Am Anfang war die Baustelle: 2014 erfüllten sich Eres Oron, Marco Schmutz und Daniel Henke ihren Traum vom eigenen Club. Startpunkt war eine alte Garage mit Umland, eine Industrieoase in einem ausgangstechnischen Nowhere Land, dem Basler Breite-Quartier.
Hier auf dem Haefely-Areal bauten sie mithilfe zahlreicher Freunde in monatelanger Arbeit eine alternative Oase: die Kaschemme.

Fünf Jahre und rund 250 Konzerte später sitzen sie an der Bar, während auf dem Areal renoviert und umgestaltet wird. Es gibt immer was zu tun. «Die Kaschemme ist ein Do-it-yourself-Projekt», sagt Daniel Henke. Eines, das nie zum Stillstand kommt. Darin liegt einerseits der Reiz. Andererseits möchten die Betreiber das, was hier geschieht, festhalten. Für die Ewigkeit.

So zeichnen sie vermehrt Konzerte auf. Ziel sei es, ein Archiv aufzubauen, das den Bands und via Internet auch den Fans zugänglich gemacht werden könne. So wie es das Montreux Jazz Festival im Grossen seit Jahrzehnten praktiziert. «Viele Konzerte in der Kaschemme waren grossartig», sagt Daniel Henke, «aber am Tag danach ist alles nur noch Erinnerung. Das ist schade.» Abende wie jüngst das Gastspiel von Ex-Navel-Frontmann Jari Antti mit Mr. Ray filmte man mit mehreren Kameras.

Denn was noch nicht wirklich in der Öffentlichkeit angekommen ist: Die Kaschemme ist mehr als ein Club. Die Bühne ist zwar das Herzstück. Doch die Macher haben auch ein altes Haus dahinter gemietet, darin finden sich Atelierplätze, ein kleines Studio auch. Nach Konzerten kann da auch mal eine Jamsession steigen, sagen sie. Und jeden Dienstag steht die Türe Musikerinnen und Musikern jeglicher Couleur offen. Wer will, kann reinschneien und mitspielen. Im Idealfall entsteht daraus ein Song, ein Track für die Kaschemme-Compilation.

Überschaubare Grösse

Nicht ohne Stolz erwähnen die Macher auch, dass sie bisher ohne Subventionen durchgekommen sind – mal abgesehen von Beiträgen des RFV für die Förderung der regionalen Musikszene. Diese hat in der Kaschemme eine Anlaufstelle gefunden, wenn es zum Beispiel um Albumtaufen geht. Die überschaubare Grösse – die Besucherkapazität im Schuppen beträgt maximal 200 – hat dabei ihre Vorteile: Die Stimmung kann in diesem Bau schnell einen Siedepunkt erreichen. Auch die unmittelbare Nähe zu den Künstlern ist von Vorteil. Nähe ist überhaupt ein grosses Thema bei den Kaschemme-Betreibern – zu den Musikern, zum Publikum, zur Szene.

Ein anderer Vorteil von Nähe ging jedoch nicht wunschgemäss auf: jene zum St. Jakob-Park. Das Stadion liegt wenige Schritte entfernt, dadurch erhofften sich die Betreiber, an Matchtagen die Fussballfans unterhalten zu können. Doch das zog nicht wirklich, die FCB-Anhänger tranken ihr Bier lieber beim Stadion.

Ein bisschen einfacher hatten sie sich auch Bewilligungsaspekte vorgestellt - und die automatische Zugkraft mancher Musikreihen. Man müsse bei jedem Event dranbleiben, die Leute kämen nicht einfach so, sagen sie. Auch sei das Publikum unberechenbar. So bedient die Kaschemme diverse Nischen, von Afrobeat über Rap und Garagenrock bis Psychedelik. Dass sich dadurch die Zielgruppen nicht immer überschneiden, wird in Kauf genommen, zugunsten der Vielfalt.

Die Lage in der Breite bringt keine Laufkundschaft. «An der Feldbergstrasse könnten wir vermutlich sieben Tage offen haben», sagt Marco Schmutz. «Aber dann hätte es auch nicht mehr den selben Charme», fügt er hinzu, und: «Wegen dem Geld machen wirs nicht.» Sondern aus Leidenschaft.

Ein Ende ist vorerst nicht in Sicht. Die Besitzer haben den Mietvertrag verlängert, bis 2022. Das allein wäre schon ein Grund zur Freude: Zugleich feiern die Betreiber am kommenden Pfingstwochenende fünf Jahre Kaschemme. «Für uns ist es ja schon nur ein Meilenstein, dass wir das überhaupt geschafft haben», sagt Marco Schmutz glücklich. «Und das, ohne uns untreu zu werden.»

5 Jahre Kaschemme Unter anderem mit Neal Sugarman & the Soul Pleasers, L’Eclair, Goldfinger Brothers, DJs von Akiwawa und Konzeptlos. Freitag, 7., bis Sonntag, 9. Juni. Lehenmattstrasse 353. www.kaschemme.ch