Hochschul-Cluster
Ein neuer Uni-Standort fürs Baselbiet – den heutige Studis nicht mehr erleben

2028 sollen die Wirtschaftswissenschaftliche und Juristische Fakultät der Universität aufs Dreispitz ziehen. Liestal und Allschwil haben das Nachsehen.

Leif Simonsen
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Es wird eng: Zu den rund 800 Kunststudenten gesellen sich in zehn Jahren auf dem Dreispitzareal auch 2800 Wirtschafts- und Jusstudenten. (Visualisierung)
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Das Dreispitz-Areal: Hier, an der Grenze zur Stadt, soll die Uni in Münchenstein Standorte für Juristen und Wirtschaftler erhalten.
Wir sind Uni
Gleich sechs Regierungsräte aus beiden Basel informierten über die Neuerungen.
(vlnr.) Anton Lauber, Isaac Reber, Monica Gschwind, Elisabeth Ackermann, Eva Herzog und Conradin Cramer
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Auch die Kulturpauschale wurde neu ausgehandelt, unter anderem erhält auch das Haus der elektronischen Künste auf dem Dreispitz-Areal Baselbieter Geld.
Das Nordende des Dreispitz ist auch in Transformation: Dort sollen weitere Hochhäuser zu stehen kommen.

Es wird eng: Zu den rund 800 Kunststudenten gesellen sich in zehn Jahren auf dem Dreispitzareal auch 2800 Wirtschafts- und Jusstudenten. (Visualisierung)

zvg

Die Suche nach dem neuen Standort der Wirtschaftswissenschaftlichen und Juristischen Fakultät glich einem Casting. In der Endauswahl standen Allschwil, Liestal und Münchenstein. Liestal umgarnte die Jury – in diesem Fall die Regierungen beider Basel – mit dem Argument, die Universität wäre bei einem Umzug ins Stedtli noch stärker im Landkanton verankert. Allschwil warb mit der Nähe zur Stadt. Doch Münchenstein hatte die besten Argumente: Guten öV-Anschluss durch das Tram, auf dem Dreispitzareal einen Campus, auf dem bereits die Hochschule für Gestaltung und Kunst domiziliert und die Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) geplant ist. Und mit der Christoph Merian Stiftung (CMS) eine Landeigentümerin, die der Universität offen gegenüber steht.

Am Donnerstagmorgen gaben die Regierungen beider Basel bekannt, dass Münchenstein zum Handkuss kommt. Die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) war sichtlich bewegt. Sie präsentierte den Entscheid als eine von sechs Regierungsvertretern den Medienschaffenden im Hotel Victoria am Basler Bahnhof SBB. Die Einigung auf den Unistandort im Baselbiet werde die gemeinsame Trägerschaft stärken, ein neues Kapitel der Partnerschaft aufschlagen, im Dreispitz einen attraktiven Cluster im Bereich Hochschulen schaffen, sagte sie.

«Münchenstein wird Unistandort. Lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen» Monica Gschwind Baselbieter Bildungsdirektorin
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«Die Studenten? Die werden zufrieden sein mit diesem Entscheid, da bin ich mir sicher.» Andrea Schenker-Wicki Uni-Rektorin
«Times and Roles They Are a-Changin’, aber ein kleiner Blumenstrauss aus Münchenstein wäre heute natürlich trotzdem ganz nett ...» Lukas Ott Früher Stadtpräsident von Liestal, heute Basler Stadtentwickler
«Die LDP erwartet vom Kanton Baselland, dass er seine Verantwortung als Träger künftig besser wahrnimmt und der Universität die benötigten Mittel gewährt.» Patricia von Falkenstein Präsidentin der LDP Basel-Stadt
«Ich habe letztes Jahr Regierungsrätin Monica Gschwind gesagt, dass ein Standort in Münchenstein oder Allschwil verkraftbar ist – im Gegensatz zu Liestal.» Düzgün Dilsiz Mitglied Studierendenrat
«Die beiden Basler Regierungen setzen damit erste positive Zeichen, um den partnerschaftlichen Gedanken der Universität nachhaltig zu verankern.» Martin Dätwyler Direktor der Handelskammer beider Basel
«Wir sind sehr froh über den Entscheid. Diese Lösung ermöglicht es der Universität, sich weiterzuentwickeln.» Ulrich Vischer Präsident des Unirats
«Wir freuen uns sehr, ganz besonders über das grosse Engagement des Kantons Baselland, das auch für die grosse Anerkennung und Wertschätzung unserer Arbeit spricht.» Sabine Himmelsbach Direktorin HeK, Haus der elektronischen Künste Basel
«Der Status quo wird gehalten und die Situation ist sogar noch positiver: Baselland bekennt sich weiter zur Kultur und zeigt grosse Bereitschaft, diese zu unterstützen.» Thomas Keller Geschäftsführer Kaserne Basel
«Das lässt Hoffnung aufkeimen. Zum Beispiel für den seit 2016 arg gebeutelten Bereich Bildende Kunst, der nun unbedingt analog der Fachausschuss-Bereiche wieder aufgestockt werden soll.» Irene Maag Verband Kultur Baselland

«Münchenstein wird Unistandort. Lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen» Monica Gschwind Baselbieter Bildungsdirektorin

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2800 Studenten ziehen um

Auch die politischen Reaktionen fielen grundsätzlich positiv aus – mit Einschränkungen. Wenig überraschend forderten die Grünen, dass man fortan die «schädlichen Sparmassnahmen» bei der Uni unterlassen solle, und die Basler LDP hob den Mahnfinger in Richtung Baselland: Für die kommende Leistungsperiode solle der Landkanton wieder mehr Geld sprechen.

Enttäuschung herrschte derweil bei den Verlierern. Liestals Stadtpräsident Daniel Spinnler tröstete sich immerhin mit dem Gedanken, dass die Idee einst aus dem Stedtli gekommen sei, die Uni aufs Land zu holen. Und die Allschwiler Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli hielt sich am Versprechen der Baselbieter Regierung fest, dass im fraglichen Gebiet Bachgraben ein Cluster für Life Science entstehe.

Überschäumende Freude war selbst bei Münchensteins Gemeindepräsident Giorgio Lüthi nicht auszumachen, der vor ein paar Tagen über den Entscheid informiert worden war. Auch er weiss: Es ist noch ein weiter Weg, bis die rund 2600 Jus- und Wirtschaftsstudierenden vom Peter Merian-Weg am Bahnhof SBB auf den Münchensteiner Dreispitz ziehen. Zunächst sind erst die passenden Areale ausgewählt. Infrage kommt das Areal Südwest sowie das Areal Süd – beide eigneten sich hervorragend für einen Neubau, betonten die Regierungen. Ohne auf die Details eingehen zu wollen, räumte Münchensteins Gemeindepräsident Giorgio Lüthi allerdings «den einen oder anderen Schwachpunkt» ein, welche die externe Evaluation am ausgewählten Standort ergeben habe. Um welche Probleme es sich handelt, wollte er nicht sagen. Lüthi will stattdessen die Vorteile betont haben. «In einer Viertelstunde sind die Studierenden mit dem öV am Barfüsserplatz, mit dem Velo braucht man aus der Stadt auch nicht mehr als zehn Minuten hierher.» Das sei wichtig, weil viele Studenten auch noch Vorlesungen in anderen Fakultäten besuchten und schnell von A nach B kommen müssten.

Keine Begeisterungsstürme

Begeisterungsstürme suchte man bei den Studierenden am Donnerstag vergeblich. Als Vertreter der Studentischen Körperschaft (Skuba) begrüsste Alexander Powell zwar die Tatsache, dass die Uni fortan in beiden Trägerkantonen verankert sei. «Auch freuen wir uns, wenn die Juristen und Wirtschaftswissenschaftler eine moderne Infrastruktur bekommen.» Gleichzeitig zeigte er sich aber auch «etwas irritiert» über die Tatsache, dass der Uni gleichzeitig Sparmassnahmen im Bereich der Lehre und Forschung aufgebrummt worden seien.

Powell wird aller Voraussicht nach den Umzug auf das Dreispitzareal selber nicht als Student miterleben. Zwar ist die Grundstückbesitzerin CMS dem Projekt gegenüber «positiv eingestellt», wie der Baselbieter Regierungssprecher Nic Kaufmann auf Anfrage der bz betonte, doch braucht ein Neubau dieser Dimension Zeit. Alleine durch den politischen Prozess. So müssen die Kantonsparlamente beider Basel eine Kreditsicherungsgarantie sprechen. Kommt dazu, dass eines der beiden fraglichen Areale derzeit durch den Logistikkonzern Fiege industriell genutzt wird. Bis 2028 aber sei der Bezug des neuen Standorts «realistisch», wie Kaufmann betont.