Badischer Bahnhof
Entwicklungskonzept lässt Zukunft für den Gare du Nord offen

Der Badische Bahnhof beheimatet mit dem Gare du Nord, Zentrum für Neue Musik, und der Helmut Förnbacher Theater Company zwei Kultureinrichtungen. Lukrativere Nutzungen wie ein Nobelrestaurant könnten diese kulturellen Einrichtungen verdrängen.

Peter Schenk
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Im Konzertsaal des Gare du Nord, dem früheren Bahnhofbuffet 1. Klasse, finden jährlich 100 Veranstaltungen statt.

Im Konzertsaal des Gare du Nord, dem früheren Bahnhofbuffet 1. Klasse, finden jährlich 100 Veranstaltungen statt.

Ute Schendel

Im Entwicklungskonzept Badischer Bahnhof, das noch bis 22. Juli in der Vernehmlassung ist (bz von gestern), wird darauf hingewiesen, das deren Status unsicher ist. So heisst es dort: «Als betriebsfremde Nutzung auf Bahnareal fehlt diesem Angebot jedoch eine sichere Rechtsgrundlage.» Um die Kulturangebote zu sichern und zu fördern, gebe es Handlungsbedarf.

Jürgen Lange von der Deutschen Bahn (DB), als Beauftragter für die deutschen Eisenbahnstrecken in der Schweiz auch für den Badischen Bahnhof zuständig, sieht das naturgemäss etwas anders: «Für uns stehen bahnaffine Lösungen, die den Reisenden etwas bringen, an erster Stelle.»

Für beide Kultureinrichtungen seien die Räumlichkeiten nicht ideal. Und für die Bar du Nord im ehemaligen Bahnhofbuffet 2. Klasse, bekannt für die Fussballübertragungen auf Grossleinwand, brauche es für eine dauerhafte Nutzung eine neue Kücheneinrichtung.

Förnbacher geht wohl als Erster

Derzeit laufen Verhandlungen, dass das Förnbacher Theater die Räumlichkeiten bis 2016/17 nutzen könne. Obwohl die provisorische Bewilligung für den Gare du Nord Ende 2015 abläuft, lässt Lange durchblicken, dass Förnbacher wohl als Erster gehen werde.

Dennoch: «Wenn sich eine wesentlich attraktivere Möglichkeit für den Gare du Nord zeigt, muss ich das natürlich prüfen. Sollte in fünf Jahren ein Investor für ein Nobelrestaurant auftauchen, könnte ich schwach werden.»

Desirée Meiser sieht das gelassen. Sie mailt aus den Ferien: «Wir stehen in sehr gutem Kontakt zur Deutschen Bahn und führen einen erfolgreich laufenden Kulturbetrieb. Deshalb sehen wir keinen akuten Grund zur Sorge um die Zukunft des Gare du Nord.» Helmut Förnbacher war gestern nicht zu erreichen.

Kanton sieht beide Seiten

Differenziert äussert sich Susanne Fischer, Leiterin Raumentwicklung beim Planungsamt Basel-Stadt. Die kulturelle Nutzung beurteilt sie als vorteilhaft für den Badischen Bahnhof. «Das ist eine Besonderheit. Sonst findet man Kulturprojekte immer nur in stillgelegten Bahnhöfen. Ich finde das sehr günstig.»

Von der Schalterhalle entfernt könnte sie sich weitere kulturelle Nutzungen vorstellen. «Die Leute kommen extra dorthin.» Sie kann aber auch die Argumentation der DB nachvollziehen. «Wenn sich wertschöpfungsstärkere Nutzungen ergeben, die das Angebot des Bahnhofs und des Quartiers ideal ergänzen , unterstützen wir das.»