt.

Benjamin Rosch
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FCB-Fans vor dem Stadion rund um das Spiel FC Basel gegen Schalke 04.

FCB-Fans vor dem Stadion rund um das Spiel FC Basel gegen Schalke 04.

KEYSTONE

Eine Stunde Videomaterial besass die Polizei von den Ausschreitungen rund um das Spiel des FC Basel gegen Schalke 04 im Oktober 2013. Der Auftritt von J. dauert acht Sekunden. Viel ist dabei nicht zu sehen, die Szenen wurden am Dienstag im Strafgerichtssaal vorgeführt. Ein Pulk, auf dessen Rand hin sich J. zubewegt. Dann zeigt J. nach rechts und bewegt sich wieder aus dem Bild. Zudem scheint er ein paar Worte mit jemandem zu wechseln; mit wem, ist nicht zu erkennen. Dass J. vom Gericht zu den randalierenden FCB-Fans dazugezählt wurde, hat wohl hauptsächlich mit seiner Kleidung zu tun, die ihn verdächtig macht: eine dunkle Jacke, Kapuze über dem Kopf, eine Sonnenbrille. Vermummt. Aber dennoch erkennbar. Denn so landete er am Internetpranger, erkannte und stellte sich. Am Dienstag wurde er verurteilt.

Es ist nicht zu sehen, wie J. eine Straftat begeht, auch wenn das Video durchaus Gewaltszenen dokumentiert. Fans beider Lager provozieren sich, die Polizei greift mit Gummigeschoss ein. Manche Fans heben die Geschosse auf und werfen sie zurück. Der Strafbefehl gegen J. lautet: Landfriedensbruch, Gewalt und Drohung gegen Beamte, Vermummung.

Verhängnisvolle Geste

Für eine Verurteilung braucht es aber auch kein Videomaterial, das den 29-Jährigen aktiv bei widerrechtlichen Handlungen zeigt. Bei Gewalt und Drohung gegen Beamte gilt das Prinzip der Mittäterschaft. Für die Erfüllung des Tatbestands des Landfriedensbruchs ist eine Gruppe nötig. «Es hat eine Zusammenrottung stattgefunden», hielt denn Gerichtspräsidentin Katharina Giovannone fest. Und zum Beschuldigten direkt gewandt: «Man sieht Sie eine Geste machen. Kurz darauf deutet auch eine andere Person in diese Richtung», sagte sie in der Begründung des Schuldspruchs. Dies sei kein Ausdruck eines passiven Verhaltens, sondern Teil einer koordinierten Bewegung der Gruppe. Und, eben: «Sie tragen Accessoires, welche jenen der anderen ähneln.» 90 Tagessätze à 160 Franken muss der Täter zahlen, sollte er sich in den nächsten zwei Jahren etwas zuschulden kommen lassen.

Die Probezeit gilt, weil J. Ersttäter ist. Ein Urteil, das der Strafverteidiger nicht nachvollziehen kann. Dieser ist kein Unbekannter: Niklaus Ruckstuhl ist Professor für Strafrecht an der Uni Basel. Er sagt: «Ich habe den Eindruck, man wolle ein Exempel statuieren.» Dass der Beschuldigte die Mittäterschaft bestreiten müsse, sei eine Umkehrung der Beweisschuld. Noch hat sich J. nicht entschieden, ob er das Urteil weiterziehen will. «Möglich ist es sicher», sagt Ruckstuhl.

Bei den Ausschreitungen rund um das Champions-League-Spiel vom 1. Oktober 2013 kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Fanlagern und der Polizei. Gemäss Polizeiberichten wurden mehrere Personen verletzt. An jenem Abend wurden 27 Personen festgenommen – alleine 17 davon waren aber Greenpeace-Aktivisten. Sie hatten sich damals vom Stadiondach abgeseilt.

Es ist erst das zweite Mal, dass die Basler Staatsanwaltschaft den Internetpranger – auch Öffentlichkeitsfahndung genannt – gegen FCB-Fans einsetzt. 2010, im Nachgang zu einem FCZ-Spiel von 2009 wurden 11 von 17 Gesuchten identifiziert und verurteilt. Rund um die Schalke-Krawalle wurden fünf Personen gesucht, bei zweien wurde die Identität festgestellt. J. ist der bislang einzige Verurteilte, der zweite Fall ist hängig.

Auf Ende Oktober hat die Staatsanwaltschaft zudem angekündigt, verpixelte Bilder von den Ausschreitungen nach dem Spiel gegen den FCZ im vergangenen April veröffentlichen zu wollen.

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