Öffentlicher Verkehr
Erhebung zeigt: Knapp 14 Prozent der Basler Trams und Busse sind verspätet

Warten auf verspätete Trams und Busse gehört für die Basler öV-Nutzer zum Alltag. Erstmals liegen nun Daten vor, die dies belegen.

Leif Simonsen
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Von den sechs grössten Deutschschweizer öV-Unternehmen sind die BVB die zweitunpünktlichsten.

Von den sechs grössten Deutschschweizer öV-Unternehmen sind die BVB die zweitunpünktlichsten.

Kenneth Nars

In einer gross angelegten Erhebung ist die Plattform «Puenktlichkeit.ch» zum Ergebnis gekommen, dass die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) von den sechs grössten deutschschweizerischen öV-Betrieben die zweitunpünktlichsten sind. Schlechter schneiden nur die Verkehrsbetriebe Luzern ab, währenddem die Verkehrsbetriebe Schaffhausen, Bernmobil und die Verkehrsbetriebe Zürich die ersten drei Ränge belegen.

«Puenktlichkeit.ch» hat sämtliche von den Unternehmen veröffentlichten Daten zur Tram- und Buspünktlichkeit zusammengetragen und ausgewertet. Das Ergebnis ist kein Ruhmesblatt für die BVB: Knapp 14 Prozent der Busse und Trams erreichen das Ziel mit über drei Minuten Verspätung. 4,3 Prozent treffen gar mit über fünf Minuten Verspätung ein. In Bern beispielsweise haben nur 1,9 Prozent der Busse und Trams mehr als fünf Minuten Verspätung. In Zürich sind es 2,6 Prozent.

Die BVB stellen ihren Daten seit vier Monaten zur Verfügung. Bis Ende 2018 sind alle Verkehrbetriebe der Schweiz angehalten, die Daten an die neue Plattform zu schicken. Darunter auch die BLT, die bisher nicht registriert werden.

Enger Fahrplan

«Puenktlichkeit.ch» wird seit einem Jahr vom IT-Experten Andreas Gutweniger betrieben, der in Bremgarten bei Bern zuhause ist. Gemäss Homepageinformationen will er mithelfen, die Sensibilität für die Pünktlichkeit der öffentlichen Verkehrsbetriebe zu steigern.

Die Plattform verfügt über eine immense Datengrundlage. Alleine in Basel wurden bereits knapp zehn Millionen Abfahrten und Ankünfte registriert. Gutweniger verfügt somit über eine schweizweit einzigartige Vergleichsbasis und muss sich lediglich vorwerfen lassen, dass sie keine Gewichtung nach Zahl der betroffenen Fahrgäste vornimmt. Gutweniger muss sich auf das Datenmaterial stützen, das ihm von den öV-Betrieben zur Verfügung gestellt wird – dazu gehören eben nur die Ankunftszeiten der Busse und Trams.

Warum die Passagiere in Basel aber überdurchschnittlich lange warten, dazu konnte dieser Tage niemand bei den BVB Stellung beziehen. Die Medienstelle sei bis zum 1. Januar reduziert im Einsatz und nur bei dringlichen betrieblichen Anfragen erreichbar, liess eine Sprecherin ausrichten.

Die Basler Verkehrspolitiker bringen sich derweil in Stellung. SP-Grossrat Jörg Vitelli moniert, dass der Fahrplan bei den BVB extrem «spitz» kalkuliert sei. Die kleinsten Störungen hätten Folgen fürs gesamte Streckennetz. Gerate ein Tram in den Stau, müssten die folgenden warten.

Besonders macht sich dieser Effekt zwischen Kleinhüningen und Aeschenplatz bemerkbar. Auf der hauptsächlich durch die Tram Nummer 8 befahrene Strecke sind drei von vier Trams über fünf Minuten zu spät (siehe Grafik unten). Jedes zweite hat mehr als drei Minuten Verspätung. Diese Strecke ist vor den Abschnitten Allschwil Paradies – Basel Neuweilerstrasse sowie Basel, Breite – Sevogelplatz (Linie 3) der schlechteste Wert auf dem BVB-Netz.

Die «roten Passagen» zeigen, wo die BVB unpünktlich sind. Am meisten Verspätungen gibt es zwischen Kleinhüningen und dem Aeschenplatz sowie zwischen Allschwil Paradies–Basel Neuweilerstrasse und Breite–Sevogelplatz.

Die «roten Passagen» zeigen, wo die BVB unpünktlich sind. Am meisten Verspätungen gibt es zwischen Kleinhüningen und dem Aeschenplatz sowie zwischen Allschwil Paradies–Basel Neuweilerstrasse und Breite–Sevogelplatz.

zvg

Parkplätze eliminieren

Neben einem weniger ambitionierten Fahrplan fordert Vitelli nun mehr Vortrittsrechte für die Trams. «Wie in den 70er-Jahren müsste wieder mehr Sperrflächen für das Eigentrassee geschaffen werden», sagt er. Damit könne vermieden werden, dass die Trams in der Rush Hour in den Stau geraten.

Dazu müssten aber Parkplätze aufgehoben und zu Autospuren umfunktioniert werden, beispielsweise entlang der 3er-Linie in Richtung Breite. Vitelli hat dazu eine dezidierte Meinung: «Die Strassen sind zum Fahren da und nicht zum Parkieren.» Andere Städte haben auf die Verspätungen während der Spitzenzeiten anders reagiert. Bernmobil rechnet beispielsweise im Feierabendverkehr längere Fahrzeiten ein.

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