St. Jakob-Arena
Ein neues Eissportzentrum für die Basler Bevölkerung

In der Basler Verwaltung sorgt die Idee eines Therwiler ETH-Ingenieurs für Aufsehen. Diese könnte die teure Sanierung der alten Kunsteisbahnen Margarethen und Eglisee überflüssig machen.

Bojan Stula
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Auf dem Kunstrasenfeld hat es Platz für den Anbau an die Eislauf-Arena. Der Kunstrasen müsste dann aber auf den Sportanlagen St. Jakob verlegt werden.

Auf dem Kunstrasenfeld hat es Platz für den Anbau an die Eislauf-Arena. Der Kunstrasen müsste dann aber auf den Sportanlagen St. Jakob verlegt werden.

Kenneth Nars

Die Basler Kunsteisbahn Margarethen könnte bald schon Geschichte sein. Das «Regionaljournal» von SRF machte vergangene Woche öffentlich, was in einschlägigen Kreisen schon lange diskutiert wird.

Die ursprünglich auf zwischen 19 und 38 Millionen Franken veranschlagte Sanierung dürfte wegen des maroden Zustands der «Kunschti» viel eher auf 65 Millionen Franken zu stehen kommen. Das schrieb gestern die «Schweiz am Sonntag».

Darum hat das Basler Sportamt Szenarien entwickelt, wie es mit der beliebten Freizeitanlage im Gundeli weitergehen soll; inzwischen ist selbst die Schliessung aus Kostengründen eine ernsthafte Variante. Nach der Zukunft der Margarethen-Kunsteisbahn gefragt, vertröstet das Basler Erziehungsdepartement auf später. Erst wenn die Zukunft der Kunsteisbahnen in der Regierung behandelt worden ist, wollen die Behörden die Öffentlichkeit informieren.

Auch auf der anderen Seite des Rheins sehen die Basler Eislauf- und Eissportfreunde einer ungewissen Zukunft entgegen. Auf der Kunsteisbahn Eglisee beseht ein Sanierungsbedarf von mindestens 15 Millionen Franken.

Zudem wird die für die Wintermonate geplante Ballonhalle über dem Schwimmbecken die Eisfläche und damit den Eislaufbetrieb wohl dauerhaft einschränken.

Die privat geführte Eishalle St. Jakob-Arena ist zwar modern, dafür aber im Betrieb teuer und kämpft nicht erst seit dem Ende der EHC Basel Sharks mit finanziellen Problemen. Droht also Basel bereits in wenigen Jahren eine kunsteisfreie Zone zu werden?

Vorbild Kanada

Der Bau von strikt funktionsorientierten Eishallen ist in Europa weniger verbreitet als in Nordamerika», sagt Initiant David Senn und orientiert sich am Mohawk 4 Ice Centre in Hamilton, wo 2005 für 17 Millionen kanadische Dollar vier Eisfelder überdacht wurden.
www.mohawk4icecentre.ca

Bestechende Idee

Konfrontiert mit dieser unerfreulichen Perspektive kommt von privater Seite ein interessanter Lösungsvorschlag, der innerhalb der Verwaltung viel zu reden gibt. In der Basler Hockeyliga gilt David Senn als fast unüberwindbar.

Doch der 34-jährige Therwiler ist nicht nur ein talentierter Eishockey-Goalie, sondern auch Ingenieur mit ETH-Diplom und seit 2013 Geschäftsführer der traditionsreichen Senn Maschinenbau AG.

Also hat er beide Kompetenzen in einen Topf geworfen und seine Idee für ein grosses Eissportzentrum St. Jakob zu Papier gebracht. Dieses soll die Kunsteisbahnen Margarethen und Eglisee vollwertig ersetzen.

Tatsächlich ist Senns Idee bestechend. Statt bis zu 90 Millionen Franken in die Sanierung zweier alter Kunsteisbahnen zu stecken, von denen die Kunschti Margarethen erst noch verkehrstechnisch schlecht angebunden ist und um einen Parkhaus-Neubau erweitert werden müsste, könnte Basels gesamte Eissport-Infrastruktur an dem Ort konzentriert werden, wo jetzt bereits der regionale Sport pulsiert: auf den Sportanlagen St. Jakob.

Dem Therwiler schwebt eine Erweiterung der bestehenden St. Jakob-Arena um ein Regie-Gebäude, eine Eishalle mit drei Hockeyfeldern und eventuell noch mit einem weiteren Aussenfeld vor. Dies böte genügend Eisfläche sowohl für Freizeitläufer wie auch all die verschiedenen Eissportvereine, von Curling über Eishockey bis Kunst- und Eisschnelllauf.

Kosten würde der Neubau aber bloss einen Bruchteil der Margarethen- und Eglisee-Sanierung, selbst wenn man die Verlegung der Kunstrasenplätze, auf denen die Erweiterungsbauten zu stehen kämen, einberechnet: «Wohlen baut eine neue grosszügige neue Eishalle für 11 Millionen Franken. Verdreifacht man diesen Betrag, wäre man bei 33 Millionen. Die vorgeschlagene kompakte Dreifach-Halle müsste aber für deutlich weniger Geld realisierbar sein. Ich bin der Meinung, dass schon mit 20 Millionen ein sehr gutes Projekt realisierbar ist», sagt Senn.

Bestehende Überkapazitäten

Der Therwiler betont, dass es ihm nicht um eine Erweiterung der bestehenden Eis-Kapazitäten geht, sondern mit weniger Mitteln deren Erneuerung erfolgen soll; was betriebswirtschaftlich dank der Konzentration an einem Ort erst noch enorme Vorteile bringt.

Die Überkapazität der Arena-Kühlanlage liesse jetzt schon die zusätzliche Aufbereitung eines weiteren Eisfeldes zu. Ebenso besteht in der Arena ein Überangebot an Garderoben. Mit Photovoltaik auf dem neuen Hallendach liesse sich die Energiebilanz verbessern. Das bestehende Arena-Restaurant hätte die Aussicht auf über 100 000 zusätzliche Kunden pro Saison.

Durch die Zusammenfassung dreier Standorte könnten Personal- und Maschinenkosten eingespart werden. Nicht zuletzt ist die St. Jakob-Arena verkehrstechnisch bereits sehr gut erschlossen und bedarf keiner weiteren Parkplätze.

«Es soll sich um ein schlichtes, straffes und effizientes Projekt handeln», stellt Senn klar. Die entsprechenden Projektskizzen liefert er gleich mit.

Wie gross die Chancen sind, dass Politik und Behörden sein Konzept in ein konkretes Projekt umsetzen, kann Senn noch nicht abschätzen. «Ich befürworte eine öffentliche Diskussion dieser Thematik.»

Wobei Senn betont, dass er diese Initiative bloss als Privatperson und Eissportfan gestartet hat und keinerlei Geschäftsinteressen dahinterstecken. Erste Kontaktaufnahmen mit den Verantwortlichen der St. Jakob-Arena und diversen Eissportvereinen seien sehr positiv verlaufen.

Auch die Sportämter beider Basel und das Erziehungsdepartement haben eine Kopie seines Konzepts erhalten, wo es bereits rege diskutiert wird. Die offizielle Reaktion darauf steht allerdings noch aus.

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